Sparverträge aufgelöst, Kredit genommen

Inhaber: „Wo ist denn mein Mindestlohn?“

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Berlin -

Gerade hat Inhaber Dr. Hagen Reimann* einen Kredit aufgenommen, um seine Apotheke am Laufen zu halten. Wie lange er seinen Betrieb noch aufrechterhalten kann, sei fraglich. „Es ist finanziell eine Katastrophe. Wenn ich Angestellter wäre, würde ich besser verdienen.“ Wenn es so weitergehe, werde er dieses oder nächstes Jahr schließen.

Reimann betreibt die Apotheke seit 24 Jahren in einer Gemeinde in Hessen mit rund 10.000 Einwohnern. Der 57-Jährige musste unlängst zwei private Sparverträge kündigen, um weiter liquide zu sein. Insgesamt kamen dadurch 40.000 Euro zustande. Dazu nahm er einen Kredit von 30.000 Euro auf. „Die Personalsuche hat zuletzt viel Geld verschlungen“, sagt er. Dazu komme, dass in den vergangenen zwei Jahren viele Dinge wie Löhne oder Energiekosten inflationär teurer geworden seien.

Apotheken am Limit

„Wir verdienen an der Arbeit weniger“, kritisiert er. Dazu kämen der gestiegene Kassenabschlag und die Skonto-Sperre. Die Folgen der gestiegenen Kosten spüren viele Inhaberinnen und Inhaber. Die Vor-Ort-Apotheke ist für manche nur noch wegen Zusatzgeschäfte wie Klinik- und Heimversorgung tragbar.

Aber nicht nur auf dem Land geht es für manche bis ans Limit. Auch in der Stadt wie etwa in Köln drohen Schließungen. Marc Happ etwa ist bereits mit Beratern im Gespräch. „Ich bin noch nicht insolvent“, sagt der Inhaber. Allerdings steht es nicht gut um seine Reh- und Eschen-Apotheke. „Die Lage ist schwierig.“ Seit gefühlt zehn Jahren arbeitet er laut eigenen Angaben sieben Tage die Woche durch.

Auch das E-Rezept habe finanziellen Schaden hinterlassen, da viel mehr Zeit nötig sei, um Arzneimittel abzugeben, sagt Reimann. „Ich habe viele ältere Patienten mit sechs bis sieben Medikamenten. Das dauert.“ Zudem hätten sich die Ausfälle der Gematik-Dienstleister ebenfalls zu Buche geschlagen. Die Idee sei gut, aber die Umsetzung eine Katastrophe.

Zeitschriften und Zugaben gestrichen

Um finanziell besser über die Runden zu kommen, seien alle Zeitschriften gestrichen worden. Zugeben gebe es nicht mehr, die Stundenzahl der Mitarbeiter sei reduziert worden. „Ich habe weniger als meine Mitarbeiter und bin der einzige, der noch voll arbeitet.“ Dazu komme die „Selbstausbeutung des Berufsstandes“. Einmal habe er in seiner Selbstständigkeit sechs Wochen Urlaub im Jahr genommen. „Das gab es davor das letzte Mal, während ich in der Schule war.“

Der Apotheker ist desillusioniert. „Wir können uns unsere Probleme immer wieder selber vorjammern, aber die Entscheidungsträger sind nicht willens uns zu helfen. Wir Apotheker sind abgeschrieben. Wir sind ersetzbar, das sieht man an den Vorschlägen, PTA in die Apotheke zu stellen.“ Die finanzielle Situation lässt ihn auch im Privatleben nicht los. „Es gibt Gedanken, Schwitzattacken und schlaflose Nächte.“

Ich bin als Apotheker unwichtig, das ist doch die Botschaft dahinter. Was soll ich noch erwarten?

Besonders ärgert ihn, dass er nach den Anstrengungen in der Pandemie – als er sich bei allen Zusatzaufgaben wie Desinfektionsmittelherstellung oder Maskenausgabe in seiner Freizeit engagierte – jetzt von der Politik abgehängt wird. „Ich bin als Apotheker unwichtig, das ist doch die Botschaft dahinter. Was soll ich noch erwarten?“, fragt er sich. Letztlich bleibe nur noch die Frage, wie weit er gehen wird. „Wo ist denn mein Mindestlohn?“

* Name von der Redaktion geändert

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