Die Finanzkommission hat die Hoffnung auf eine zügige Anhebung des Apothekenhonorars getrübt. Auch wenn noch nichts entschieden ist, ärgern sich viele Inhaberinnen und Inhaber über die Forderung einer schrittweisen Erhöhung. In den Apotheken wird gefordert, dass auch bei den Krankenkassen gespart wird – etwa bei Chefgehältern und Verwaltung.
Die Expertenkommission hat 66 Empfehlungen für Einsparungen im Gesundheitswesen vorgelegt und sieht auch bei den Apotheken noch Einsparpotenzial. Das Fixum soll nicht sofort, sondern schrittweise in den Jahren 2027 bis 2029 auf die versprochenen 9,50 Euro angehoben werden – aber maximal jährlich gemäß dem Anstieg der Grundlohnrate abzüglich eines Abschlags um einen 1 Prozentpunkt.
In den Apotheken ist der Frust groß: „Das ärgert mit kolossal, gerade mit Blick auf die Vorstandsgehälter. Ich will kein Kassen-Bashing machen, aber bei den Kassen ist viel Sparpotenzial“, sagt Andreas Binninger. Der Inhaber der Neander-Apotheke in Düsseldorf kritisiert, dass die Apotheken wieder „abgespeist“ würden. „Es ist eine Frechheit, wenn gesagt wird, es wird bei allen gespart! Wir erleiden seit 20 Jahren Einsparungen.“
Binninger betont, dass die Apotheken bereits mit der zweijährigen Anhebung des Zwangsrabatts bis Anfang 2025 einen Teil zur Entlastung der GKV-Finanzen mitbeigetragen hätten. „Das wird nirgendwo aufgegriffen, auch nicht von unserer Standesvertretung. Wie viel Sparbeiträge sollen wir denn noch leisten?“, fragt er. „Ich bin seit 1994 in Apotheken tätig und kenne es nicht anders, dass die Kassen sparen müssen.“ Die Politik sollte selbst einen Beitrag leisten und die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel senken.
Auch Esther Herres Bargon aus Weinheim plädiert für eine wirtschaftliche Prüfung der Krankenkassen. Sie kritisiert, dass die Finanzkommission lediglich Einsparungen bei Leistungserbringern vorsieht. „Diejenigen, die Leistung erbringen, müssen honoriert werden“, sagt die Inhaberin der Rodenstein Apotheke. „Ich vermisse die Einsparungen im Verwaltungsbereich. Dabei handelt es sich um einen riesengroßen Teil am Gesundheitssystem.“
Die Krankenkassen seien bei den Vorschlägen ausgenommen. „Hier braucht es einen Rotstift und ein Machtwort der Politik. Bei den Gehältern der Vorstände der Kassen ist viel rauszuholen und Boni müssten gestrichen werden. Da ist viel Musik drin.“
Komme tatsächlich eine schrittweise Anhebung bis 2031, bringe das nichts, sagt sie. „Das ist kein Rettungsanker, das verläuft im Sande.“ Die Inhaberin verweist darauf, dass die Anhebung des Fixums auf 9,50 Euro bereits ein letzter Kompromiss und lediglich ein erster Schritt sei. „Dabei geht es um die Rettung der Apotheken, das würde helfen.“ Auch die vorgeschlagene Rückführung der Mittel für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) kritisiert sie: „Der Topf gehört uns.“ Die Gelder müssten für die Apotheken ausgeschüttet werden.
Eigentlich müsste das Honorar inflationsbedingt bei mittlerweile 11 oder 12 Euro liegen. „Dann hätte ich die Gehaltskosten gedeckt und müsste nicht fürchten, dass mir mein Personal in andere Branchen abwandert.“ Wegen der wirtschaftlichen Lage und den Einschränkungen beim Skonto wegen des Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH) fühlt sie sich als „Kauffrau“ in ihrem Handeln massiv eingeschränkt. Dazu komme die steigende Zahl an hochpreisige Arzneimittel.