Diese Entscheidung erfährt gerade gewaltigen Gegenwind: Am Mittwoch entschied der Erweiterte Bewertungsausschuss, dass die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April gekürzt wird. „Diese Entscheidung hat die Interessen psychisch kranker Menschen außer Acht gelassen“, zeigte sich Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), enttäuscht. Mehr Geld sollen nun hingegen die Hebammen bekommen.
Entgegen der Stimmen der KBV hatte das Schiedsgremium beschlossen, dass es bei den psychotherapeutischen Leistungen eine Absenkung um 4,5 Prozent ab dem 1. April geben wird. „Über die Jahre hinweg ist die Psychotherapie zu einer etablierten Versorgungssäule im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung geworden. Dass die gesetzlichen Krankenkassen aufgrund der aktuellen Finanzlage sparen müssen, steht außer Frage. Es ist aber paradox, genau da sparen zu wollen, wo der Großteil der Versorgung für relativ wenig Geld stattfindet – eben in der ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung“, so Gassen.
„Dass nun bei den psychotherapeutischen Leistungen die Vergütung nach der Rasenmähermethode um fast 5 Prozent gekürzt werden soll, ist aus unserer Sicht ein Unding. Das Nachsehen werden leider vor allem die Patientinnen und Patienten haben, deren Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen in den letzten Jahren stetig gestiegen ist“, resümmiert Gassen.
„Das ist ein fatales Signal für die Versorgung psychisch erkrankter Patient:innen, die trotz steigender Krankenkassen-Beiträge schon jetzt auf eine angespannte Versorgungssituation ambulanter Psychotherapie treffen“, kritisieren Dr. Enno Maaß und Dr. Christina Jochim, Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) den Beschluss. „Wir werden das in keiner Weise hinnehmen und die gesamte Kolleg:innenschaft auffordern, sich gegen diese jahrzehntelange Benachteiligung zu wehren.“
Die Kassen würden der ambulanten Versorgung psychisch erkrankter Menschen somit jährlich einen dreistelligen Millionen-Betrag entziehen. „Das wird sich auf das Angebot ambulanter Psychotherapie auswirken und die psychotherapeutische Versorgungssituation weiter verschlechtern. Wir werden alle rechtlichen Mittel gegen diesen Beschluss prüfen“, ergänzt Ulrike Böker, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp).
Die KBV und der GKV-Spitzenverband prüfen jährlich die „angemessene Vergütung“. „Das gleiche Ergebnis seit Jahrzehnten: Die Fachgruppe der Psychotherapeut:innen erhält den mit Abstand geringsten Ertrag in der vertragsärztlichen beziehungsweise vertragspsychotherapeutischen Versorgung. Das zeigt die empirische Erhebung des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung“, so Maaß. „Im Vergleich zu den haus- und fachärztlichen Kolleg:innen erwirtschaften Psychotherapeut:innen schon jetzt nur den halben Ertrag pro Stunde beziehungsweise pro Praxis – und das bei gleichem Arbeitseinsatz und nach Abzug der jeweiligen Praxiskosten“, so Böker.
Hebammen sollen besser bezahlt und zu weniger Bürokratie verpflichtet werden. Mit einer Einigung auf zentrale Details setzte eine Arbeitsgruppe von Berufsverbänden und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen den vorläufigen Schlusspunkt hinter ein monatelanges Ringen. Die Hebammenverbände hatten davor gewarnt, dass Gebärende in Deutschland andernfalls künftig schlechter versorgt würden.
Unter anderem sollen Hebammen bei Geburten in Krankenhäusern anders als bisher bestimmte Zuschläge für die 1:1-Betreuung von Gebärenden auch dann bekommen, wenn die Frauen erst kurz davor erscheinen. Zudem müssen sich Hebammen etwa künftig keine Unterschrift mehr besorgen, die sie bisher zur Abrechnung telefonischer Beratung von Frauen zu Hause gebraucht hatten, wie der Deutsche Hebammenverband und der Kassenverband mitteilten. Die Verbesserungen sollen zum 1. April greifen. Auch weitere Punkte sind enthalten.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) begrüßte den Schritt als „eine gute Nachricht“, die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner als „tolles Ergebnis“. Warken dankte in der „Rheinischen Post“ (Mittwoch) „allen Hebammen für ihren Einsatz an der Seite der Frauen, Kinder und Familien“.
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