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Antazida

Interaktionen und Nebenwirkungen: Antazida

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Berlin -

Anwendungsgebiete für Antazida sind die symptomatische Behandlung von Sodbrennen und säurebedingte Magenschmerzen. Bei den Wirkstoffen handelt es sich um eine schwache Base oder um das Salz einer schwachen Säure. Die Arzneistoffe der zweiten Generation, die sogenannten Schichtgitter-Antazida, kombinieren unterschiedliche Salze, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu minimieren. Die Arzneimittel binden jedoch nicht nur Salzsäure, sondern auch eine Vielzahl anderer Wirkstoffe.

Wirkungsweise und Dosierung

Antazida senken aufgrund ihrer chemischen Struktur den Anteil an Säure im Magen. Schwache Basen können die Salzsäure neutralisieren, die Salze puffern die Magensäure nach Dissoziation. Schichtgitterantazida heben den pH-Wert des Magens weniger stark an als die sonstigen Antazida.

Beispiel Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3)

NaHCO3+ HCl → NaCl + Wasser H2O + CO2

Beispiel Magnesiumhydroxid (Mg(OH)2)

Mg(OH)2+ 2HCl → MgCl2+ 2H2O

Antazida sind für Kinder ab zwölf Jahre zugelassen. Die Einnahme erfolgt bei Bedarf mehrmals täglich. Standardmäßig werden ein bis zwei Tabletten gekaut oder ein Beutel durchgeknetet und eingenommen. Die Dosierung richtet sich nach der Schwere des Sodbrennens und sollte stets so niedrig wie möglich gehalten werden, um einen übermäßigen Anstieg des pH-Wertes im Magen zu vermeiden.

Nebenwirkungen und Überdosierung

Natriumhydrogencarbonat: Mittlerweile ist der Wirkstoff obsolet. Die Substanz führt zu einem raschen Anstieg des intragastrischen pH-Wertes (> 7). Durch den Anstieg wird vermehrt das Peptidhormon Gastrin freigesetzt. Als Folge kommt es zu einer reaktiv vermehrten Sekretion der Magensäure (Acid Rebound). Durch den raschen Wirkstoffzerfall kommt es zu einer erhöhten CO2-Entwicklung im Magen, die sich durch Aufstoßen und Blähungen äußern kann. Die freigesetzten Natrium-Ionen werden vollständig resorbiert, so dass es bei längerer Einnahme zu einer Hypernatriämie kommen kann. Unbehandelt führt dieser Zustand zu Alkalose, Ödembildung und Hypertonie.

Calciumcarbonat: Bei Kontakt mit Magensäure entsteht im größeren Maß Kohlendioxid. Luft im Bauch und Blähungen sind die Folgen. Auch unter der Einnahme von Calciumcarbonat kann es zum Acid Rebound kommen. Weitere unerwünschte Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen und Magenkrämpfe.

Magnesiumhydroxid: Magnesium hat in höheren Dosierungen eine abführende Wirkung. Bei einer dauerhaften Einnahme kann es zu einem verschobenen Mineralstoffhaushalt kommen – Kalium wird vom Magnesium verdrängt und es kommt zu einem Mangel. Folgen eines Kaliummangels können Herzrhythmusstörungen und Krämpfe sein.

Aluminiumhydroxid: Die häufigste Nebenwirkung ist Verstopfung. Aluminium ist seit Jahren sehr umstritten, das Metall wird immer wieder in Zusammenhang mit der Entstehung von Alzheimer oder Brustkrebs gebracht. Ausreichende wissenschaftliche Belege fehlen bislang.

Talcid (Magnesium-Aluminiumverbindung) / Magaldrat (komplexe Aluminiumverbindung): Der freie Aluminiumanteil der Schichtgitterantazida ist geringer, sodass es zu weniger Nebenwirkungen kommt. Somit sind die neueren Antazida generell gut verträglich. Lediglich bei niereninsuffizienten Patienten ist mit einer Anreicherung von Magnesium oder Aluminium im Körper zu rechnen. Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit oder Verstopfung sind aufgrund der Kombination der Wirkstoffe selten. Es kommt meist nur zu weichem Stuhl.

