Phagro

Großhändler beklagen Spannenverfall

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Berlin -

Während die Apotheker mit ihrer Forderung nach einer Verbesserung ihres Honorars bei der Politik bislang nicht durchdringen, treten jetzt die Großhändler vor. Ihr Verband Phagro legt erstmals Zahlen vor – und beklagt einen „dramatischen Spannenverfall“. Der Gang zur Politik mit entsprechenden Forderungen dürfte der nächste logische Schritt sein.

Von der Umstellung auf eine preisunabhängige Packungspauschale im Jahr 2012 hatten sich die Großhändler eine Verbesserung ihrer Marge versprochen: Billige Schnelldreher aus dem Generikamarkt sollten die Gewinne bringen, die Stückzahl zur neuen Währung werden. Doch drei Jahre nach der Honorarumstellung herrscht beim Phagro Ernüchterung.

Die Honorarumstellung war im Prinzip vom Phagro so gewünscht – wenngleich natürlich mit anderen Zahlen. Rosinenpickerei im Arzneimittelvertrieb sollte damit eingeschränkt, der Direktvertrieb der Hersteller klein gehalten werden. Im Prinzip war der Wechsel von einer preisdegressiven prozentualen Spanne auf ein Fixhonorar eine Wette auf sinkende Arzneimittelpreise.

Doch diese Wette ging nicht auf: „Die ursprüngliche Annahme des Gesetzgebers, dass durch eine Stärkung des Generikamarktes die Anzahl abzugebender Packungen zunehme, was mit einem Preisverfall einhergehen sollte, hat sich nicht bewahrheitet“, so der Phagro. Im Gegenteil habe es eine unerwartete und nie da gewesene Zunahme der Abgabe von hochpreisigen Arzneimitteln gegeben. Mit fatalen Auswirkungen auf die Spanne der Großhändler.

Laut Phagro lag die Spanne der Großhändler bei Rx-Medikamenten im vergangenen Jahr daher im Mittel bei 4,67 Prozent. Dieser Wert sei weit entfernt von dem im GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) ursprünglich geplanten Wert von 6,32 Prozent, moniert der Verband und verweist auf eine Auswertung des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH). Demnach liegt die Ursache im System der Spannenberechnung.

Der Umsatz von Arzneimitteln mit einem Preis zwischen 1200 und 4000 Euro stieg laut Phagro 2014 um 25 Prozent, der Absatz um 19 Prozent. Im Preissegment über 4000 Euro sei der Umsatz sogar um mehr als 36 Prozent gestiegen, der Absatz um 16 Prozent.

Der Phagro verweist auf den Umstand, dass die Marge ab einem Abgabepreis von 1200 Euro gesetzlich gekappt ist – auf eben jene 37,80 Euro. Selbst für extrem teure Arzneimittel sei der Aufschlag auf diesem Niveau gedeckelt. Für ein Arzneimittel mit einem Preis von 5000 Euro betrage die eigene Marge gerade noch 0,77 Prozent, beklagen die Großhändler. Als Beispiel wird das neue Hepatitis C-Präparat Sovaldi (Sofosbuvir) der Firma Gilead genannt. Eine Monatspackung koste etwa 20.000 Euro – und die Therapie dauere einige Monate.

Wie die Apotheken hängen auch die Großhändler am Rx-Geschäft: Nahezu 82 Prozent des Umsatzes kommen aus dem rezeptpflichtigen Bereich. „Damit wird klar, dass ein derart hoher Spannenverfall eine wirtschaftliche Belastung darstellt, die durch Rationalisierungen und Kosteneinsparungen nicht aufzufangen ist“, so der Phagro. Jetzt geht im Verband die Angst um: „Die über 16.000 Beschäftigten im pharmazeutischen Großhandel empfinden eine spürbare Nervosität.“

Mit dem AMNOG wurde die Vergütung des Großhandels auf ein Kombimodell nach dem Vorbild der Apotheken umgestellt. Seit 2012 erhalten die Großhändler 70 Cent für jedes ausgelieferte verschreibungspflichtige Arzneimittel sowie eine prozentuale Spanne von 3,15 Prozent des Herstellerabgabepreises. Diese ist allerdings bei 37,80 Euro gedeckelt. Damit sind besonders hochpreisige Arzneimittel für den Großhandel unattraktiv geworden.

Im Phagro sind die Großhändler Phoenix, Gehe, Alliance Healthcare, die beiden Genossenschaften Noweda und Sanacorp sowie die privaten Großhändler um Pharma Privat zusammengeschlossen. Die Branche erwirtschaftete im Jahr 2014 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 28,5 Milliarden Euro.

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