Apothekenschließung

Junkies suchen neuen Methadon-Versorger

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Berlin -

Heute öffnete die Einhorn-Apotheke in Hameln ein letztes Mal. 115 Jahre ist sie alt geworden. Mit ihrer Schließung fällt ein besonderer Versorgungszweig weg: Die Apotheke hat an Heroinsüchtige auf Rezept den Ersatzstoff Methadon abgegeben; die Patienten müssen sich nun eine andere Apotheke als Bezugsquelle suchen. Für den Inhaber ist nach diesem Samstag noch nicht alle Arbeit geschafft.

Dr. Michael Zander hat in der Apotheke etwa 70 Heroinabhängige wöchentlich mit Methadon versorgt. Das Methadon-Programm soll Süchtigen helfen, die Droge zu substituieren und ihre Abhängigkeit zu überwinden. Die Dosierung des Ersatzstoffs wird vom Arzt allmählich reduziert.

Nach der Schließung sollen die Junkies das Methadon von anderen Apotheken in Hameln erhalten. Mehrere werden die Versorgung übernehmen. Zander hat seine Kunden über die Schließung informiert. „Gefreut haben sie sich natürlich nicht“, sagt er. Seine Mitarbeiter hätten bereits neue Stellen gefunden.

Zander hatte schon vor längerer Zeit entschieden, dass er die Apotheke schließen würde. Vor etwa einem Jahr stand dann auch der genaue Zeitpunkt fest: Ende Juli. Zander hat für die Einhorn-Apotheke keinen Nachfolger gesucht. Der Hauptgrund liegt in der Apothekenbetriebsordnung: „Ich habe zwei Stufen am Eingang“, sagt er. Unter seiner Leitung hatte die Apotheke Bestandsschutz, doch ein neuer Inhaber hätte das Geschäft barrierefrei umbauen müssen. Eine Investition von 50.000 Euro wäre dafür nötig gewesen. „Das geht finanziell nicht“, sagt er.

Ob er die Arbeit als Apotheker vermissen wird? „Die rein pharmazeutische Tätigkeit schon. Die ganze Bürokratie weniger.“ Studiert und promoviert hat Zander an der Universität Münster. Seit 1976 hat er in der Einhorn-Apotheke gearbeitet – also 40 Jahre lang. Zanders Vater hatte die Apotheke 1944 gekauft und 15 Jahre lang geleitet. 1959 übernahm Zanders Schwager; 1992 führte Zander selbst die Apotheke.

Den kommenden Monat wird er darauf verwenden, die Apotheke abzuwickeln. „Mit dem Schließen allein ist es ja nicht getan“, sagt der Apotheker. Die letzten Rechnungen müssten noch beglichen und geschrieben werden, zudem muss die Einrichtung abgeholt werden. Medikamente sollen, soweit möglich, an den Großhändler zurückgehen. „Das wird alles noch mindestens einen halben Monat dauern.“ Für die HV-Tische hat Zander auch einen Abnehmer: „Aber keinen Apotheker, die wollen lieber etwas Neues.“

Zander gehören die Apothekenräume. Vermieten will er die freie Gewerbefläche allerdings nicht, sondern sie stattdessen selbst nutzen. Möglicherweise für eines seiner Hobbys, die Fotografie.

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