Abda-Präsident Thomas Preis geht mit einer klaren Erwartungshaltung in den Protesttag: „Wie bei den anderen Protesttagen werden wir sehen, dass die Kollegen alle mitziehen werden“, sagte er bei der APOTHEKENTOUR in Köln. Für Relativierung ist aus seiner Sicht kein Platz: Die kommenden Wochen seien entscheidend für die Lage der Apotheken.
„Wir gehen von einer großen Protestbewegung aus – in den vier Städten, aber auch vor Ort“, sagte Preis. Die Kommunikation habe gerade erst begonnen, er rechne aber mit einer breiten Beteiligung. In einigen Städten hätten sich bereits alle Apotheken zu gemeinsamen Aktionen zusammengeschlossen, am liebsten wäre ihm, wenn sich daraus eine kleine Competition entwickeln würde.
Es sei extrem wichtig, am 23. März ein sichtbares Signal zu setzen. Dazu gehörten die Kundgebungen an den vier Orten, aber auch dass die Apotheken geschlossen sind. „Die nächsten Wochen ist Crunchtime, wir sind in den entscheidenden Wochen“. Er gehe von einer breiten Unterstützung aus, „denn wer jetzt beim Protest nicht mitmacht, der tut nichts für sichere Arbeitsplätze in Apotheke.“ Einfluss nehmen könne jeder – und das jeden Tag.
„Wir müssen laut werden“, sagte er und forderte auch die Mitarbeitenden auf, ihre Abgeordneten anzuschreiben: „Berichten Sie über die Sorgen, die Sie haben. Schreiben Sie als Inhaberinnen und Inhaber über Ihre seit Jahren sinkenden Betriebsergebnisse und über die Situation der Arbeitsplätze in den Apotheken. Schreiben Sie als Angestellte, wie zäh die Gehaltsverhandlungen angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Apotheken sind. Beschweren Sie sich darüber, wie schlecht die Tarifentwicklung in den Apotheken im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ist. Das beeindruckt die Politiker sehr.“
Sebastian Berges von der TGL Nordrhein pflichtete bei: Er schließe mit beiden Apotheken, seine Mitarbeitenden machten mit, denn alle hätten begriffen, worum es hier gehe: „Den Erhalt der Apotheke, den Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes und am Ende den Erhalt der Daseinsvorsorge für den Menschen im Land.“ Über alle Berufsgruppen hinweg gebe es eine extrem hohe Bereitschaft.
Bei der letzten Tarifrunde hätten die Apotheken das Portemonnaie noch einmal weit aufgemacht – entgegen den eigenen Betriebsergebnissen. Hintergrund sei der Rückfall des Kassenabschlags gewesen, man habe noch einen „Schluck obendrauf“ spendiert. „Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass sich die Betriebsergebnisse seit 10 bis 15 Jahren halbiert haben und weiter sinken. Die Grenze des Zumutbaren ist mehr als erreicht. Wir brauchen dringendst eine Honorarerhöhung, um unseren Mitarbeitenden zumindest ansatzweise ihre Leistungen bezahlen zu können.“
Von Wertschätzung zu sprechen, sei eine Fehlinterpretation des Themas: „Die Wertschätzung ist grenzenlos. Hier geht es um Personalmangel – auch weil Mitarbeitende in besser bezahlte Branchen abwandern.“
Die 9,50 Euro seien nicht mehr als ein „Almosen“. Bereits vor drei Jahren habe man ausgrechnet, dass man eigentlich 12 Euro brauche. Alleine wegen der Inflation müssten im Grunde noch einmal 10 Prozent obendrauf gelegt werden. Die Kosten seien in den vergangenen zehn Jahren um 67 Prozent gestiegen. „Wir brauchen viel mehr, um die Apotheken zu sichern, die Arbeitsplätze zu sichern und die steigenden Kosten der Mitarbeitenden zu refinanzieren. Ein Inflationsausgleich für sie ist das Mindeste.“
Auch er findet, dass jeder Mitarbeitende aktiv werden und die Probleme der Apotheken in seinem Mikrokosmos von Bekannten und Familie ansprechen muss. „Das sind wir nicht gewohnt, wir haben ja eher ein Helfersyndrom. Aber wir müssen jetzt für uns selbst kämpfen.“
Preis wiederholte, dass die Ministerin die Erhöhung des Fixums zugesagt habe. „Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln. Leider gibt es noch viele Politiker, die dagegenreden und ihr das Leben schwer machen.“ Die 9,50 Euro seien nur ein geringer Ausgleich dafür, was den Apotheken in den vergangenen Jahren vorenthalten wurde, und nur eine kleine Unterstützung, um den Angestellten bei den anstehenden Tarifverhandlungen überhaupt neue Angebote machen zu können.
