Die Inhaberinnen und Inhaber blicken dem Apotheken-Protesttag am 23. März mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Bereitschaft ist vielerorts vorhanden, aber die Hoffnung auf Veränderung nicht überall groß. Eine Apothekerin aus Baden-Württemberg kritisiert die Botschaft der Abda-Plakate und investiert Zeit in eine Neugestaltung. Eine Kollegin aus Rheinland-Pfalz telefoniert andere Betriebe ab und animiert zur Teilnahme.
Elke Ziller, Inhaberin der Raphael-Apotheke in Speyer, will sich am Protest beteiligen. Nur die Abda-Plakate findet sie in der ursprünglichen Version irreführend. Denn es heißt: „Bitte denken Sie daran, Ihre benötigten Rezepte noch rechtzeitig an unserem letzten regulären Öffnungstag einzulösen.“ Dies sende der Kundschaft die falsche Botschaft, so Ziller. „Ich kann das auf keinen Fall ohne Änderung so übernehmen“, erklärt sie. „Das geht gar nicht, denn unsere Kunden müssen ja denken, dass ab Dienstag keine regulären Öffnungstage mehr sind.“
Sie will die Datei so abändern, dass sofort klar wird, „wir schließen nur am Montag“, so wie vorgeschlagen. Obwohl sie sich trotz Beteiligung nicht mehr allzu viel vom Protest verspreche: „Man hat es ja bei den anderen Aktionen bereits gesehen. Es hat sich nicht viel verändert.“ Weil die Verbände nun aber auch zum Protest aufrufen, will sie sich dennoch beteiligen. „Ich wäre auch zu einer Demo gefahren, wenn es eine in der Nähe gegeben hätte. Bis nach Düsseldorf ist es mir zu weit, da wäre ich allein für die Fahrt hin und zurück sieben Stunden unterwegs“, so Ziller.
Dass sich die Landesapothekerkammer in Baden-Württemberg quer stellt und ihren Mitgliedern die Schließung der Betriebe am Protesttag verbietet, versteht Ziller nicht. „Je nachdem, wie Weihnachten fällt, sind die Apotheken auch mal drei Tage am Stück geschlossen. Das geht auch, man muss sich eben darauf einstellen“, erklärt sie. „Das sind Argumente, die keine sind“, so Ziller.
Eine Inhaberin aus Rheinland-Pfalz ist dagegen Feuer und Flamme für den Protesttag. „Natürlich bringt der etwas! Das ist unsere letzte Chance, bevor wir mit den Krankenkassen verhandeln müssen. So nah waren wir der Sache noch nie.“ Sie appelliert an Kolleginnen und Kollegen, ebenfalls an den Kundgebungen teilzunehmen. „Wenn wir das jetzt schaffen, sind wir wieder im Rennen.“
Deshalb macht sie sich die Mühe und ruft die Kolleginnen und Kollegen in ihrem Umkreis an. „Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass alle dabei sind. Natürlich haben sie viel zu tun, aber wenn man über die Wichtigkeit spricht, dann ist die Meinung klar, dass protestiert wird.“
Auch die Kritik an der Abda kann sie verstehen, betont aber, dass man dem Aufruf deshalb erst recht folgen müsse. „Natürlich wären zwei Tage Schließung besser, aber das kann ja noch kommen.“ Wenn die Inhaberinnen und Inhaber jetzt nicht mitmachten und protestierten, sei dies für die Abda ein Zeichen, keine Aktionen mehr zu planen. „Insgesamt ist meiner Erfahrung nach die Zahl der Protestverweigerer sehr klein.“