Nichtverfügbarkeit

Sonder-PZN: KKH erzieht Apotheker APOTHEKE ADHOC, 12.02.2019 08:59 Uhr

Berlin - Dass der „Rezept-Joker“ der Apotheken zum „Retax-Joker“ der Kassen werden kann, zeigt die KKH. Mit ihren etwa 1,7 Millionen Versicherten ist die Kaufmännische Krankenkasse einer der größten bundesweiten Kostenträgern. Ausgaben einsparen lassen sich relativ leicht bei den Apotheken, seit einigen Monaten fährt die Kasse folgende Strategie: Verordnungen mit dem Sonderkennzeichen „Nichtverfügbarkeit“ werden retaxiert und es wird pauschal bezweifelt, dass es das Arzneimittel wirklich nicht gab.

Im Visier der Kasse sind noch immer Verordnungen über Lyrica und Enoxaparin. Haben Apotheken das Sonderkennzeichen „Nichtverfügbarkeit“ angewendet, besteht Retaxgefahr mit folgender Begründung: „Die Verwendung des Sonderkennzeichens Nichtverfügbarkeit ist unplausibel.“ Für die KKH scheint es also unglaubhaft zu sein, dass der Rabattvertrag der Kassen nicht bedient werden konnte, weil das Arzneimittel nicht lieferbar war. „Aktuell führt die KKH Prüfungen auf korrekte Verwendung der Sonder-PZN durch, wenn es keinen Hinweis auf einen bestehenden Lieferausfall der Vertragspartner der KKH gibt. Sofern belegbar eine Nicht-Lieferfähigkeit vorliegt, kann die Apotheke die Retaxation entsprechend abwenden“, teilt die Kasse mit.

Werden die nötigen Defektbelege vom Großhandel oder der Online-Abfrage beigebracht, werden diese von der Kasse akzeptiert. Dazu schreibt die KKH mit der Retaxation: „Als Nachweis wird eine Bestätigung von einem Großhändler zum Zeitpunkt der Abgabe des Arzneimittels akzeptiert. Wenn die KKH für einen Wirkstoff mehrere Rabattpartner hat, ist für alle Rabattpartner ein Nachweis vorzulegen.“ Immerhin gibt es eine Erleichterung, denn die Kasse akzeptiert zwar auch Defektbelege von pharmazeutischen Unternehmen, „verlangt diese aber nicht“. Bei den Herstellern ist der Nachweis in vielen Fällen ohnehin nur schwer zu erhalten. Wer gibt schon gerne zu, den Rabattvertrag nicht bedienen zu können, und riskiert eine Vertragsstrafe.

„Somit fordert die KKH weniger Nachweise, als aktuell auf Bundesebene zwischen dem GKV-Spitzenverband und dem Deutschen Apothekerverband (DAV) verhandelt wird,“ hieß es dazu im November, als ein Apotheker Lyrica (Pregabalin, Pfizer) lieferte, weil die Rabattpartner der KKH zum damaligen Zeitpunkt (Basics, Heumann und Neuraxpharm) nicht verfügbar waren und von 169,47 Euro auf Null retaxiert wurde.

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