Apothekenstreik

Verbandsvize schwärzt Apothekerin an

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Berlin -

Während Apotheken in anderen Bundesländern eifrig für eine bessere Honorierung streiken, hält sich Hessen mit derartigen Protestaktionen zurück. Eine Apothekerin aus Offenbach hat vor zwei Wochen dennoch ihre Kollegen mit einem Streik-Poster und ausgeschaltetem Licht unterstützt. Die Aktion könnte sie nun 500 Euro kosten – denn angeblich hat sie ihre Offizin komplett geschlossen. Besonders brisant: Ausgerechnet der stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbandes, Dr. Hans Rudolf Diefenbach, hat die Apothekerin bei der Kammer angeschwärzt.

Diefenbachs Apotheke liegt gegenüber der Markt-Apotheke von Yen-Nhi Feinen-Nguyen. Die Apothekerin bestreitet den Vorwurf, ihre Offizin sei geschlossen gewesen: „Das ist hanebüchen“, sagt sie. „Die Apotheke war nicht zu, nur das Licht war aus Solidarität mit dem Streik aus. Die Leute konnten ganz normal hereinkommen.“ Im Schaufenster sei lediglich das Plakat mit der Aufschrift „Wir streiken“ angebracht gewesen.

Der Verbandsvize sieht das anders: „Ich habe für solche lächerlichen Aktionen kein Verständnis“, sagt er. Der Inhaber der Rosen-Apotheke hatte der Kammer mitgeteilt, dass die Apotheke geschlossen gewesen sei: Dunkelheit und Streik-Plakat waren für Diefenbach Grund genug, die Kammer zu informieren. Eine Mitarbeiterin habe ihm zudem gesagt, dass die Türen geschlossen gewesen seien.

Der Bußgeldbescheid der Kammer hatte Feinen-Nguyen übrigens noch am Tag ihres Protests per Post erreicht. Die Apothekerin findet dies höchst komisch: „Wie ist das möglich? Kann die Kammer hellsehen?“ Als Ordnungswidrigkeit wurde ihr das „Nichtversehen der Dienstbereitschaft“ vorgeworfen. Laut Kammer wurde weder eine Befreiung von der Dienstbereitschaft beantragt noch erteilt.

 



Das Verhalten der Apothekerin hat den Verbandsvize nach eigenen Angaben geärgert: „Wir möchten solidarische Aktionen“, so Diefenbach. Eine derartige Streikaktion an einem Tag bringe gar nichts. „Wenn sich die Kollegen so verhalten, dann brauchen sie sich auch nicht wundern, dass das passiert.“ Zudem sei eine Streikaktion nicht rechtens.

Feinen-Nguyen war am besagten Mittwoch selbst nicht vor Ort, doch ihre Mitarbeiter könnten den Betrieb der Apotheke bezeugen. Außerdem liege der Tagesabschluss vor. Gegen den Bußgeldbescheid hat Feinen-Nguyen Widerspruch eingelegt. Bestehe die Kammer auf die Zahlung, müsse sie einen Rechtsanwalt einschalten, sagt die Apothekerin. Doch bevor dies geschehe, wolle sie die Antwort der Kammer abwarten.

Wie viele Bußgeldbescheide die Kammer von BAK-Präsidentin Erika Fink ingesamt verschickt hat, war bislang auf Nachfrage nicht zu erfahren.

Dem Streikaufruf der Apothekerorganisationen im Südwesten waren Mitte September nicht nur Apotheker aus dem Saarland, Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz gefolgt. Auch Kollegen aus anderen Bundesländern wie Niedersachsen hatten sich an dem Protest beteiligt.

 

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