Selbstmedikation

Beratungs-Check: Glutenunverträglichkeiten Cynthia Möthrath, 17.01.2020 14:50 Uhr

Berlin - Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielen eine immer größere Rolle im Beratungsalltag. Eine davon ist die Glutenintoleranz, welche häufig auch als Zöliakie bezeichnet wird. Abzugrenzen ist die sogenannte Glutensensitivität (GS), wie auch die Weizenallergie. Die Beratung bezieht sich insbesondere auf die Ernährung und deren Umstellung zu einer glutenfreien Diät.

In Bezug auf Gluten gibt es verschiedene Krankheitsbilder – am bekanntesten ist jedoch die Zöliakie. Es handelt sich dabei um eine chronische Systemerkrankung, die sowohl Merkmale einer Allergie als auch einer Autoimmunerkrankung aufweist. Ursache ist eine Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten, welches in zahlreichen Getreidearten wie Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste und Hafer enthalten ist. Im Gegensatz zu anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten stellt die Glutenintoleranz eine Besonderheit dar: Denn bei den meisten Unverträglichkeiten werden kleinere Mengen noch vertragen – bei der Zöliakie ist das anders.

Betroffene vertragen manchmal nicht einmal mehr kleinste Mengen glutenhaltiges Brot oder andere Produkte, die aus den genannten Getreidesorten hergestellt werden. Dazu gehören beispielsweise Nudeln oder Pizza. Manchmal ist Gluten nicht offensichtlich zu erkennen: Denn auch verschiedene Kartoffel- oder Fertigprodukte, Pudding, Eis oder Schokolade können kleine Mengen enthalten. Daher sollten nach Möglichkeit nur Produkte verzehrt werden, die ausdrücklich als glutenfrei deklariert sind. Seit 2005 gilt bei abgepackten Waren eine Kennzeichnungspflicht. Durch die Aufnahme von Gluten kommt es sonst zu einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut: Dadurch bilden sich die Zotten der Schleimhaut zurück, die Oberfläche des Darmes verringert sich und es kann schließlich zu Störungen bei der Nährstoffaufnahme kommen – deshalb kommt es auf Dauer häufig zu Nährstoffdefiziten. Treten sie auf, gehen sie wiederrum mit eigenen Beschwerden einher und erweitern die Symptomatik.

Außerdem kann es zu anderen Beschwerden kommen, die nicht direkt mit der Intoleranz in Verbindung gebracht werden: Ein ungeklärter Eisenmangel weist beispielsweise häufig auf eine Zöliakie hin. Die Symptome können deshalb sehr unspezifisch sein. Die Diagnose wird dadurch erschwert und oft in die Länge gezogen. Akute Beschwerden der Zöliakie sind hauptsächlich Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Appetitlosigkeit. Oft kommt auch Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Müdigkeit hinzu. Viele Betroffene entwickeln im Laufe der Erkrankung auch psychische Beschwerden wie Depressionen. Da die Zöliakie sich nicht nur auf den Darm beschränkt, wird sie als Systemerkrankung angesehen.

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