Schließung in Berlin

Insolvent: Kein Mietvertrag für Easy-Apotheke

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Berlin -

Eine frequenzstarke Easy-Apotheke im Westen Berlins ist geschlossen. Die Inhaberin musste Insolvenz beantragen. Die Zahlungsunfähigkeit beruhe jedoch nicht auf den typischen wirtschaftlichen Herausforderungen, vor der Apotheken stehen, sagt Markus Küthe, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht. Vielmehr wurde der Mietvertrag überraschend nicht verlängert.

Foto: Ein leeres Geschäftshaus in Berlin.
In dem Geschäftshaus musste die Apotheke und ein Bekleidungsgeschäft weichen, weil das Hotel erweitert werden soll.Foto: APOTHEKE ADHOC

In Berlin ist es nicht ungewöhnlich, dass Veränderungen bei Mietverhältnissen das Aus für einen Betrieb bedeuten können. Auch die 44-jährige Sohir Ammar machte diese Erfahrung. Die Apothekerin übernahm im Herbst 2023 von Alexander Irrgang zwei Easy-Apotheken in Berlin: einen Standort am Kurfürstendamm und einen in der Wilmersdorfer Straße. Letzterer mit knapp 300 Quadratmetern Fläche ist seit Ende 2025 geschlossen, zwölf Jahre nach der Eröffnung.

Mietverhältnis nicht verlängert

Ammar rutschte in die finanzielle Schieflage, weil ein Standort wegfiel, sie aber weiter für die Finanzierung aufkommen musste. „Am Standort in der Wilmersdorfer Straße bestand ein Untermietverhältnis. Eine Verlängerung des Mietvertrags war am Ende nicht mehr möglich“, sagt Küthe. Der Immobilieneigentümer wollte die Flächen selbst nutzen, auch ein Bekleidungsgeschäft musste weichen. Dem Vernehmen nach sollen dort die Räume eines bereits im Haus bestehenden Hotels ausgeweitet werden.

Foto: Eingang der Easy-Apotheke in der Wilmersdorfer Straße in Berlin
Um den Standort sei es schade, denn er lief sehr gut.Foto: APOTHEKE ADHOC

Küthe sieht in der Insolvenz keinen Zusammenhang mit einer wirtschaftlichen Schieflage: „Gerade der Fall von Frau Ammar entspricht nicht der typischen schwierigen wirtschaftlichen Lage, in der sich Apotheken aktuell befinden.“ Beide Apothekenstandorte seien grundsätzlich erfolgreich, hätten als Easy-Apotheken einen hohen OTC-Anteil und weniger verschreibungspflichte Arzneimittel.

Tragisch für Easy-Apothekerin

Die Apothekerin hätte ihm zufolge keine Insolvenz anmelden müssen, wenn der Mietvertrag verlängert worden wäre. Doch jetzt sitze sie auf offenen Verbindlichkeiten im siebenstelligen Bereich. „Es ist tragisch, dass der Standort nicht als Apotheke weiterführbar war. Ich habe eine Apotheke mit so einer Frequenz selten gesehen“, sagt er. Die Apotheke befand sich in einer frequentierten Einkaufsstraße Westberlins mit Bus-und U-Bahnhaltestellen direkt vor der Tür.

Weiterbetrieben wird die Easy-Apotheke Ku‘damm mit acht Angestellten. Sie soll als einziger Standort von Ammar weiterlaufen. „Dort ist die Frequenz aufgrund der Lage nicht so gut wie in der Wilmersdorfer, aber der Betrieb läuft solide und kann sicher weiterbetrieben werden“, sagt Küthe.

Für die Inhaberin waren die zurückliegenden Monate nicht leicht: „Frau Ammar befindet sich in einer emotionalen Situation. Das Ganze fällt ihr nicht leicht. Sie hat den Zustand akzeptiert und krempelt jetzt die Ärmel hoch und gestaltet die Zukunft“, sagt er und betont, wie wichtig es ist, nicht alleine durch eine Insolvenz zu gehen: „Es ist meine Aufgabe, Unternehmerinnen und Unternehmern in dieser emotionalen Situation wieder stark zu machen, um selbstbewusst durch die Insolvenz zu gehen.“

Insolvenzverfahren bis Sommer

Tatsächlich wird das Verfahren in wenigen Monaten abgeschlossen sein: „Ich erwarte, dass das Verfahren mindestens bis Juli läuft und im August abgeschlossen ist“, so Küthe. In Berlin munkelt man derweil, dass an dem ehemaligen Easy-Standort in der Wilmersdorfer Straße doch wieder eine Apotheke eröffnen könnte. Der Eigentümer war jedoch für ein Statement nicht zu erreichen.

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