Mit dem gestrigen Protesttag haben die Apotheken ordentlich Wirbel gemacht – allerdings dürfe man sich darauf nicht ausruhen, betonte Abda-Präsident Thomas Preis bei APOTHEKE LIVE. Und auch nach einer umgesetzten Fixumserhöhung gebe es weitere Baustellen.
Der gestrige Protesttag sei ein voller Erfolg gewesen, erklärte Preis. „Über 25.000 protestierende Apothekenleiter, PTA, die Teams – das, was wir wollten als Berufsstand, ist gelungen, wir haben zusammengestanden und haben klares Signal gesetzt und der Ministerin den Rücken gestärkt, damit sie das umsetzt was sie angekündigt hat – nämlich die Erhöhung des Fixums“, erklärte Preis. Auch die Kunden hätten großes Verständnis für die Schließungen gezeigt. Das sehe man auch an der „riesigen Unterschriftensammlung“ bei der Petition mit mittlerweile über 100.000 Unterschriften. „Das ist Konsequenz aus der Berichterstattung in den Medien, die war rundum da bei den Bürgerinnen und Bürgern, die die Apotheke brauchen.“
Die Proteste seien wichtig, die Apothekerschaft sei sogar vom parlamentarischen Staatssekretär Dr. Georg Kippels dazu aufgefordert worden, laut zu sein – allerdings seien sie nur ein „Mosaiksteinchen“. Bereits vor dem gestrigen Protesttag habe man schon viel geleistet, insbesondere in den einzelnen Landesverbänden und Kammern. Trotz des erfolgreichen Protesttages dürfe man „jetzt nicht lockerlassen“, mahnte Preis. Man müsse insbesondere den Kassen ganz klar etwas entgegensetzen. „Wir müssen den Druck weiter hochhalten.“
Im Hinblick auf die Kostenrechnung der Kassen, das die Apothekenvergütung um 23 Prozent gestiegen sei aufgrund erhöter Arzneimittelpreise und mehr abgegebenen Packungen, sprach Preis von einer „Milchmädchenrechnung“: Jede abgegebene Packung erfordere Fachkräfte in der Apotheke, die bezahlt werden müssten. Die Apotheken hätten mehr Leistungen erbracht, dafür brauche es das nötige Personal. Es gehe darum, was man pro Packung erhalte; dieser Betrag sei in den vergangenen 13 Jahren nicht angestiegen – nur im Bezug auf die 3 Prozent, die notwendig seien. Im selben Zeitraum seien die Einnahmen der Kassen dagegen um stolze 75 Prozent gestiegen. Diese 75 Prozent seien überall verteilt worden – nur nicht an die Apotheken, kritisierte Preis. Die Rechnungen der Krankenkassen seien „irreführende Darstellung“, der man nicht auf den Leim gehen dürfe. „Und die Politik gehet dem erst recht nicht auf den Leim“, so Preis.
Außerdem seien die 160.000 Euro im Jahr ein Durchschnitt; bei 30 Prozent der Apotheken sei der Gewinn höchstens so hoch wie der eines angestellten Apothekers, kritisierte er. Von der genannten Summe müsse man zudem noch Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, Rente und Urlaub abziehen. Ein Unternehmertum müsse auch entsprechend refinanziert werden. „Gerade die Krankenkassen, die trotz erheblicher Finanzierungsprobleme munter ihre Vorstandsgehälter erhöhen, sollten den Ball wirklich flach halten“, kritisiert Preis.
Ziel für die Apothekerschaft sei jetzt neben dem Honorar insbesondere eine sichere Verhandlungslösung. „Ziel ist jetzt, fair verhandeln zu können und steigende Kosten auch abbilden zu können in den Honoraren. Das machen Ärzte und Krankenhäuser auch – und dieses Recht muss uns jetzt auch zugestanden werden“, betonte Preis. Auch die Aufhebung des Skonti-Verbots und die angekündigten Temperaturkontrollen im Versand müssten dringend umgesetzt werden. Das sei schließlich an erster Stelle Verbraucherschutz, so Preis.
Außerdem sieht der Abda-Präsident im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), das sich aktuell im parlamentarischen Verfahren befindet, noch dringenden Nachbesserungsbedarf: Der Gesetzgebungsteil zur PTA-Vertretung müsse gestrichen werden: „Da müssen wir uns jetzt noch mal erheblich einbringen“, betonte Preis. Die Fraktionen wollten Änderungsanträge einbringen, die Zeit dränge, da die 2./3. Lesung bereits für die Zeit nach nach Ostern angedacht sei. Dennoch müsse es natürlich Weiterentwicklungsmöglichkeiten für den PTA-Beruf geben, betonte er. Außerdem dürfe es keine Zweigapotheken oder Filialapotheken ohne Labor geben. „Wir dürfen uns hier nicht schwächen lassen.“
Auf Nachfrage nach den nächsten Schritten erklärte Preis: „Bisher ist die Ministerin voll auf Kurs.“ Man werde sie in diesem Kurs bestärken. Er appellierte an die Apothekerschaft, auch selber aktiv zu werden und Abgeordnete sowie Ausschussmitglieder anzuschreiben. „Wir sind eine Demokratie, wir müssen uns jetzt einbringen und werden die Ergebnisse unterm Strich schon in wenigen Wochen sehen“, so Preis.
Die Ärzteschaft hatte heute Morgen mit Blick auf die drohenden Sparmaßnahmen erklärt, dass Kürzungen unweigerlich zu weniger Terminen für die Patienten führen würden. Preis sieht darin noch mal ein ganz klares Signal, wie wichtig die Apotheken für die Bevölkerung sind. „Ich mache mir doch Sorgen, dass die Patienten gar nicht mehr rechtzeitig ihre die Verschreibung bekommen – ich mache mir Sorgen um die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger. Daher ist es auch gut, dass die Apotheken zusätzliche Leistungen erbringen sollen im ApoVWG.“ Es sei wichtig, dass die Menschen mehr Zugänge bekommen.
Auch wenn die Anpassung des Fixums umgesetzt wird, seien die Baustellen damit nicht behoben. Preis ist klar, worum es beim nächsten großen Kampf der Standesvertretung gehen wird: Die Abschaffung des Versandhandels aus dem Ausland, der sich nicht an die Gesetze in Deutschland hält, erklärte er auf Nachfrage.