67-Jähriger kämpft sich zurück

„Mein Weg aus der Apothekeninsolvenz“

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Berlin -

Seit fast 40 Jahren ist Wolf Wagner als Apotheker selbstständig. Zuletzt erlebte er ein Auf und Ab – nicht nur an Gefühlen. Der Inhaber der Elefanten-Apotheke in Moers wurde durch eine fehlgeschlagene Filialisierung gezwungen, Insolvenz anzumelden. Das Verfahren ist abgeschlossen und er ist schuldenfrei. „Für mich ist das ein sehr glücklicher Zustand“, sagt der 67-Jährige. 

Wagner machte sich 1989 selbstständig. Als 2004 die Filialisierung freigegeben wurde, war er sofort mit dabei. Das Geschäft mit zwei Apotheken lief und er investierte vier Jahre später in den nächsten Betrieb. „Das war eine betriebswirtschaftliche Fehlentscheidung“, sagt er heute. „Ich habe die Daten, die mir zur Verfügung gestellt wurden, nicht richtig interpretiert. Die Apotheke war der Vorschlag einer Bank.“

Verschiedene Fallstricke seien zusammengekommen. „Nach einem Jahr hat sich gezeigt, dass der Hauptverordner – ein Kinderarzt mit vielen Impfstoffen – nicht ertragreich genug war.“ Der Ertrag hätte bei der Prüfung vor dem Kauf im Zentrum stehen sollen. „Man darf sich vom Umsatz nicht blenden lassen.“ Auch die Personalkosten seien zu hoch gewesen.

Apotheker kämpfte für Filiale

2012 entschied er sich, seine erste Filiale und seine Hauptapotheke zusammenzulegen. „Das war ein strategischer Grund, weil ich in einen Neubau umziehen konnte.“ Für den Erhalt der Filiale kämpfte er mehrere Jahre. „Es ist ein Auf und Ab. Ich habe neue Ideen ausprobiert, aber die scheiterten, weil grundsätzliche Faktoren wie Personal, Praxisangebot und Standortfaktoren nicht beherrschbar waren.“ 2018 schloss er seine Kapuziner-Apotheke und fokussierte sich auf den letzten verbliebenen Betrieb.

Doch das über die Jahre entstandene Minus konnte er nicht mehr ausgleichen. Die Hauptapotheke musste die Finanzlast zuletzt alleine stemmen – doch die Zahlungsunfähigkeit rückte immer näher. Ein Insolvenzverfahren war unumgänglich. Dabei wurde er von Marco Dohmen, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, betreut. „Bei jeder Filialisierung laufen Finanzierungen an, wenn dann etwas scheitert, weil der Ertrag nicht stimmt, bleiben die Restschulden bestehen. Diese müssen von den verbliebenen Apotheken aufgefangen werden“, sagt der Jurist.

Mit mehr als 1 Million Euro im Minus

Im April 2024 meldete Wagner Insolvenz an, der Schritt fiel ihm nicht leicht. Die Verbindlichkeiten lagen bei mehr als einer Million Euro. „Die Zeit im Insolvenzverfahren ist psychisch herausfordernd, aber finanziell erleichternd“, sagt er. Als Inhaber bekomme man finanzielle Freiheiten zurück, könne sich von Fußketten wie Verträgen lösen. „Aber die psychische Belastung, die Angst vor dem Scheitern ist nicht zu leugnen.“

Denn man müsse nicht nur mit einem griffigen Insolvenzplan das Unternehmen aus der Pleite führen. Dazu gehöre auch, das Personal sowie Lieferanten und Dienstleister vom Fortbestand der Apotheke zu überzeugen. „Alle Geschäftspartner werden informiert und mit der richtigen Kommunikation bleiben diese bei der Stange.“ Wichtig sei deshalb, die Unterstützung vom Sachwalter und dem beratenden Anwalt. „Die müssen eine extrem gute Expertise in der Branche haben“, sagt der Apotheker.

Wagner selbst konnte Ende 2025 sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung abschließen. „Das ist für mich ein sehr glücklicher Moment gewesen. Die fast 40 Jahre Selbstständigkeit waren nicht ganz vergeblich“, sagt er. Der Apotheker möchte Kolleginnen und Kollegen sensibilisieren, die Scheu vor einem Insolvenzverfahren zu verlieren. „Konsequentes unternehmerisches Handeln lohnt sich. Ich hätte ohne die Insolvenz den Betrieb nicht erhalten können.“

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