Sanierungsmaßnahme

Insolvenz: Schließung beim 20-Millionen-Euro-Verbund

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Berlin -

Seit Ende letzten Jahres versucht Apotheker Dr. Mark Herold seine vier Apotheken im Eigenverwaltungsverfahren zu retten. Der Inhaber betreibt in Braunschweig die Arkaden-Apotheke und die Aporadix-Apotheke und im mehr als eine Stunde entfernt liegenden Bad Münder die St.-Annen- und die Markt-Apotheke. Letztere werden nun, wie von den Beratern empfohlen, aus Kostengründen und im Zuge des Verfahrens zusammengelegt.

Zwei Minuten Fußweg trennen die beiden Apotheken von Herold im 18.000-Einwohner-Städtchen. Beide sollen nun am Standort der St.-Annen-Apotheke vereint werden. Das sei im Sinne der Wirtschaftlichkeit und berücksichtige die schwierige Personallage, bestätigt auch die für Herolds Insolvenzverfahren zuständige Kanzlei. Das Sanierungsverfahren laufe hier weiterhin wie geplant.

Bereits vor der Insolvenz belieferte der Verbund etwa 70 Heime in der Region, dieses Standbein wurde nun sogar noch ausgebaut: „Im laufenden Verfahren konnte der Geschäftsbereich der Heimversorgung zudem gestärkt und durch den Abschluss neuer Heimbelieferungsverträge erweitert werden“, meldet die auf Insolvenz spezialisierte Kanzlei. „Als Teil des Sanierungskonzepts ist für den Standort Bad Münder eine Konsolidierung des Filialgeschäft vorgesehen. Die Umsetzung hat bereits begonnen. Die Versorgung der Kunden im Rahmen des weiterhin bestehenden Ladengeschäfts bleibt gewährleistet“, heißt es zur Schließung der Markt-Apotheke.

Personell bleibe aber alles beim Alten, es wurde sogar noch zusätzliches Personal für die verbliebenen drei Betriebe eingestellt. Der Geschäftsbereich der Heimversorgung sei ebenfalls nicht von der Konsolidierung betroffen und werde ohne Einschränkungen fortgesetzt. Im Gegenteil: Sowohl in Braunschweig als auch in Bad Münder wachsen die Bereiche Heimversorgung weiter.

Team zieht mit

Im laufenden Verfahren kann sich Herold offenbar weiterhin auf sein Team verlassen: „Herr Dr. Herold hat die Konsolidierung in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeiterinnen vollzogen. Die Belegschaft trägt standortübergreifend einen großen Anteil an dem reibungslosen Ablauf des Sanierungsverfahrens, wofür auf Seiten von Herrn Dr. Herold große Dankbarkeit besteht“, schreibt die Kanzlei stellvertretend für den Inhaber.

Generell heben die begleitenden Berater die Kommunikation zwischen allen Beteiligten hervor: Sowohl die engagierte und vertrauensvolle Mitwirkung der Belegschaft als auch die konstruktive Begleitung des Verfahrens durch den Gläubigerausschuss sei hervorzuheben. Diese Umständen ermöglichen es wohl auch, dass alles im Plan verläuft. Bis Ende März soll nun das Sanierungsverfahren für den Abschluss vorbereitet werden, „um zeitnah eine nachhaltige und zukunftstaugliche Lösung für die Mitarbeitenden und den Fortbestand der Unternehmung zu erreichen“, hieß es bereits vor wenigen Wochen.

Heimversorgung bringt drei Viertel Umsatz

2022 erwirtschaftete die Gruppe von Herold einen Umsatz von 17,8 Millionen Euro, für 2023 waren es bis Oktober 18,2 Millionen Euro, insgesamt wurden 21 Millionen Euro angepeilt. Herolds Unternehmen war zuletzt stark gewachsen, 2019 hatten die Erlöse noch bei 7,2 Millionen Euro gelegen.

Drei Viertel der Umsätze entfielen bisher auf den Bereich der Heimversorgung. 70 Einrichtungen mit 5000 Patientinnen und Patienten werden in den Regionen Hannover, Braunschweig und Hameln-Pyrmont beliefert. Außerdem wurden zuletzt weitere Heimversorgungsverträge mit weiteren 550 Patientinnen und Patienten unterzeichnet. Rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Gruppe beschäftigt, zwei Drittel davon in den beiden Blisterabteilungen in Braunschweig und Bad Münder.

Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob der knapp 20 Millionen schwere Verbund veräußert werden sollte. Eine weitere Kanzlei war bereits mit dem Verkaufsprozess beauftragt. Auch hier wurde bereits eine Konsolidierung der beiden Standorte in Bad Münder empfohlen. Als Grund für die Insolvenz gab die Kanzlei an, dass die Finanzierung geplatzt sei: „Der Apothekenverbund musste nach Übernahme des Factoring-Partners durch einen Wettbewerber mit differenzierter strategischer Ausrichtung und einseitiger Kündigung des Finanzierungsmodells ohne Alternativangebot Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden.“

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