Dreimal so viele Ärzte

Zi-Studie: Praxis näher als Apotheke

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Berlin -

Laut einer Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ist der nächstgelegene Hausarztsitz im Mittel deutlich schneller zu erreichen als die nächstgelegene Apotheke – unabhängig davon, ob die Entfernung in Metern oder in Autominuten berechnet wird. Daher sei das Narrativ, die Apotheken stärker in den Mittelpunkt zu stellen, um „vermeintliche Versorgungslücken“ zu schließen, verfehlt.

In der gesundheitspolitischen Diskussion um die wohnortnahe Versorgung rückt die Politik laut Zi aktuell die Rolle der Apotheken stärker in den Fokus – etwa mit Blick auf zusätzliche Angebote wie Impfungen oder einfache Gesundheitschecks, die bei der Primärversorgung helfen sollen. Insbesondere das aktuell im Bundestag beratene Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), durch das Apotheken erweiterte Befugnisse bei der Arzneimittelabgabe ohne neues Rezept, bei zusätzlichen Schutzimpfungen und der Beratung zur Prävention von Krankheiten übertragen werden sollen, habe in der Ärzteschaft für Irritationen gesorgt.

„Abgesehen davon, dass die geplanten Maßnahmen eindeutig jenseits der Qualifikation der Apothekerschaft lägen und damit negative Folgen für die sichere Patientenversorgung nicht ausgeschlossen seien, werde aus der Politik immer wieder nahegelegt, ein möglichst kurzer Weg zur Apotheke sichere die medizinische Grundversorgung ab, so die vorherrschende Kritik aus der Ärzteschaft“, so das Zi.

Mehr Ärzte als Offizinen

Im Rahmen einer aktuellen Sonderauswertung hat das Zi öffentlich verfügbare Versorgungs- und Raumdaten ausgewertet, mit denen die Angebotsdichte von Hausarztpraxen und Apotheken verglichen werden kann. „Das Ergebnis: Die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte, die in Deutschland an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, ist mit 55.882 mehr als dreimal so hoch wie die Zahl der Apotheken (17.041)“. Warum das Institut hier die Anzahl der Hausärztinnen und Ausärzte nicht mit der Anzahl an Apothekerinnen und Apothekern sondern mit der Anzahl der Betriebe vergleicht, bleibt unklar.

Auch die mittlere Entfernung bis zur nächsten Apotheke liegt laut Zi über alle Kreise hinweg bei gut 1,6 Kilometern, zur nächsten Hausarztpraxis hingegen bei lediglich 1,1 Kilometern. In Autominuten berechnet liege der Unterschied über alle Gemeinden hinweg bei 6,5 Minuten bis zur dichtesten Apotheke gegenüber 5 Minuten bis zur nächstgelegenen Hausarztpraxis. Der nächstgelegene Hausarztsitz sei im Mittel demnach deutlich schneller zu erreichen als die nächstgelegene Apotheke, unabhängig davon, ob die Entfernung in Metern oder in Autominuten berechnet werde.

Hausarzt ist erste Anlaufstelle

„Hausärztinnen und Hausärzte sind weit mehr als eine ‚erste Anlaufstelle‘“, betont der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Sie seien Diagnostiker, Koordinatoren und Lotsen durch ein immer komplexer werdendes Gesundheitssystem und würden ihre Patientinnen und Patienten oft über Jahre, nicht selten über Jahrzehnte kennen. Sie diagnostizieren, koordinieren Behandlungen und behalten auch komplexe Krankheitsverläufe im Blick. Sie müssten erkennen, ob ein Symptom harmlos ist oder vielleicht lebensbedrohlich, ob abgewartet oder sofort gehandelt werden muss. „Diese Form der kontinuierlichen, verantwortungsvollen Medizin ist durch nichts zu ersetzen.“

„Apotheken sind ein unverzichtbarer Partner der Arztpraxen in der Arzneimittelversorgung. Ihre Rolle liegt dabei in der qualitätsgesicherten Abgabe und Beratung zu Medikamenten. Unsere aktuelle Datenauswertung zeigt deutlich, dass die Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland die wohnortnahe medizinische Versorgung effizient abdecken können und es einer Ausdehnung des pharmazeutischen Leistungsangebots dafür nicht bedarf“, stellt er klar.

Eine erneute Verbreiterung des Spektrums möglicher erster Anlaufpunkte in der medizinischen Versorgung widerspräche sogar der im Koalitionsvertrag verankerten Zielsetzung, die Koordination der Versorgung in ärztlicher Gesamtverantwortung zu stärken. „Zum jetzigen Zeitpunkt sollte daher eher darüber nachgedacht werden, wie das Potenzial der fast 56.000 Hausärztinnen und Hausärzte noch besser in der Primärversorgung genutzt werden kann, um Parallelstrukturen, Doppeluntersuchungen und eine Fragmentierung von Versorgungsprozessen zu reduzieren“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende abschließend.

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