Repetitorium Reisedurchfall

Herzglykosid nicht mit Kohle und Elektrolyten

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Berlin -

Arzneimittel gegen Durchfall sind meist fester Bestandteil der Reiseapotheke. Wer nach Asien, Afrika oder in den mittleren Osten reist, sollte nicht nur Antidiarrhoika und Elektrolyte im Gepäck haben, sondern auch bestimmte Verhaltensregeln befolgen. Bei der Bestückung der Reiseapotheke ist an Wechselwirkungen mit der Dauermedikation zu denken.

Fall: Ein Kunde plant eine Asienreise und möchte Kohletabletten und eine Elektrolytlösung kaufen. Da er quer durch das Land reist, verlangt er noch Tabletten zur Wasseraufbereitung. Aufgrund einer Herzinsuffizienz wird der Mann mit einem herzwirksamen Glykosid behandelt.

Analyse: Herzglykoside sollten nicht gleichzeitig mit Kohle eingenommen werden. Auch bei der Kombination mit einer Elektrolytlösung ist Vorsicht geboten, denn diese kann die Wirkung des herzwirksamen Glykosids herabsetzen und eine Kontrolle des Kaliumspiegels notwendig machen.

Reisedurchfall ist die häufigste Erkrankung, die in der schönsten Zeit des Jahres auftreten kann. Das Risiko variiert je nach Urlaubsziel und kann mit einer Inzidenz von bis zu 90 Prozent auftreten. Ist der Stuhl wässrig und wird nicht von Blut begleitet, hat das Auffüllen des Elektrolyt- und Wasserverlustes oberste Priorität. Dazu können beispielsweise Oralpädon (Stada), Elotrans (Stada) oder Saltadol (Aristo) in Wasser eingerührt und getrunken werden. Meist sind Kolibakterien Auslöser der Diarrhoe, die in der Regel nach drei bis fünf Tagen wieder abklingt. Geht der Durchfall jedoch mit Fieber, starken Schmerzen oder Blut im Stuhl einher, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Die Elektrolytlösungen sind zur oralen Salz- und Flüssigkeitszufuhr bei Durchfallerkrankungen indiziert. Enthalten sind in den Pulvern Natrium, Kalium, Chlorid, Citrat und Glucose. Wird der Kaliumspiegel jedoch erhöht, kann die positiv inotrope Wirkung des herzwirksamen Glykosids herabgesetzt werden, Herzrhythmusstörungen können die Folge sein. Daher wird eine Kontrolle der Kaliumspiegel empfohlen.

Kohle kann durch Bindung die Glykosidresorption vermindern und die Elimination des Arzneistoffes beschleunigen. Patienten sollten daher auf einen Einnahmeabstand achten. Das herzwirksame Glykosid sollte zwei Stunden vor der Gabe der Aktivkohle genommen werden.

Herzglykoside wie Digitoxin besitzen positiv inotrope und bathmotrope Eigenschaften. Sie wirken sich also positiv auf die Herzmuskelkontraktilität- und Geschwindigkeit sowie die Reizschwelle aus. Zudem besitzen die Wirkstoffe negativ chronotrope und dromotrope Eigenschaften – Herzfrequenz und Erregungsleitung werden gesenkt beziehungsweise verzögert.

Digitoxin ist ein langwirksames Glykosid mit geringer therapeutischer Breite. Die Wirkung basiert auf einer spezifischen Hemmung der Adenosintriphosphatase und somit auf den aktiven Transport von Natrium- und Kaliumionen. Die Folge ist ein erhöhter Einstrom von Calcium. Ist die extrazelluläre Kaliumkonzentration niedrig, wird der Effekt verstärkt – wohingegen eine geringe Calciumkonzentration außerhalb der Zelle die Wirksamkeit herabsetzt und einen umgekehrten Effekt zur Folge hat. Wird der Austausch von Natrium und Kalium gehemmt, nimmt die Impulsüberleitungsrate in Vorhof und AV-Knoten ab.

Kommunikation: Beachtet der Kunde den vorgeschriebenen Einnahmeabstand zu Aktivkohle, kann diese bei einer auftretenden Durchfallerkrankung eingenommen werden. Als Alternative sind beispielsweise Tanncomp (Tanninalbuminat/Ethacridinlactat-Monohydrat, Medice), Perenterol (Saccharomyces cerevisiae, Medice), Omnibiotic Reise (Allergosan) oder Vaprino (Racecadotril, Sanofi) geeignet. Letzteres sollte nicht mit ACE-Hemmern kombiniert werden. Von Loperamid wird eher abgeraten, da die Darmperistaltik gehemmt wird und die Durchfallerreger im Darm zurückgehalten werden können.

Die Elektrolytlösung sollte nur bei sehr starken Durchfällen angewendet werden und wenn der Kaliumspiegel stark abfällt. In solchen Fällen sollte ein Arzt konsultiert werden, um die Blutkaliumkonzentration zu bestimmen.

Therapie: Während der Reise sollten bestimmte Verhaltensregeln befolgt werden. Dazu zählen eine sorgfältige Hygiene, die ein regelmäßiges Händewaschen beinhaltet, sowie ein sorgfältiger Umgang mit Lebensmitteln. Reisende sollten sich an die Empfehlung „cook it, peel it or leave it“ halten: In fernen Ländern sollten nur gut durchgegarte Fleisch- und Fischgerichte gegessen werden. Auf Eiswürfel und das Trinken von Leitungswasser sollte verzichtet werden. Wer Trinkwasser aufbereiten will, kann auf Mikropur (Katadyn) zurückgreifen.

Wer eine kaliumfreie Elektrolytlösung herstellen will, kann die Empfehlung des Centrums für Reisemedizin (CRM) nutzen. Auf einen Liter Trinkwasser kommen ein Teelöffel Traubenzucker, ein gestrichener Teelöffel Kochsalz, ein dreiviertel Teelöffel Backpulver und zusätzlich Fruchtsaft. Außerdem verweist das CRM auf den Verzehr von Bananen. Ohnehin sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

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