690 Millionen Euro als Risiko

Bayern: Versorgungskammer droht Rekordverlust

, Uhr
Berlin -

Zum Jahreswechsel hat die Bayerische Apothekerversorgung ihre Mitglieder über das abgelaufene und das neue Jahr informiert. Kein Wort verlor Kammerpräsident Thomas Benkert als Vorsitzender des Landesausschusses zu einer Problematik, die kurz vor Weihnachten bekannt geworden war: Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) als Zusammenschluss von zwölf Versorgungswerken unterschiedlicher Berufsgruppen aus verschiedenen Bundesländern musste einen hohen dreistelligen Millionenbetrag auf Immobilieninvestments in den USA abschreiben.

Mit Kapitalanlagen von 117 Milliarden Euro und 2,7 Millionen Versicherten ist die BVK eine der größten öffentlichen Pensionskassen in Deutschland. Anders als bei anderen berufsständischen Versorgungseinrichtungen hatte es hier bislang keine hohen Abschreibungen auf riskante Anlagen gegeben. Doch jetzt ist klar: Die BVK hat erhebliche Probleme mit Immobilieninvestments in den USA.

Bei drei besonders risikobehafteten Projektentwicklungen sowie einem Renovierungsprojekt, der Transamerica Pyramid in San Francisco, wurden 820 Millionen Euro investiert. Hinzu kommen drei Bestandsobjekte mit einer Investitionssumme von rund 770 Millionen Euro. Insgesamt wurden also 1,6 Milliarden Euro in US-Immobilien investiert, bei denen die Deutschen Finance sowie die US-Firma SHVO als Vermittler beziehungsweise Entwickler fungierten.

Nachdem bereits für das Geschäftsfjahr 2024 auf Ebene des Zielfonds Wertberichtigungen in Höhe von rund 163 Millionen Euro vorgenommen werden mussten, informierte die BVK kurz vor Weihnachten darüber, dass von einem weiteren Verlustrisiko in den Zielfonds in Höhe von bis zu 690 Millionen Euro ausgegangen werden müsse.

Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, diese Risiken nach Möglichkeit zu minimieren, so die BVK. Bei den drei Bestandsobjekten bestünden keine vergleichbaren Risiken; temporäre, buchhalterische Wertberichtigungen könnten jedoch nicht ausgeschlossen werden. Diese seien aber nicht mit Verlusten gleichzusetzen.

Auswirkungen auf die Versorgungszusagen gegenüber Mitgliedern, Versicherten und Leistungsempfängern schließe man aus, da diese durch die breit diversifizierten Kapitalanlagen durch andere Investments ausgeglichen werden könnten. Insgesamt entfielen weniger als 1,4 Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Stichtag Ende 2024 auf diese Immobilien; das neu bezifferte Verlustrisiko würde einem Anteil an der gesamten Kapitalanlage in Höhe von rund 0,6 Prozent entsprechen.

„Der verantwortungsvolle Umgang mit den Beiträgen unserer Versicherten und Mitglieder ist unsere oberste Pflicht“, sagt Axel Uttenreuther, Vorstandsvorsitzender der BVK. „Wir bedauern, dass es in den USA im Immobiliengeschäft zu Verlusten gekommen ist. Zugleich ist es wichtig festzuhalten, dass diese durch die guten Ergebnisse aus den anderen Assetklassen gemäß unserer Diversifizierungsstrategie kompensiert werden. Es haben sich bislang keine Auswirkungen auf die Versorgungszusagen für unsere 2,7 Millionen Mitglieder, Versicherten und Leistungsempfänger ergeben. Und auch für die Zukunft gilt: Die Altersvorsorge unserer Versicherten ist sicher.“

Mit einer kapitalgewichteten Nettoverzinsung von rund 3,4 Prozent habe man 2024 ein zentrales Ziel der Kapitalanlage erreicht und die erforderlichen Mindestverzinsungen der verwalteten Versorgungseinrichtungen übertroffen – fast durchweg sogar deutlich.

Um solche Risiken zu minimieren, habe man mit Unterstützung von externen Experten bereits Maßnahmen umgesetzt. So werde die BVK für eine Übergangszeit einen branchenerfahrenen externen Manager an die Spitze des Bereichs Immobilienkapitalanlage berufen. Außerdem werde man die Grundsätze für die Zusammenarbeit mit Partnern verschärfen und die eigene Compliance weiter stärken. Dazu gehöre auch eine Untersuchung, wie es zu den vorherigen Verstößen kommen konnte. Schließlich werde man die Kommunikation mit den Gremien weiter ausbauen.

Hintergrund ist, dass bei den Problemprojekten offenbar mit einem Immobilienentwickler zusammengearbeitet wurde, der in den USA bereits vor Jahren wegen Steuerbetrugs verurteilt worden war. Zwei langjährige Investmentmanager der BVK mussten laut Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) bereits ihre Posten räumen. Auch die Staatsanwaltschaft München wurde laut Bericht eingeschaltet und hat Vorermittlungen eingeleitet.

Ärger droht aber auch aus den eigenen Reihen: Laut SZ haben zwei aus der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals bekannte Anwälte eine „Interessengemeinschaft Versorgungswerke“ gegründet.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Frühzeitig geprüft ‒ Retaxation verhindert

Egal ob Papier- oder E-Rezepte: mit der Rezeptprüfung scanDialog sparen Sie Zeit, Sie reduzieren Retaxationen auf ein Minimum und sichern sich dadurch wertvollen Umsatz. Mehr dazu…

Direktauszahlung Ihres Rezeptguthabens

Ob ungeplanter Hochpreiser oder kurzfristiges Zahlungsziel – der NOVENTI cashManager ist die flexible Lösung, wenn es um die Liquidität Ihrer Apotheke geht. Mehr dazu…

Volle Kontrolle beim E‒Rezept

Keine Überraschungen mehr – rezept360° sorgt für maximale Transparenz durch die lückenlose Nachverfolgung Ihrer Papier‒ und E‒Rezepte. Mehr dazu…

Planbare Liquidität genau zur richtigen Zeit

Zahlungen stehen an – doch die reguläre Rezeptabrechnung erfolgt erst später? Mit dem NOVENTI Dekade-Modell steuern Sie Ihre Liquidität ganz nach Ihren Bedürfnissen. Mehr dazu…

100 % Rundumschutz – dank Zug-um-Zug-Abtretung

Erst, wenn Ihre Rezepte vollständig bezahlt sind, gehen sie an NOVENTI über. Bis dahin bleiben die Rezepte uneingeschränkt in Ihrem Eigentum. Mehr dazu...

Checkliste bei Inhaberwechsel