Wechselwirkungen

Alle Vertreter dieser Arzneistoffgruppe können die Resorption gleichzeitig verabreichter Medikamente beeinträchtigen. Deshalb sollte immer ein Abstand von zwei Stunden zwischen der Einnahme eines Antazidums und anderen Arzneimitteln eingehalten werden.

Es kann zu einer erheblich schlechteren Resorption von Antibiotika (insbesondere Tetracyclinen und Chinolonderivaten) kommen. Digoxin, Isoniazid, Eisenverbindungen und Chlorpromazin können bei gleichzeitiger Einnahme eines Antazidums ebenfalls schlechter aufgenommen werden. Geringe Aufnahmeeinschränkungen finden sich für Allopurinol, nicht-steroidale Antirheumatika, Captopril, Propranolol, Levothyroxin, Gabapentin, H2-Blocker und Chlorpromazin. Die gerinnungshemmende Wirkung von Cumarinderivaten kann verstärkt werden.

Calcium: Thiazid-Diuretika vermindern die Calcium-Ausscheidung im Urin. Es besteht ein erhöhtes Risiko für eine Hypercalcämie. Die Resorption von Calcium wird durch Vitamin D gesteigert.

Aluminium: Bei aluminiumhaltigen Antacida sollte kein gleichzeitiger Verzehr von säurehaltigen Getränken (Obstsäfte, Wein) erfolgen, da es zu einer erhöht die intestinalen Aluminiumresorption kommen kann. Nahrungsergänzungsmittel mit Mineralstoffen (Calcium, Magnesium) sollten ebenfalls versetzt eingenommen werden.

Kontraindikationen

Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz dürfen keine Antazida einnehmen. Durch die eingeschränkte Funktionsweise der Nieren ist die renale Ausscheidung gefärdet und es kann zur Verschiebung des Mineralstoffhaushaltes kommen. Darüber hinaus dürfen die Säureblocker nicht bei bestehender Hypophosphatämie eingenommen werden – diese würde durch die Einnahme verstärkt werden. Bei bestehender Myasthenia gravis (neurologische Autoimmunerkrankung mit Schwächung der Muskulatur) dürfen die Arzneistoffe nicht eingenommen werden. Bei bestehendender heditärer Fruktose-Intoleranz, Glukose-Galaktose-Malabsorption oder einem Saccharase-Isomaltase-Mangel sollten Antazida der ersten Generation nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Schwangere und Stillende sollten bei anhaltenem Sodbrennen den Gynäkologen aufsuchen. Eine kurzzeitige Einname von Calciumcarbonat und Magnesiumcarbonat ist möglich. Die Einnahme von Aluminiumverbindungen während der Schwangerschaft sollte sorgfältig abgewägt werden. Aluminium geht in die Muttermilch über – eine Einnahme während der Stillzeit wird nicht empfohlen. Kinder unter zwölf Jahen sollten bei erstmaligem Auftreten von Sodbrennen einen Arzt aufsuchen.

Missbrauch

Antazida weisen kein Missbrauchspotential auf, jedoch werden sie häufig zu lange eingenommen, sodass eventuell bestehende Erkrankungen nicht bemerkt werden. Viele Menschen nehmen dauerhaft Säureblocker ein, ohne etwas an den möglichen Auslösern (Stress, Ernährung, Rauchen) zu ändern. Um eine Symptomüberdeckung zu vermeiden, sollten die Arzneistoffe innerhalb der Selbstmedikation nur etwa zwei Wochen eingenommen werden. Bei länger andauernden Beschwerden sollte ein Arzt kontaktiert werden – Ursache wie beispielsweise ein Magen- oder Darmgeschwür oder eine Krebserkrankung können nur ärztlich abgeklärt werden.

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