Reporter testet Apotheken

Geld-zurück-Garantie: Fälscher empfiehlt „Stamm-Apotheke“

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Berlin -

Im „Selbstversuch“ hat ein Reporter des Radiosenders Radioeins einen gefälschten Impfpass erworben. In seinem Bericht zeigt der Journalist, wie einfach es ist, diesen digitalisieren zu lassen – mit Apothekenempfehlung des Fälschers und Rücknahmegarantie.

Über den Messengerdienst Telegram organisiert der Reporter ein Treffen und holt sich für 150 Euro einen gefälschten Impfpass ab. Bei der Übergabe geht es zunächst um die Echtheit der Charge. „Die gibt's wirklich! Können Sie auch googlen“, heißt es als Antwort auf die Frage, ob die Nummer existiere. Die Person gibt auch weitere Tipps: „Digitalisieren klappt zu 100 Prozent. Zwei Ecken weiter kommt eine Apotheke, da gehen sehr viele meiner Kunden hin. Und wenn das nicht klappt, gibt's entweder Geld zurück oder einen neuen Pass.“

Vier Apotheken erkennen Fälschung nicht

Der Reporter zieht los und testet sein Plagiat in vier Apotheken – in allen erhält er dem Bericht zufolge einen digitalen Nachweis. Danach konfrontiert er die Angestellten mit dem gefälschten gelben Heft. „Es war klar, dass das irgendwann passiert. Aber die Wahrheit ist: Wir sind nicht das BKA. Ich kann Fälschungen auch nicht riechen. Man will die Fälscher ja auch nicht unterstützen, aber man fühlt sich auch ein bisschen alleingelassen. Ich muss jetzt jedes Impfbuch auf Echtheit prüfen, wie soll ich das machen? Das ist total unrealistisch“, ist die Reaktion einer Pharmazeutin aus Berlin-Mitte.

Auch das Bundeskriminalamt (BKA) verweist darauf, dass die Kontrolle der Impfbücher nicht leicht ist, da die Pässe wie teilweise die Druckvorlagen für die Etiketten im Handel frei verfügbar seien und keine Sicherheitsmerkmale aufwiesen. Erst der digitale Impfnachweis ist laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) kryptographisch vor Veränderungen geschützt. Apothekenangestellte sind angehalten, die Ausstellung der QR-Codes „nur im Rahmen einer Präsenzausstellung zu gewährleisten“. Ist der Nachweis digitalisiert, ist es jedoch zu spät, um eine mögliche Fälschung aufzudecken.

In der fünften Apotheke fliegt der Reporter dem Bericht zufolge auf. „Mit diesem Impfpass stimmt was nicht und ich würde jetzt die Ärztin anrufen. Aber da geht um die Uhrzeit keiner mehr ans Telefon. Ich stelle Ihnen kein Zertifikat aus“, heißt es dort. Wenn der Rückruf in der Praxis bestätige, dass es diese Impfung nicht gegeben habe, werde die Polizei gerufen.

Sender betont Strafbarkeit

Der Radiosender verweist in der Veröffentlichung ausdrücklich darauf, dass der Bericht keine Anleitung zum Nachmachen darstelle. „Wer einen gefälschten Impfpass kauft, macht sich strafbar!“, heißt es. Zudem verweist der Reporter darauf, dass Apotheken, die Polizei sowie die Ärzteschaft immer besser darin würden, die Fälschungen zu erkennen.

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