Keine Gewinne, keine Nachfolger

Zambo: Jede dritte Apotheke vor dem Aus

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Berlin -

Bei ihrem parlamentarischen Abend informierten Kammer und Verband aus Baden-Württemberg die Politikerinnen und Politiker über die wirtschaftlich angespannte Lage der Apotheken. Jeder dritte Betrieb könnte in den nächsten zehn Jahren wegfallen, schon jetzt erwirtschafte jede zehnte Apotheke nach Abzug aller Betriebskosten keinen Gewinn mehr, so Verbandschefin Tatjana Zambo.

Seit 2008 sinkt die Zahl an Apotheken in Deutschland. Allein im letzten Jahr haben rund 500 Betriebe schließen müssen und dieser Trend, so Zambo, scheine sich auch in diesem Jahr fortzuführen. Als treibenden Faktor nannte sie insbesondere die steigenden Betriebskosten und fehlender Anpassung des Honorars. „Wir sind wirtschaftlich abgekoppelt und stehen auf dem Honorarniveau von 2004“, so Zambo.

Steigende Betriebskosten

In diesem Jahr könnte sich die Situation noch weiter verschärfen: Allein die steigenden Betriebskosten führten zu Belastungen von 17.000 bis 20.000 Euro. Die versprochenen Entlastungen aus dem geplanten Reformgesetz, die bisher nur aus Eckpunkten abgeleitet werden könnten, summierten sich gerade einmal auf circa 11.000 Euro. Dabei seien die Auswirkungen des Skonto-Urteils noch nicht einbezogen. Die Treuhand Hannover geht von Einbußen in Höhe von rund 20.000 Euro aus.

Geplante Entlastungen viel zu gering

Diese Mehrkosten treffen laut Zambo ohnehin schon stark angeschlagene Betriebe: Im letzten Jahr haben 11 Prozent der Apotheken keinen Gewinn mehr erwirtschaftet, 25 Prozent lagen mit einem Betriebsergebnis von 50.000 bis 75.000 Euro. Damit, so Zambo, lägen die Inhaberinnen und Inhaber unterhalb der Vergütung eines angestellten Krankenhausapothekers – und das, obwohl sie das volle wirtschaftliche Risiko trügen.

Apotheken mit einer so geringen Gewinnspanne seien „unverkäuflich“. Bei einem Renteneintritt lasse sich so kein Ersatz mehr finden. Rund 10 Prozent der Apotheker seien bereits über 70 Jahre alt. Die Apotheke würde folglich ersatzlos wegfallen. Jede dritte Apotheke drohe in den nächsten zehn Jahren zu verschwinden, wenn jetzt nicht gehandelt würde – laut Zambo noch eine konservative Schätzung.

Digitalisierung

Kammerpräsident Dr. Martin Braun ging in seiner Rede insbesondere auf das E-Rezept ein. Die technischen Probleme müssten dringend behoben werden. „Wenn eine Komponente nicht funktioniert, ist ein Patient nicht versorgt“, so Braun. Er betonte außerdem, dass E-Rezept in die Apotheke vor Ort gehöre, denn ein Versandhandel könnte weder die Beratungsleistung erbringen, noch auf Probleme wie Lieferschwierigkeiten reagieren. Zuletzt kritisierte Braun klar die Pläne zur Einführung von „Light-Apotheken“: Eine Apotheke funktioniere nur mit einem Apotheker.

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