Das Geld aus dem Topf für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) zu nehmen, lehnte Preis abermals ab: Diesbezüglich werde ja noch nicht einmal eine saubere Diskussion geführt, bislang sei es nicht mehr als eine Wünschesammlung. „Juristisch ist das ja gar nicht möglich, man bräuchte ein Gesetz, um das Geld umzuwidmen. Da sehe ich gar keine Tendenzen.“
Die Ministerin habe das Thema Erhöhung auch nie damit verknüpft. „Warum sollten wir als Apothekerschaft jetzt freiwillig sagen: Dann nehmt ihn doch?“ Direkt abrechnen wolle man auch nicht: „Das führt zu noch mehr Bürokratie und Retaxationen.“ Man habe die Vergütungsregelung ja sogar gekündigt, weil das Angebot besser honoriert werden müsse. Auch Berges sprach von einem komplett falschen Ansatz: „Das wäre bestenfalls ein Einmaleffekt, während man doch pDL nach vorne bringen will.“
Laut Preis sind die kommenden Wochen entscheidend: Am 30. März werde man genau hinschauen müssen, was die Finanzkommission präsentiere. Angeblich sollen ja alle Bereiche betroffen sein, Warken habe aber bereits zugesagt, dass die Erhöhung des Fixums eingepreist werden soll. In der ersten Maiwoche sei die Apothekenreform voraussichtlich abschließend im Bundesrat. „Spätestens dann wissen wir, was kommt. Wir werden sehr wachsam sein.“
Denn im Gesetz seien noch einige Dinge, die zu korrigieren seien. Mit Zweigapotheken werde die Tür geöffnet für ein „Hilfsapothekensystem“. Hier werden wir noch erheblich mit der Politik sprechen müssen, denn wenn das käme, würde es sich wohl auch durchsetzen – einfach weil es wirtschaftlicher sei, auf diese Weise eine Apotheke zu betreiben. Aber Verlierer wären die Patienten – und die Resilienz des Systems.
Genauso sei es bei der Apotheke ohne Labor: „Wie kann man so eine Entscheidung treffen drei Jahre nach Corona, wo die Apotheken mit ihren Laboren die Situation gerettet haben. Man kann doch in diesen Zeiten die Apotheke nicht abrüsten! Das ist ein grober politischer Schnitzer.“
Beim Thema PTA-Vertretung sei wohl auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) selbst nicht mehr überzeugt, schließlich sei die Regelung ziemlich eingeschränkt. Für ihn entscheidend sei die Stellungnahme des BVpta, nun gelte es herauszufinden, wie eine gemeinsame Position aussehen könnte. Klar sei, dass man in Richtung Weiterentwicklung des Berufsstands wolle, denn da sei zu wenig gemacht worden, auch von der Apothekerschaft. Allerdings könnten auch nicht alle Kammern entsprechende Angebote für PTA machen, hier werde man mit der Politik sprechen, damit die Richtlinien so angeglichen würden, dass alle Kammern beispielsweise Weiterbildungen anbieten können.
Eine Mitgliedschaft würde laut Preis nicht funktionieren, das sehe man in NRW am Beispiel der Pflegekammer: Die allermeisten Pflegekräfte wollten gar nicht bezahlen.
Weiterbildung für PTA brauche man auch wegen der neuen Aufgaben für die Apotheken, so Berges. „Warum soll die PTA nicht auch impfen dürfen oder in Teilbereichen eine gewisse Verantwortung und Kompetenz übernehmen?“