Rückläufige Apothekenzahl

Thüringen: Rekord bei Schließungen

, Uhr
Berlin -

Der Rückgang der Apothekenzahlen in Thüringen setzt sich mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Insgesamt 13 Apotheken sind im Jahr 2025 für die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung verloren gegangen. So viele wie nie zuvor.

Im Freistaat ist im 15. Jahr in Folge die Zahl der Apotheken gesunken. Der Trend schwächt sich nicht ab. Gab es abgesehen von 2013 stets nur einen Rückgang im einstelligen Bereich, waren es bereits 2021, 2022 und 2023 jeweils zweistellige Verluste. „Besonders dramatisch ist dabei, dass wiederum zwei Thüringer Gemeinden die einzige Apotheke am Ort verloren haben. In Blankenstein an der Saale und in Wandersleben wird es für die Menschen zukünftig deutlich schwieriger, an dringend benötigte Arzneimittel zu kommen“, sagt Danny Neidel, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Thüringen (LAKT).

110 Apotheken weniger als 2010

15 Schließungen standen zwei Neueröffnungen gegenüber. So sind es laut Neidel zu Beginn des Jahres 2026 nur noch 474 Apotheken, die für die Arzneimittelversorgung der Menschen Verantwortung übernehmen. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich der Trend stoppen ließe. Für März sind bereits weitere Schließungen angekündigt“, sorgt sich Neidel. „Gerade mit Blick auf die geplanten tiefgreifenden Änderungen in der neu aufgewärmten Apothekenreform des Bundesgesundheitsministeriums können wir nichts erkennen, was tatsächlich eine sofort wirksame Hilfe wäre. Im Gegenteil, die Pläne werden dafür sorgen, dass die Versorgung gerade auf dem Land weiter geschwächt wird.“

Die Pläne sehen vor, dass gezielt „im ländlichen Bereich“ Apotheken zukünftig auch ohne Apothekerin oder Apotheker offengehalten werden können. „Was als eine gute Idee zur Vermeidung eines Mangels verkauft wird, ist bei Lichte betrachtet eine Bankrotterklärung und die Einführung einer Zweiklassenversorgung“, so Neidel. „Wer sagt, auf dem Land braucht es keine Apothekerin, keinen Apotheker, meint damit, auf dem Land brauchen wir keine erstklassige Versorgung.“

Tabletten sind keine Plätzchen

Apothekerinnen und Apotheker haben in einem Pharmaziestudium nach fünf Jahren alles gelernt, was man zu Arzneimitteln wissen muss. „Tabletten sind nicht so etwas wie nach alter Überlieferung gebackene Plätzchen. Sie sind Hochtechnologie, bei denen man eben leicht auch etwas falsch machen kann“, beschreibt es Neidel in einem Bild. Zum falschen Zeitpunkt angewendet, wirkten Arzneimittel nicht oder nicht richtig. Das sei nicht gut für die Kranken, und es sei auch nicht gut für die Solidargemeinschaft, denn sie müsse dann weitere Folgekosten tragen. „Für mich ist es unbegreiflich, wie unser Staat tatsächlich viel Geld in die Ausbildung von Arzneimittelexpertinnen und -experten steckt und dann nichts dafür tut, dass der Bevölkerung dieses Wissen auch zugutekommt.“

Gerade das Kostenargument lässt Neidel nicht gelten: „Manche Arzneimitteltherapie kostet so viel wie ein Kleinwagen. Da ist es doch gerade finanziell betrachtet extrem wichtig, dass es Apothekerinnen und Apotheker gibt, die dafür sorgen, dass die Arzneimittel auch richtig angewendet werden und die Menschen auch wirklich gesund werden.“

Honorar wie vor 15 Jahren

„Es muss uns gelingen, junge Menschen dafür zu begeistern, mit ihrer Arbeit Menschen vor Ort zu helfen. Mit dem Tag der Pharmazie am 25. März werden wir wieder dafür werben, dass auch in Zukunft die Arzneimittelversorgung sicher und erstklassig erfolgen kann. Allerdings müssen die politisch Verantwortlichen auch dafür sorgen, dass die Honorare konkurrenzfähig bleiben. Und zwar jetzt!“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema

APOTHEKE ADHOC Debatte