Brandenburg

Notdienst: „Fluch und Segen für Apotheken“

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Berlin -

Höhere Notdienstpauschale statt höheres Fixum? Die Sache hat einen Haken: Überall im Land wird das Netz gerade ausgedünnt. So auch in Brandenburg. Im Notdienst in der Mönchen-Apotheke in Jüterbog herrscht meist wenig Kundenandrang. Die Arbeit sei wirtschaftlich betrachtet nicht lukrativ, sagt Inhaber Thomas Faber. Die neue Notdienstregelung entlaste grundsätzlich, aber das Jahr sei eigentlich schon verplant gewesen. „Jetzt muss ich mich neu organisieren.“

Faber ist notdiensterfahren. Bevor er 1997 selbstständig wurde, leistete er viele Notdienste wochenweise. In seiner eigenen Apotheke ist er fast immer der einzige Approbierte gewesen. „Der Notdienst ist für mich ein Dauerzustand. Ich habe ihn zu 95 Prozent alleine gemacht.“ Die Dienstbereitschaft sei „eine gewisse Auferlegung aufgrund der Verantwortung – und sie sondert uns von anderen wie Online-Versendern ab“, betont er.

Nachtschicht belastend und unwirtschaftlich

Natürlich sei die Arbeit belastend. „Es ist wie es ist, natürlich sind da private Einschnitte, weil sich die personelle Situation hier im ländlichen Raum schlecht entwickelt.“ Bei den heranwachsenden Apothekerinnen und Apothekern gebe es „Befindlichkeiten“, was den Notdienst betreffe. „Wir arbeiten, weil wir es so gewohnt sind.“

Die Vergütung von zuletzt rund 540 Euro pro Dienst sei rein wirtschaftlich nicht ausreichend, wenn man es auf eine angestellte Apothekerin oder einen angestellten Apotheker herunterbreche. Da helfe auch die angedachte Anhebung der Notdienstpauschale nicht. Dazu komme, dass sich die Nachfrage im ländlichen Raum wie in Jüterbog in Grenzen halte. Im Schnitt kämen zwischen 10 und 15 Kundinnen und Kunden.

Dennoch sei das Angebot durch die Vor-Ort-Apotheken wichtig, betont Faber. „Es ist Fluch und Segen zugleich. Der Notdienst soll und wird weiter unsere Aufgabe sein. Die Patienten müssen teilweise 40 Kilometer weit zur Apotheke fahren und wenn dann Produkte nicht lieferbar sind, wird es schwierig.“

Lieber Freizeit als Notdienst

Faber absolvierte Ende Februar seinen letzten Notdienst nach der alten Regel der Kammer. Seit März gilt ein landesweit einheitlicher 20-Tage-Rhythmus, der bis Ende des Jahres erprobt und getestet werden soll. Dass die Zahl der Dienste damit niedriger ausfallen wird, freut Faber. Wenn er deshalb weniger an Pauschale erhält, sei das kein Problem.

So sehen es auch viele andere Apothekerinnen und Apotheker. Die Zeit, die man mit dem Notdienst verliert, könne man nicht zurückbekommen, da helfe mehr Geld auch nicht, sagt eine Inhaberin. Dennoch gibt es auch andere Stimmen. Hinter vorgehaltener Hand beschwerten sich auch Kolleginnen und Kollegen, dass ihnen wegen der neuen Einteilung leicht verdientes Geld fehle.

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