APOTHEKE ADHOC Umfrage

Ärzte sollen für Software-Fehler haften

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Berlin -

Die Politik will die Ärzte zwingen, ihre Arzneimittel-Datenbanken häufiger zu aktualisieren. Die Apotheker begrüßen eine entsprechende Regelung im geplanten E-Health-Gesetz. Allerdings sind viele skeptisch, dass damit das Retax-Problem gelöst wird.

Das E-Health-Gesetz sieht vor, dass die Ärzte ihre Praxis-Software künftig alle zwei Wochen mit den aktuellen Arzneimitteldaten füttern müssen. Die Ärzte halten die Maßgabe für zu aufwendig und verlangen Zeit und extra Geld für Nachrüstungen ihrer Technik. Bisher aktualisieren die meisten Arztpraxen ihre Software nur quartalsweise mit CDs, obwohl die Software-Hersteller die Daten längst zweiwöchentlich per Download anbieten. Viele Ärzte sind nach wie vor nicht am Netz.

Mehr als jeder zweite Teilnehmer (52 Prozent) eine Umfrage von APOTHEKE ADHOC hält die geplante neue Vorgabe für einen guten Schritt, findet aber, dass die Ärzte selbst für die Folgen ihrer fehlerhaften Verordnungen haften sollten. Hinzu kommen 11 Prozent, die die Aktualisierungspflicht für überfällig halten, weil „die Ärzte uns Millionen kosten“. Die Apotheker beklagen immer wieder Retaxationen aufgrund fehlerhaft ausgestellter Rezepte.

Aus Sicht der Ärzte obliegt es dagegen den Apothekern, unklare Verordnungen mit dem Arzt zu besprechen, um Retaxationen zu vermeiden. Der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) liegen zu dem Retax-Problem nach eigenen Angaben ohnehin „weder konkrete Beispiele noch Zahlen vor“.

20 Prozent der Teilnehmer halten die geplante zweiwöchige Aktualisierungspflicht der Ärzte für „vergebene Mühe“. Die Kassen fänden sowieso immer neue Retaxgründe. 7 Prozent sehen die Aktualität der Arzt-Software nicht als das größte Problem bei Retaxationen an.

Weitere 9 Prozent halten die geplante Regelung für den falschen Ansatz. Besser wäre demnach, die Fristen zur Aktualisierung auch für die Apotheker zu verlängern. Ein Update pro Quartal in der Praxis und der Apotheke wäre aus Sicht dieser Teilnehmer sinnvoll.

Das Kabinett hat den Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) am Mittwoch beschlossen. Die Regierung will damit vermeiden, dass die Apotheker aufgrund nicht aktueller Arztsoftware retaxiert werden. Die Arztsoftware soll künftig alle maßgeblichen Informationen auf dem „jeweils aktuellen Stand“ beinhalten. Da explizit auf Preise und Festbeträge verwiesen wird, wäre hier der zweiwöchige Rhythmus der Apotheker maßgeblich. Das Gesetz wird jetzt im Parlament beraten.

An der Umfrage nahmen vom 27. bis 29. Mai 275 Leserinnen und Leser von APOTHEKE ADHOC teil.

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