Wirbel um Ozempic-Verordnung

Rezeptfälschung: PTA warnt vor Misstrauen

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Berlin -

Bei Verschreibungen bestimmter Arzneimittel wie Abnehmspritzen schauen HV-Angestellte genau hin. Denn in den Apotheken tauchen immer wieder Rezeptfälschungen auf. Eine PTA aus Wuppertal ist sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst, warnt aber gleichzeitig vor einer Vorverurteilung und den Folgen für das Kundenvertrauen.

Mitte Januar klingelt an einem Freitagnachmittag in der Bären Apotheke in Wuppertal das Telefon. Ein Mann bestellt Ozempic vor, acht Dosen. Der PKA teilt er mit, dass ein Rezept vorliege. „Die Alarmglocken läuten, kein Stammkunde, nur einen Nachnamen kann die Kollegin noch auf ihrem Notizblock notieren. Bestellen oder nicht bestellen? Das ist hier die Frage“, sagt PTA Seda. Der Anruf sei verdächtig gewesen, letztlich entschließt sich das Team jedoch, das Präparat zu bestellen und abzuwarten.

Rezeptfälschertrick oder Zufall?

Am späten Nachmittag, nachdem die Bestellung eingetroffen ist, ruft der Mann wieder an. Er will sich vergewissern, ob das Medikament wirklich bereit liegt. „Wir fragen uns als die ganze Zeit, ob er noch kommt. Mit Fortschreiten der Zeit nimmt bei so etwas der Adrenalinspiegel immer ein klein wenig zu.“ Um 18.30 Uhr, nachdem die letzten Kundinnen und Kunden des Tages bedient sind und die Türen geschlossen werden sollen, betritt noch ein Mann die Apotheke.

Das Team hofft, dass es schnell gehen wird – der „hoffentlich ‚ein Nasenspray bitte‘-Kunde, wer kennt es nicht?“, sagt Seda. „Aber nein, es ist der Kunde, der seine Ozempic-Bestellung abholen möchte.“ Er zeigt ein Privatrezept, das umgehend kontrolliert wird. „Alle Angaben sind drauf, korrekte Dosierung, gestern ausgestellt, Ärztestempel und Unterschrift. Wo ist der Fehler? Im Grunde genommen, an keiner Stelle auf dem Rezept. Die Tatsache, dass sich die Praxis in einem anderen Bundesland befindet und der Kunde wohnhaft in einem anderen Bundesland ist, führt zur leichter Skepsis, stellt jedoch kein Indiz für eine Fälschung dar.“

Dennoch bleiben Zweifel, weil es Freitagabend ist und der Ablauf in ein Muster fällt, das auch Kriminelle nutzen. „Wir entscheiden uns, den Arzt am Montagmorgen zu konsultieren, und informieren den Kunden, welcher verärgert reagiert: Man habe ihm die Spritzen am Telefon zugesagt“, sagt die PTA. Sie versucht zu erklären: „Es sind viele gefälschte Rezepte im Umlauf und wir möchten sicher gehen.“

Apothekenkunde reagiert kritisch

Der Mann reagiert und ruft den Arzt direkt in der Apotheke an. Es handele sich um seinen Schwager. „Er bestätigt die Verordnung und seine Approbation mit seinem Arztausweis per Telefon.“ Die PTA gibt dem Kunden daraufhin die Abnehmspritzen. Im Anschluss zeigt er noch seine elektronische Versichertenkarte vor und löst weitere Rezepte ein. „Er werde von nun an öfter vorbeikommen, spaßt er zum Schluss noch und verabschiedet sich etwa 15 Minuten nach Feierabend von uns.“

Das Gespräch sei sehr unangenehm gewesen, sagt sie. „In einer Zeit, in der Rezeptfälschungen zunehmen, ist mehr Vorsicht geboten. Aber gibt es auch zu viel davon? Rezeptfälschungen führen vermehrt zu Misstrauen und können auch für unangenehme Situationen zwischen Apothekenpersonal und dem Kunden sorgen.“ Letztlich habe sie jedoch erleichtert aufgeatmet, am Ende nicht auch noch die Polizei eingeschaltet haben zu müssen.

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