Der Apotheker muss mitfahren | APOTHEKE ADHOC
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Der Apotheker muss mitfahren

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Berlin -

Start-ups scheitern nicht und wenn doch, dann ist das super: Erfahrungen sammeln, das Angebot anpassen, ruhig auch mal pleite gehen und von vorne anfangen. Das gilt auch für die Spielwiese Arzneimitteldistribution. Über klitzekleine „Adjustments“ im Konzept lassen sich die rechtlichen Bedenken ganz einfach ausräumen.

Erstmal loslegen, einfach machen, um die Details später kümmern. Apothekeninhaber:innen mit wenn nicht hanseatischer, dann doch zumindest eingetragener Kaufmannsehre fremdeln zuweilen noch mit der neuen Business-Kultur aus dem Silicon Valley. Sie fragen sich gewohnheitsmäßig zuerst, ob dieses oder jenes Vorhaben denn eigentlich erlaubt ist oder ob es sich überhaupt lohnt.

Und das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) hat sich das auch gefragt und ist zu dem Schluss gekommen: Nö. Das geht so nicht. Denn die App-Nutzer:innen würden denken, dass sie ihre Arzneimittel nicht über die, sondern bei der Plattform bestellen. Und dann noch die Umsatzbeteiligung und die Patientenzuführung und der externe Botendienst, alles nicht so, wie es sich die Autoren des Apothekengesetzes gedacht haben. Jetzt sind die Start-ups am Zug sich zu erklären.

Die bauen einfach das Konzept ein bisschen um. In den neuen AGB heißt es, dass der Inhaber oder die Inhaberin der Partnerapotheke künftig bei den Ausfahrten zugegen sein muss. Die Kuriere werden dafür mit Lastenrädern ausgestattet, in denen die Pharmazeut:innen neben den auszuliefernden Päckchen noch Platz haben. Bei den Investoren kam die Idee sofort super an, denn die Apotheker:innen fahren auf eigene Kosten mit und die Kuriere sparen sich das Tablet für eine etwaige telepharmazeutische Beratung. Problem gelöst!

Die Aufsicht hat Fragen

Wie die Rechtfertigung der Lieferdienste gegenüber dem LAGeSo, anderen Behörden oder Apothekerkammern in Wirklichkeit aussehen werden, wird die spannende Frage der nächsten Wochen. Beim Anbieter Kurando wird man sich diese Mühe wohl nicht mehr machen müssen. Das Angebot ist aktuell eingestellt, die Insolvenz steht wohl ins Haus. Denn dass die Investoren in der aktuellen Gemengelage noch überzeugt werden können, klingt nicht sehr überzeugend.

Finanziell leer zu laufen beziehungsweise kein frisches Kapital mehr besorgen zu können ist laut Analysen die häufigste Ursache, warum Start-up scheitern. Fast gleich auf stand in dieser Auflistung die fehlende Nachfrage im Markt. Könnte zusammenhängen. Im Apothekenmarkt dürften die erst weiter hinten gehandelten „legal challenges“ regelmäßig eine größere Bedeutung spielen.

Ganz frei von Häme, vielmehr etwas wehmütig kann man sich fragen, was die Apotheken mit den ganzen Millionen hätten anstellen können, die schon in den Schnellliefermarkt gepumpt wurden. Seit gestern kann man das sogar ausrechnen, denn die Tarife für die pharmazeutischen Dienstleistungen sind endlich da. Ob Sie persönlich den Stundenlohn für Medikationscheck oder Betreuung von Organtransplantierten für angemessen erachten, entnehmen Sie bitte der verlinkten Tabelle.

90 Euro für den Check

Vielleicht bewirbt sich Douglas demnächst auch als Anbieter pharmazeutischer Dienstleistungen. Die Integration der eigenen Versandapotheke geht jedenfalls schnell voran, auch wenn im Webshop noch ein bisschen aufgeräumt werden müsste.

Merz drängelt Lauterbach

Nicht nur die Versender warten auf das E-Rezept (Podcast-Folge!), auch CDU-Chef Friedrich Merz. Seine Unionsfraktion drängelt bei Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und man fragt sich schon, warum oder für wen eigentlich. Noch ungeduldiger war nur dieser Arzt, der dem Apotheker mitteilte, er möge die Patient:innen wegschicken, wenn er keine QR-Codes lesen könne. Dabei sollte er froh sein, wenn seine Praxis nicht von NFC-fähigen eGK lahmgelegt wird.

Alle drängeln Lauterbach

Lauterbach wird noch von anderer Seite gedrängelt: Die Kassen wollen endlich ihr Spargesetz! Bei Arzneimitteln soll an der Mehrwertsteuer gespart werden, findet der GKV-Spitzenverband, der sich aber sicher auch eine Erhöhung des Kassenabschlags vorstellen könnte.

Cash für Gedisa

Letzteres ist auf keinen Fall drin, die Apotheken können das nicht stemmen. Zumal sie auch noch in ihre eigene Plattform investieren müssen. Der Hessische Apothekerverband (HAV) hat sich einen Nachtragshaushalt von 300.000 Euro genehmigen müssen. Und nur aus den Rücklagen wird das Millionenprojekt wohl kein Verband bezahlen können. Was standespolitisch noch Gesprächsstoff bietet ist die geplante Strukturreform. Aber damit befassen wir uns jetzt nicht mehr im Detail ist ja schließlich Wochenende! Wer dieses in oder in der Nähe von Köln verbringt, sollte UNBEDINGT zur APOTHEKENTOUR gehen!

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