Saarland

Kampagne zur Arzneimittel-Entsorgung

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Berlin -

Alte Arzneimittel gehören in die Restmülltonne. Das ist die Botschaft einer Kampagne der saarländischen Apothekerkammer zur umweltschonenden Entsorgung von Medikamenten. Mit Plakaten und Flyern in Apotheken, Arztpraxen, Gesundheitsämtern und den kommunalen Verwaltungen und Entsorgungsunternehmen soll auf das Problem aufmerksam gemacht werden.

Insgesamt neun saarländische Institutionen sind an der Aktion beteiligt, neben der Apotheker- auch die Ärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung, das Gesundheits- und das Umweltministerium, der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches, der Entsorgungsverband Saar, der Verband der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes und der Verband kommunaler Unternehmen.

Die Botschaft: Die Saarländer verfügen mit der Restmülltonne vor ihrer Haustüre über eine ideale Entsorgungsstation für feste und flüssige Medikamente. „Der Restmüll wird in modernen Anlagen verbrannt, alle Arzneiwirkstoffe werden dabei zerstört und die Rauchgasreinigung sorgt zudem dafür, dass nichts in die Umwelt gelangt“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Eine Belastung der Gewässer erfolge bereits durch die Einnahme von Medikamenten, da der menschliche Körper immer nur einen Teil der Wirkstoffe aufnehme, erklären die Institutionen. Ziel der Aktion ist es, neben dieser unvermeidbaren Belastung durch Ausscheidung aus dem menschlichen Körper vermeidbare Zusatzbelastungen durch eine falsche Entsorgung zu verringern.

In den Flyern wird erklärt, wie Arzneimittel richtig entsorgt werden: Tabletten sollen aus der Verpackung herausgelöst und mit dem Restmüll entsorgt werden. Flüssigmedikamente sollen mit Flasche oder Ampulle in die Restmülltonne gegeben werden. Verpackungen aus Papier sollen mit dem Altpapier, Kunststoff-Verpackungen über den Gelben Sack entsorgt werden. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass einige Apotheken nicht verbrauchte Medikamente zurück nehmen.

Einer Studie des Institutes für sozial-ökologische Forschung (ISOE) zufolge entsorgen 47 Prozent aller Befragten Flüssigmedikamente über Toilette oder Waschbecken. 42 Prozent nutzen demnach zur Entsorgung nie den richtigen Weg, die Restmülltonne.

Diese Zahlen sind aus Sicht der beteiligten Institutionen erschreckend – „insbesondere vor dem Hintergrund, dass Spurenstoffe dieser Medikamente so in die Gewässer gelangen und die dort lebenden Tiere und Pflanzen schädigen“.

Kläranlagen seien auf die Entfernung entsprechender Stoffe nicht ausgelegt. Eine Nachrüstung würde für die saarländischen Gebührenzahler zwei- bis dreistellige Millionenbeträge bedeuten – ohne, dass eine hundertprozentige Entfernung aller Spurenstoffe überhaupt möglich wäre.

Rund die Hälfte der rund 2300 in Deutschland verwendeten Arzneimittelwirkstoffe sei potentiell umweltrelevant, heißt es weiter. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sei der Arzneimittelgebrauch allein zwischen 2002 und 2013 um 20 Prozent gestiegen.

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