Handverletzung schnell versorgen

Zeigefinger abgestorben: Sepsis-Risiko im Garten

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Berlin -

Bei der Gartenarbeit kommt es häufiger zu kleinen Verletzungen. Was zunächst harmlos scheint, kann sich bei fehlender Behandlung zu schwerwiegenden Komplikationen entwickeln. Der Handchirurg Dr. Christian Karl Spies vom Spital Langenthal in der Schweiz verdeutlicht dies in einem medizinischen Fallbericht: „Perforierende Verletzungen sind immer ein potenzielles Einfallstor für Bakterien und andere Krankheitserreger.“ Deshalb sei eine gute Wundversorgung immer angezeigt.

Eine Patientin stach sich laut Spies mit einem Dorn in die Kuppe ihres rechten Zeigefingers. Sie hatte Gartenarbeiten in Spanien ausgeführt. Etwa zwei Tage später bemerkt sie eine zunehmende Schwellung und Entzündung an der Einstichstelle. Sie hatte den Dorn laut Spies zunächst selbst entfernt.

Symptome stark verschlimmert

Bei einem Arztbesuch werden ihr ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel verschrieben. Aber kurz danach hätten sich ihre Symptome verschlimmert. „Sie klagte über einen vor Schmerz pochenden Finger“, berichtet der Handchirurg im medizinischen Fallbericht „Fingerverlust nach Gartenarbeit“, der in der Fachzeitschrift Die Unfallchirurgie veröffentlicht wurde.

Die Patientin wurde daraufhin operiert und der Bereich eröffnet, gereinigt und gespült. Als Therapie erhielt sie Cotrimoxazol sowie Prednisolon. Die Ärzte diagnostizierten ihr eine Infektion mit Citrobacter freundii. Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits eine Nekrose eingesetzt.

Zeigefinger mumifiziert

Citrobacter freundii gehört zu den Stäbchenbakterien, kommt nahezu in allen Lebensräumen vor und ist auch Teil der Darmflora des Menschen. Die Keime können bei immungeschwächten Personen schwerwiegende Infekte auslösen – so auch in dem Fall der 58-jährigen Patientin.

Bei einer weiteren Untersuchung zeigte sich eine fortgeschrittene Mumifizierung des rechten Zeigefingers, die bis über das Mittelgelenk hinausreichte. „Darüber hinaus fiel eine diskrete Schwellung und Rötung in der Beugefurche des Grundgelenks auf“, berichtet Spies.

Einfallstor für Keime

„Perforierende Verletzungen sind immer ein potenzielles Einfallstor für Bakterien und andere Krankheitserreger“, erklärt der Experte. „Im Fall der 58-jährigen Patientin wurde Citrobacter freundii identifiziert, welches unter bestimmten Bedingungen – etwa bei offenen Wunden oder geschwächtem Immunsystem – schwere Infektionen verursachen kann.“

Besonders problematisch sei, dass Infektionen mit diesem Keim häufig starke Entzündungsreaktionen hervorrufen. Dabei können laut des Chirurgen auch Venen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Folgen seien Thrombosen und Gefäßverschlüsse. „Zwar treten solche Komplikationen selten direkt an der Fingerkuppe auf. Doch bei unsachgemäßer oder verzögerter Therapie kann sich die bakterielle Infektion lokal oder sogar systemisch ausbreiten – mit teils gravierenden Folgen.“

Erstversorgung enorm wichtig

Umso wichtiger ist laut Spies die Erstversorgung auch von kleinen Wunden. Handchirurgen aus Tübingen warnen darüber hinaus davor, „solche Bagatellverletzungen zu unterschätzen“. Zu den häufigsten Verursachern gehören Holzsplitter oder Pflanzendornen. „Diese können nicht nur zahlreiche Bakterien wie Clostridium perfringens oder Clostridium tetani übertragen, sondern gelegentlich auch Pilze wie Sporothrix schenckii“, betonen die Experten.

„Zudem enthalten viele pflanzliche Fremdkörper giftige Substanzen, sogenannte Phytoalexine, wie sie beispielsweise in den Dornen von Rosen, Schlehen oder Feuerdorn vorkommen.“ Besonders problematisch seien schlecht sichtbare oder schwer auffindbare Fremdkörper wie Kaktusstacheln oder Glaswollefasern.

„Bei anhaltendem Fremdkörpergefühl oder Entzündungszeichen raten wir dringend zu einer operativen Revision“, bekräftigen die Tübinger Chirurgen. „Dabei ist zu bedenken, dass Fremdkörper in der Nähe von Gelenken oder Sehnen wandern und sich weit entfernt vom ursprünglichen Eintrittsort befinden können.“

Was tun bei Verletzungen?

Noch bevor eine Wunde abgedeckt wird, ist eine Reinigung unerlässlich. Unsteriles Leitungswasser ist hierfür ungeeignet, da es neben Mikroorganismen auch mineralische Bestandteile enthält.

Fachgremien wie die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung (DGfW) empfehlen daher die Verwendung steriler Wundspüllösungen oder antiseptischer, nicht brennender Desinfektionsmittel.

Frische und tiefere Wunden wie Schnitt-, Stich- oder Platzwunden sollten immer mit sterilen, feuchten oder feuchtigkeitsregulierenden Wundauflagen abgedeckt und regelmäßig gewechselt werden.

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