Kredite der Rechenzentren

Rezeptgelder: Apotheken brauchen öfter Vorkasse

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Berlin -

Apotheken lassen sich immer öfter Rezeptguthaben vorzeitig auszahlen. Die Rechenzentren reagieren und bieten verschiedene Modelle an – mit günstigeren Zinsen als etwa die Hausbanken der Inhaberinnen und Inhabern. In die Liquiditätsfalle sollen die Apotheken damit jedoch nicht tappen.

 

Apotheken haben schon immer auf die frühe Auszahlung ihrer Rezeptgelder durch die Rechenzentren gesetzt. Doch die Entwicklung nimmt angesichts der angespannten Lage vieler Betriebe an Fahrt auf: „Die Vorfinanzierung von Apotheken nimmt immer mehr zu“, sagt Katja Frey, Bereichsleitung Vertrieb und Prokuristin beim ARZ Haan. Gerade die steigende Zahl hochpreisiger Rezepte – inzwischen teils bis zu 40 Prozent des gesamten Rezeptvolumens – stelle viele Apotheken vor neue Herausforderungen im täglichen Liquiditätsmanagement. „Wir bieten ab sofort mit einem Premium-Paket eine niedrigere Gebühr pro Tag der vorgezogenen Zahlung an.“

Apotheker managen Rezeptgelder

Die Apotheken können über das Modul selbst die Überweisung tätigen. Dadurch könnten die finanziellen Abläufe optimal an den täglichen Bedarf ausgerichtet werden. Jede Inhaberin und jeder Inhaber könne die möglichen Effekte etwa im Hinblick auf potenzielle Skontonutzen beim Einkauf für die eigene Apotheke prüfen und auf dieser Basis eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung treffen, sagt Frey.

Wichtig ist dabei, dass die Betriebe abgesichert seien und keine „nicht vorhandenen Gelder“ überwiesen werden könnten. „Wir als Rechenzentrum dürfen die aktuelle Abrechnung nur in der Höhe vorfinanzieren, die wir als Gegenwert an Daten bereits im Haus haben“, betont sie. Jeder verarbeitete Papier- oder E-Rezept-Datensatz könne über das Kundenportal individuell abgerufen werden und diene damit als präzise Grundlage für die Liquiditätsplanung. Eine von Kritikern genannte drohende mögliche Insolvenzverschleppung oder ein Schneeballsystem habe damit nichts zu tun, so Frey.

Vorfinanzierung für mehr Flexibilität

Die Höhe der Beträge und die Dauer der Vorfinanzierung seien dabei „höchstindividuell“. Jede Inhaberin und jeder Inhaber müsse für sich entscheiden, was kaufmännisch sinnvoll ist, sagt sie. „Es ist eine günstige Alternative, um schnell an Geld zu kommen.“ Etwa wenn ein Hochpreiser bestellt werden müsse oder ein anderes Projekt anstehe. Die höhere Liquidität sorgt auch für mehr Verhandlungsspielraum etwa im Einkauf.

Das neue Premium-Paket bietet den Apotheken mit dem Posten „FlexZahlungBusiness“ ein „effektives Liquiditätsmanagement durch vorgezogene Zahlungen und 0,02 Prozent Gebühr pro Tag der vorgezogenen Zahlung“. Für die Überweisung wird keine Gebühr fällig. Beim ARZ Haan gab es die Vorfinanzierung schon zuvor. Wer das Premiumpaket für 115 Euro pro Monat nicht bucht, zahlt einen Tageszins von 0,03 Prozent.

Auch andere Rechenzentren zahlen vorab

Auch andere Rechenzentren wie Noventi zahlen das Rezeptguthaben vorab direkt aus. Die Berechnung der Gebühren ergibt sich dort laut eigenen Angaben aus einem Festsatz von 0,018 Prozent zuzüglich variabler Finanzierungsgebühr, die dem auf den Banktag heruntergebrochenen 1-Monats-Euribor der Deutschen Bundesbank entspricht.

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