Notfallkontrazeptiva

EllaOne: Leer gekauft oder voll bevorratet

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Berlin -

Die „Pille danach“ ist rezeptfrei und ein Fazit lautet: „Ich glaube, niemand hat diese Art von Hysterie erwartet“, sagt HRA-Deutschlandchef Klaus Czort knapp eine Woche nach der Freigabe. Beim Hersteller liefen die Telefone und Faxgeräte heiß, einige Apotheken und Großhandelsniederlassungen wurden leer gekauft. In anderen Apotheken wurde das Präparat hingegen kaum häufiger als zuvor nachgefragt.

In der ersten Woche der Rezeptfreiheit haben sich laut Czort viele Apoheken bevorratet und das Notfallkontrazeptivum EllaOne (Ulipristal) auch abgegeben. Dabei gebe es aber deutliche Unterschiede: Während einzelne Apotheken und Großhandelsniederlassungen bereits Anfang der Woche leer gekauft gewesen seien, hätten andere Apotheken noch kein einziges Präparat abgegeben und andere Großhandelsniederlassungen noch mehrere Hundert Packungen vorrätig.

Ein Engpass droht laut Czort nicht: „Wir kommen hinterher“, verspricht er. Man habe bereits Präparate nachgeordert und bekomme neue Ware. Dennoch: „Was ich nicht gehört habe, ist, dass es in diesem Maß abgegeben wurde.“ Seiner Schätzung zufolge wurden mehr Packungen bestellt, als die Nachfrage tatsächlich hergibt.

Das liegt womöglich auch an dem Einführungsangebot von HRA, das derzeit von Außendienstmitarbeitern unterbreitet wird. Den Apotheken wird eine Rabattstaffel angeboten: 5 Prozent bei 15 Packungen, 7 Prozent bei 25 Packungen und 10 Prozent für 50 Packungen. Das Angebot sei explizit als Einführungsrabatt konzipiert und gilt noch bis Ende März. „In Zukunft soll es keine Rabatte geben“, so Czort.

Durchschnittlich habe bislang jede Apotheke zweimal im Monat die „Pille danach“ abgegeben, so Czort. Allerdings habe es auch solche Apotheken gegeben, die – entweder in Innenstädten oder nahe an gynäkologischen Praxen gelegen – monatlich zwischen 30- und 40-mal Notfallkontrazeptiva abgegeben hätten. An solche richtet sich das Einführungsangebot.

An seiner Schätzung, dass durch den OTC-Switch 50.000 bis 100.000 Packungen mehr im Jahr abgegeben würden, hält Czort fest. Bislang wurden jährlich rund 475.000 Tabletten abgegeben. Normalerweise gebe es einen Anstieg zwischen 6 und 7 Prozent, so Czort. Durch die Entlassung aus der Verschreibungspflicht könnten es kurzzeitig bis zu 20 Prozent werden. Mit Blick auf das Werbeverbot geht er inzwischen aber von einem Anstieg zwischen 10 und 15 Prozent aus.

Czort erwartet, dass sich auch das Verhältnis zwischen EllaOne und PiDaNa (Levonorgestrel) ändert: Derzeit entfallen rund 60 Prozent des Absatzes auf EllaOne, bei den Gynäkologen sind es 70 Prozent. Czort geht davon aus, dass sich das Ulipristal-Präparat durchsetzt und bis Ende des Jahres einen Marktanteil von insgesamt 70 Prozent erreicht.

In der Frage, ob PiDaNa derzeit abgegeben werden darf, empfiehlt Czort die kennzeichnungsgemäße Abgabe. Er betont, dass das Präparat weiterhin verkehrsfähig sei – auch wenn andere Stellen etwas anderes sagten. „Wir haben keine Veranlassung, das Präparat zurückzurufen.“

Die Änderungsanzeige für das OTC-Präparat hat HRA bereits beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eingereicht, dort wird sie derzeit bearbeitet. Wenn die Prüfung abgeschlossen ist, kann mit der Produktion begonnen werden. Wie bei EllaOne muss die Packung angepasst werden, das Design wird aber nicht verändert. Czort rechnet derzeit nicht damit, dass es die apothekenpflichtige PiDaNa vor Mitte April gibt.

Die meisten Anfragen, die HRA erreichten, drehten sich aber um ein anderes Thema – um vermeintliche Lagerwertverluste. Rund 2000 Faxe und 1000 Anrufe dazu seien eingegangen, so Czort. Den Anrufern wird denn erklärt, dass die Rx-Version zurückgerufen und der Warenwert gutgeschrieben wurde – daher seien keine Verluste entstanden.

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