Wer in die Marien Apotheke im bayerischen Siegsdorf in die Offizin kommt, der riecht es. Der würzige Duft von Cannabis ist mitunter nicht zu vermeiden. Denn seit acht Jahren ist der Betrieb von Dr. Jürgen Leikert auch eine Cannabis-Apotheke. Für viele multimorbide Patientinnen und Patienten ist das Angebot von Medizinalcannabis die optimale Therapie. Der Inhaber wünscht sich mehr Aufklärung bei der Ärzteschaft und bewertet ein Versandverbot für reguläre GKV-Verordnungen als fatal für seine Patientinnen und Patienten.
In der Marien Apotheke werden Cannabisextrakte aus eigener Produktion hergestellt. Dafür investiert Leikert eine „hohe Summe“ in das Lager. Im Angebot listet er sieben verschiedene Blüten mit unterschiedlicher Wirkstoffkonzentration auf. Auch eine Mischung von Cannabisextrakten zu einem fast beliebig vom Arzt gewünschten THC/CBD Verhältnis von etwa 5/20 oder anderen Verhältnissen sei möglich.
Wichtig sind dem Apotheker feste Qualitätsstandards und eine festgelegte Dokumentation. Dies könne etwa als Kriterium für den Versand von medizinischem Cannabis herangezogen werden. Denn von einem generellen Versandverbot hält Leikert nichts. Dabei blieben Patientinnen und Patienten, die in ihrem Umkreis keine Cannabis-versorgende Apotheke hätten, auf der Strecke. Er selbst verschickt nur selten Blüten oder Mischungen. Doch wenn es sein müsse, mache er dies möglich.
Die Menschen in der weiteren Umgebung seien sehr froh, dass er Cannabis anbiete. Beraten werde dann telefonisch oder per Telepharmazie. „Wir brauchen eine Ausnahmeregelung gerade im GKV-Bereich“, fordert er. „Da sehe ich keinen Missbrauch, wenn ein hier niedergelassener Arzt einem Patienten ein Rezept ausstellt.“ Man kenne die Praxen und auch die Kundschaft. Natürlich sei es mitunter schwierig, diese Fälle von Online-Bestellungen über digitale Praxen-Portale zu trennen.
Seit 2017 beliefert Leikert medizinisches Cannabis. Bereits zuvor setzte er sich mit dem Thema auseinander, da er Kundschaft mit Ausnahmegenehmigungen hatte. Die meisten seien zwischen 70 und 90 Jahre alt und multimorbide, sagt er. „Die Anwendung ist sehr erklärungsbedürftig.“ Oft dauere eine Beratung eine halbe Stunde oder länger. Auch Medizinerinnen und Mediziner sowie Angestellte von Palliativstationen kläre er in selbstgestalteten Workshops auf.
Für Apotheken gebe es zu wenig Fortbildungsmöglichkeiten und auch die Ärzteschaft stehe dem Thema mitunter ablehnend gegenüber. Das will Leikert ändern. „Manche setzen medizinisches Cannabis gleich mit Cannabis für Genusszwecke.“ Deshalb informiere er in Praxen über das Thema. In seinem Team sind sechs Mitarbeitende in separaten Räumen für die Produktion zuständig. Nicht alle im Team seien offen für die Therapie. Doch er spüre, dass das zusätzliche Angebot ein Pluspunkt bei der Mitarbeitersuche sei, da die Apotheke dadurch mehr verschiedene Tätigkeiten biete.
Die Herstellungsmethode entspreche den Arzneibuchmethoden. Dabei würden die Cannabisblüten nach der schonenden Vermahlung bei einer definierten Temperatur in einem Spezialofen erwärmt. Während der Erwärmung findet die Decarboxylierung von unter anderem der THC-Säure zur wirksamen THC-Verbindung statt. Danach werden mit einer sieben Tage dauernden Mazer- und Remazeration mit Ethanol die wirksamen Cannabinoide und Terpene aus den Cannabisblüten herausgelöst.
Nach Abdampfen des Ethanols unter Vakuum mit einem Rotavapor werde das Cannabisöl in einem pharmazeutischen Öl gelöst. Zum Schluss wird der Cannabinoid-Gehalt mit einer technisch aufwendigen HPLC-Methode bestimmt und der Extrakt auf den definierten THC-Gehalt eingestellt. Abschlussprüfungen auf die Qualität der Extrakte garantierten ebenso eine stets gleichbleibende und hohe Qualität. „So werden wir unserem Anspruch als kompetente Cannabis Apotheke auch in individuellen Fällen stets gerecht.“