Apothekengewerkschaft

Adexa: Fachkräftemangel ist hausgemacht

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Berlin -

Einen Approbierten oder PTA zu finden, gestaltet sich für Apothekenleiter oft schwierig: Der Fachkräftemangel macht vor der Offizin nicht halt. Aus Sicht der Apothekengewerkschaft Adexa ist das Problem allerdings hausgemacht: „Wer nur an Geld denkt, ist auf dem Holzweg. Vielmehr geht es um eine neue Kultur, Teams zu führen“, teilt die Gewerkschaft mit.

Qualifizierte Mitarbeiter einzustellen reicht laut Adexa nicht aus. Die Inhaber stünden anschließend vor der Aufgabe, die Teams zusammen zu halten. Das sei eine vielschichtige Aufgabe. Neben Wertschätzung und Anerkennung der Mitarbeiter gehe es auch um die Übertragung von Aufgaben und die Berücksichtigung individueller Stärken – respektive Fort- und Weiterbildung. „Geld spielt natürlich eine Rolle, wird Defizite in anderen Bereichen aber kaum kompensieren“, ist man bei der Gewerkschaft überzeugt.

Wichtig seien vor allem regelmäßige Gespräche. Diese sollten sich keinesfalls auf kritische Situationen beschränken, sondern mindestens einmal pro Jahr stattfinden, besser einmal pro Quartal. „Dialog“ sei das Zauberwort. Im Einzelgespräch könnten Angestellte berichten, was gut oder schlecht lief, welche Ideen sie für die nächste Zeit haben oder wo individueller Fortbildungsbedarf bestehe. Daraus ließen sich individuelle Zielvereinbarungen ableiten.

Das zeitintensive Tagesgeschäft lasse kaum noch Freiräume, um in Richtung Zukunft zu blicken, weiß man bei der Adexa. „Genau das sollten gute Führungskräfte aber tun – im Idealfall sogar zusammen mit dem Team. Denn auch Angestellte sollten die Ziele ihrer Apotheke kennen. Sie seien näher am Kunden, an Arztpraxen oder Pflegeheimen und wüssten von Problemen und Potenzialen. Chefs sollten daher neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sein und bei der Umsetzung ausreichend viele Angestellte beteiligen, rät Adexa.

Wichtig ist der Gewerkschaft zufolge auch eine „positive Feedback-Kultur“. Das Team sollte gelobt werden, wenn ein Aktionstag gut lief. Geben Vorgesetzte dagegen ihrer PKA die Schuld, „schon wieder eine Bestellung übersehen zu haben“, griffen Vorwürfe oder Wutausbrüche zu kurz.

Ähnlich sei die Situation, sollte eine PTA ihr Pensum an Rezepturen nicht bewältigen, weil sie ständig in den Handverkauf gerufen wird. „Haben tatsächlich Angestellte einen Fehler gemacht, lautet die Botschaft, daraus zu lernen“, mahnt die Gewerkschaft. Vielleicht stünden aber auch Personaleinsatz und Arbeitsaufkommen nicht mehr in Relation zueinander. Dann könnten Inhaber eine wertvolle Erkenntnis gewinnen, um ihren Betrieb zu optimieren.

Als zusätzliche Motivation empfiehlt die Adexa, Mitarbeitern die Chance zu geben, sich neben dem Beruf sozial zu engagieren. Unbezahlte Freistellungen für einige Wochen oder Monate sind als „Mini-Sabbatical“ auch nicht selten, um ein soziales Projekt zu begleiten. Corporate Volunteering-Programme seien nicht nur gut für das Image einer Firma, sondern motiviere auch Angestellte. Diese bauten gleichzeitig soziale Kompetenzen aus: eine Win-win-Situation. „Wie wäre es beispielsweise, die Arbeit von 'Apotheker ohne Grenzen' zu unterstützen? Derartige Incentives motivieren Kolleginnen und Kollegen, weiterhin ihr Bestes für die Firma zu geben: ein Ansatzpunkt für öffentliche Apotheken“, schlägt die Adexa vor.

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