Im Topf der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) warten 537 Millionen Euro auf ihren Abruf. Zwar werden immer mehr pDL von den Apotheken abgerechnet, doch so richtig fliegen will das Angebot nicht. Warum, hat die Freie Apothekerschaft untersuchen lassen. Das Ergebnis: Für viele Apotheken sind pDL ein Verlustgeschäft.
Die Einführung honorierter pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL) sollte die Patientenversorgung verbessern und Apotheken neue Erlösquellen abseits des Arzneimittelverkaufs erschließen. Doch das Konzept setzt sich nicht durch. Eine aktuelle empirische Untersuchung der Professor Kaapke Projekte im Auftrag der Freien Apothekerschaft (FA) zeigt, dass die Akzeptanz in den Apotheken zwar hoch ist, aber es an Rentabilität fehlt. Für einen Großteil der Apotheken sind viele Dienstleistungen wirtschaftlich nicht tragfähig, so die FA.
An der im vierten Quartal 2025 durchgeführten Studie nahmen mehr als 600 Apotheker:innen teil. Knapp 78 Prozent der befragten Betriebe bieten mindestens eine pDL an – allen voran Einweisungen in die Inhalationstechnik mit 73 Prozent und die Medikationsberatung mit knapp 68 Prozent. Doch die ökonomische Bilanz sei oft negativ. Die Untersuchung setzte einen neu entwickelten Rentabilitätsindikator in den Fokus. Dieser setzt die tatsächlich benötigte Arbeitszeit ins Verhältnis zum Honorar. Ist der Indikatorwert größer als 1, übersteigen die Kosten die Einnahmen. Die Analyse zeigt, dass bei der Bluthochdruck-Risikoerfassung mehr als jede zweite Apotheke defizitär arbeitet. Nur bei etwa jeder dritten Apotheke wirft diese Leistung überhaupt einen Überschuss ab, so die FA. Die „Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck“ wird mit 11,20 Euro netto honoriert.
Nicht nur die fehlende Wirtschaftlichkeit mindert die Attraktivität der pDL. Es gibt weitere Hemmnisse für Apotheken. Dazu gehören der Personalmangel in Apotheken sowie der hohe Dokumentationsaufwand für die geleisteten pDL. Aber auch strenge räumliche Anforderungen seien oft schwer umsetzbar. Hinzukommen interprofessionelle Spannungen.
„Die Studie zeigt deutlich: Das Potenzial und die Erfahrungswerte in den Apotheken sind da, aber das Honorar deckt oft nicht einmal die Selbstkosten“, so die Freie Apothekerschaft.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte angekündigt, nicht abgerufene pDL-Mittel für die allgemeine Honorierung der Apotheken umzuwidmen. Doch die Studie zeige, dass eine Umwidmung die strukturelle Etablierung dieser wichtigen Leistungen gefährden würde. Stattdessen stützen die Daten die Forderung des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) nach einer Anpassung der pDL-Honorare auf ein auskömmliches Niveau.
Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat den Rahmenvertrag bezüglich der Preise für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) mit dem GKV-Spitzenverband zum 31. März gekündigt. Aktuell laufen die Verhandlungen mit den Krankenkassen; zum aktuellen Stand äußerte sich der DAV auf Anfrage jedoch nicht.
„Nur wenn eine Dienstleistung betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, kann sie dauerhaft und flächendeckend für die Patienten angeboten werden. Hier ist die Politik in der Pflicht nachzubessern“, fordert die Freie Apothekerschaft.
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