Inventuren

In jeder Apotheke liegt ein „Handgelenksriemen“ Lothar Klein, 18.10.2017 10:12 Uhr

Berlin - Jeder Händler muss sein Warenlager kennen. Differenzen können zahlreiche Ursachen haben: Diebstahl, Fehler bei der Buchführung oder beim Umgang mit der EDV. Auch in Apotheken gehören regelmäßige Inventuren daher zum Schutz vor bösen Überraschungen. Seit mehr als 60 Jahren prüft die Firma Lauer Inventurservice aus Fürth das Warenlager von Apotheken: „Es gibt immer Differenzen“, berichtet Ilka Pavcek-Glas. „Daran haben auch die Warenwirtschaftssysteme nichts geändert.“

In beinahe jeder Apotheke gebe es so etwas wie den „Handgelenksriemen“, erzählt Pavcek-Glas. Diese sperrige Lederbandage gilt bei Lauer als Synonym für längst überholte Pharmazentralnummern, die aber in vielen Apotheken immer wieder für Ärger sorgen. Der alte „Handgelenksriemen“ liegt zwar noch irgendwo herum, aber dessen ehemalige PZN taucht bei Inventuren in neuem Gewand wieder auf: „Inzwischen verbirgt sich hinter einer solchen PZN möglicherweise ein teures Arzneimittel, dass der Apotheker aber gar nicht auf Lager hat“, so die Expertin – und schon gibt es eine Inventurdifferenz. „In jeder Apotheke liegen in der untersten Schublade irgendwelche alten Dinge, an die keiner mehr gedacht hat.“ Und das kann rasch für Ärger sorgen.

„Viele Apotheker fallen aus allen Wolken wegen der Abweichungen vom Ist- zum Soll-Zustand des Warenlagers, nachdem wir für sie eine Inventur gemacht haben“, berichtet die Apothekenexpertin bei Lauer. Selbst moderne Warenwirtschaftssysteme, die täglich per Knopfdruck eine Inventur ausspucken, sind auf längere Sicht vor Fehlern nicht geschützt: „Trotz großer Sorgfalt stoßen wir immer auf Differenzen.“

Mal sei vergessen worden, die Ware beim Verkauf zu scannen oder bei der Rückbuchung sei eine falsche Nummer eingebucht worden. „Es gibt im hektischen Apothekenalltag immer Fehler“, weiß Pavcek-Glas aus Erfahrung. Alle zwei bis drei Jahre sei eine händische Inventur erforderlich: „Sonst werden die Abweichungen immer größer. Das kann dann bei der Steuerprüfung sehr heikel werden.

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