Kommentar

Honorarerhöhung statt Kettenträume

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Berlin -

Die Marktbereinigung bei den Apotheken ist in vollem Gange. Doch nicht jede Schließung ist dabei sinnvoll – viele Betriebe haben ihre Berechtigung, geraten jedoch wegen der fehlenden Honoraranpassung oder Personalengpässen ins Abseits. Die Forderung nach einer Liberalisierung als Lösung ist zu kurz gedacht. Ein Plädoyer für die inhabergeführte Apotheke von Carolin Ciulli.

Die Zahl der Apotheken ist auch im vergangenen Jahr wieder gesunken, genau wie die Stimmung in den Betrieben. Denn angesichts der anhaltenden Verweigerung der Regierung, endlich das Fixum anzupassen, plagen viele Inhaberinnen und Inhaber Sorgen. An allen Ecken fehlt dringend benötigtes Geld – für Personal oder für Investitionen.

Gleichzeitig wird über eine Strukturreform diskutiert. Zweigapotheken und Teilnotdienste sollen die Versorgung auf dem Land erleichtern. PTA sollen befristet vertreten dürfen. Dazu wächst der Druck durch Versandkonzerne, die mit unzulässigen Boni Kundschaft abgreifen und sich trotz Verlusten mit Marketingkampagnen ganz oben platzieren.

Jetzt wieder das alte Thema Kettenapotheken auf den Tisch zu bringen, hilft niemandem. Das Fremdbesitzverbot ist seit 1960 bundesrechtlich verankert und untermauert die persönliche Verantwortung und Haftung der Inhaberin oder des Inhabers. Auch wenn die These im Raum steht, der pharmazeutische Nachwuchs scheue die Verantwortung bei der Gründung, entkoppelt diese Vorgabe die Arzneimittelversorgung von ausschließlich an Gewinnmaximierung orientierten Zielen – wie sie Kettenkonzerne verfolgen.

Mit der wegfallenden persönlichen Verantwortung verliert die Vor-Ort-Apotheke damit auch noch einen weiteren wichtigen Treiber. Denn bundesweit gibt es unzählige Apotheken, die in ihrem lokalen Umfeld zahlreiche Dienstleistungen abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse der Region und der Kundschaft anbieten. Ein Vorteil, den Kettenkonzerne nicht sehen und nicht skalieren können.

Auch wenn sich die Zahl der Apotheken weiter ausdünnen wird, käme mit Kettenapotheken eine zusätzliche Reduktion auf Deutschland zu. Bereits jetzt liegen wir im Europavergleich mit 20 Apotheken pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im unteren Drittel. Die Fahrtwege auf dem Land zur nächsten Apotheke sind mitunter lang und können gerade im Notdienst für Patientinnen und Patienten zur Herausforderung werden – gerade wenn angesichts von Lieferengpässen wichtige Arzneimittel nicht vorrätig gehalten werden können.

Was die Apotheken hierzulande brauchen, ist eine Honorarerhöhung, eine faire Bezahlung von zusätzlichen Dienstleistungen und ein Stopp von unsinnigen Retaxationen durch Krankenkassen. Eine Regierung, die dies durchsetzen würde, würde eine wichtige und bestehende Versorgungslandschaft retten und sichern.

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