Allermeiste Medikamente sofort verfügbar

TK: Engpässe nur im Promillebereich

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Berlin -

Es gibt so gut wie keine Engpässe. Zu diesem Ergebnis kommt die Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz nach Auswertung von Daten. Die Versorgung mit Generika funktioniere zuverlässig.

Die Debatten um Engpässe würden häufig emotional geführt, doch rational betrachtet seien fast 99 Prozent der Medikamente sofort verfügbar. „Trotz Berichten und Diskussionen zu Engpässen muss man die Fakten im Blick behalten: 98,9 Prozent der Medikamente sind prompt verfügbar, für 0,8 Prozent existieren gleichwertige Alternativen“, betont Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz.

ALBVVG reduziert Engpässe

Die Kasse verweist auf ihren „Lieferklima-Report 2025 – Logistik, Lagermengen und Lieferketten“, der kürzlich erschienen ist und die Wirkungen des Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetzes (ALBVVG) sowie die bundesweite Lagerpraxis bei Medikamenten analysiert.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listete demnach im Oktober 2025 nur noch 35 von rund 1500 antibiotischen Präparaten als lieferunfähig – vor dem Inkrafttreten des ALBVVG im Juni 2023 seien es 166 gewesen. Bundesweit gibt es laut TK etwa 83.000 relevante Arzneimittel für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV).

Rabattverträge sichern Vorratshaltung

Das ALBVVG verpflichtete Krankenkassen erstmals, Rabattverträge mit Herstellern an eine Mindestlagerung, die dem Bedarf von sechs Monaten entspricht, zu knüpfen. „Wir begrüßen die Verpflichtung zur Vorratshaltung in den Rabattverträgen. Die Lagerhaltung für Arzneimittel ist insgesamt sehr gut, allerdings ist die Einhaltung der Vorratspflicht von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Deshalb brauchen wir transparente Daten zu Beständen und Prognosen – für BfArM, Hersteller und Kassen gleichermaßen“, sagt Simon.

Gleichzeitig führt er aus, dass Rabattverträge nicht – wie häufig von verschiedenen Akteuren in den Medien behauptet – zu Lieferengpässen beitragen, sondern im Gegenteil diese helfen zu vermeiden. „Rabattverträge sichern den Herstellern indirekt die Abnahme der Arzneimittel zu und geben deshalb Planungssicherheit. Lieferengpässe spielen sich tatsächlich fast doppelt so oft im rabattfreien Markt ab“, erklärt Simon. „Rabattverträge sind Teil der Lösung und nicht Teil des Problems und sollten zu Lieferverträgen weiterentwickelt werden.“

Ansatzpunkte für robustere Lieferketten

Aus Sicht der TK ist das ALBVVG ein erster Schritt, um gegen überraschende Mehrbedarfe gewappnet zu sein. Der Report benennt fünf Handlungsfelder, um die Liefersicherheit weiter zu erhöhen. Die TK schlägt unter anderem ein regionales Mehrpartner-Modell vor, um besonders wichtige Arzneimittel zuverlässiger abzusichern. Da Rabattverträge für Kinderarzneimittel derzeit ausgeschlossen sind, fordert die TK, dass Krankenkassen auch hier entsprechende Vereinbarungen mit Herstellern abschließen dürfen, bei denen die Bevorratung Bestandteil des Vertrags ist.

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