Bad Liebenwerda

Löwen-Apotheke von Dr. Liebe verkauft

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Berlin -

Die Löwen-Apotheke des vor Kurzem verstorbenen, ältesten noch aktiven Apothekers, Dr. Wolfgang Liebe, hat eine neue Inhaberin gefunden. Apothekerin Dr. Cornelia Krauße hat die Traditionsapotheke gekauft. Am 1. Oktober will sie die Apotheke übernehmen und zu ihrer Hauptapotheke machen. Krauße führt bereits zwei weitere Apotheken. „Ich will wie Arbeit von Dr. Wolfgang Liebe in Bad Liebenwerda fortsetzen“, sagt Krauße.

Damit endet nach nur kurzer Zeit die Übergangsphase für die Löwen-Apotheke. Nach dem Tod von Liebe kurz nach seinem 100. Geburtstag war die Apotheke als Erbe an die „Dr. Wolfgang Liebe Bürgerstiftung Bad Liebenwerda“ gegangen. Als Verwalter führte Apotheker Christian Rusch die Apotheke in der Zwischenzeit.

Die neue Inhaberin ist nach eigenen Angaben seit circa zehn Jahren mit dem verstorbenen Apotheker Liebe bekannt. Die Fortführung der Apotheke habe sie mit ihm vereinbart: „Das haben wir so besprochen“, so Krauße. Das Geld für den Kauf der Apotheke fließt an die Dr. Wolfgang Liebe Bürgerstiftung, die sich sozialen Zielen widmet. Auch nach seinem dem Tod wird die Kurstadt auf diese Weise weiter von ihrem Ehrenbürger Unterstützung erfahren.

Die Stiftung ist Alleinerbin des am 1. August dieses Jahres im Alter von 100 Jahren verstorbenen Apothekers und wurde Ende 2012 von ihm mit einem Stiftungsstartkapital von 450.000 Euro gegründet. Die Stiftung hat drei Stiftungszwecke. Gefördert werden sollen aus den Erträgen die Altenhilfe, die Bildung von Kindern und Jugendlichen und bürgerschaftliches Engagement.

Apothekerin Krauße führt im sächsischen Riesa die Anker-Apotheke und in Gröditz südlich von Bad Leibenwerda die Röder-Apotheke. „Ich fühle mich geehrt, dass ich die Arbeit von Apotheker Liebe fortführen kann und verspreche allen Kunden der Löwen-Apotheke Kontinuität und Service", zitiert die Lausitzer Rundschau die Apothekerin. Sie will alle Mitarbeiter in Bad Liebenwerda übernehmen. An ihren bisherigen zwei Standorten beschäftige sie 15 Mitarbeiter.

Bis zu seinem Tod war Liebe der älteste noch aktive Apotheker in Deutschland. Noch kurz vor seinem Tod suchte er einen Nachfolger. Weil der 100-Jährige nicht mehr stehen und gehen konnte, beobachtete er das Geschehen in der Offizin zuletzt von einem Nebenraum. Die Tür zur Offizin stand immer offen.

„Meine Erfüllung ist die Apotheke an sich, ist es, den Menschen ein wenig Last von der Seele zu nehmen. Friede und Erfüllung lassen mich zur Harmonie gelangen“, beschrieb der betagte Apotheker sein Lebensmotto im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC anlässlich seines Geburtstages. „Jetzt brauche in dringend einen Nachfolger, sonst muss ich schließen. Ich habe mein Gleichgewicht verloren und kann jetzt nicht mehr am HV-Tisch stehen.“

72 Jahren führte Apotheker Liebe seine Löwen-Apotheke in Bad Liebenwerda, auf stolze 81 Berufsjahre kam er. Selbst zu DDR-Zeiten gelang es ihm, die Apotheke als Privatunternehmen zu führen. Der Apotheker gehörte zu Bad Liebenwerda, dort war er Ehrenbürger. Aber auch weit über die Grenzen der brandenburgischen Kurstadt hinaus wurde er bekannt. Liebe trug den Ehrendoktorhut der International University of Kyrgyzstan (IUK) in Bischkek, Kirgisistan.

Liebe arbeitete zunächst in der Apotheke seines Vaters, die er 1945 als Leiter und 1947 als Inhaber übernahm. Das aber reichte Liebe nicht. 1948 begann er das Studium der Medizin. Anders als viele andere Apotheker in der DDR konnte Liebe seine Apotheke gegen die staatlichen Interessen der DDR weiter als privates Unternehmen führen. 1972 verlieh ihm die DDR-Führung den Titel Pharmazierat. Nach der Wende verließ er 1995 mit seiner Apotheke sein Vaterhaus und zog zum Rossmarkt in Bad Liebenwerda um.

Seine Biografie machte Liebe über die Grenzen Brandenburg bekannt. Unter dem Titel „Wir werden noch gebraucht“ strahlte die ARD einen TV-Bericht über ihn aus. Im Jahr 2012 wurde Wolfgang Liebe mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. In Bad Liebenwerda wurde eine Seniorenwohnstätte nach ihm benannt.

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