Apothekerproteste

„Nur Anzeigen hätten nicht ausgereicht“

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Berlin -

Der Protest gegen die Blockadehaltung der Krankenkassen hält an: Nach den Warnstreiks in Brandenburg und Thüringen haben gestern 25 Apotheken in Sachsen-Anhalt protestiert. Ab 12 Uhr wurden Medikamente nur über die Notdienstklappe abgegeben. Die Apotheker waren insgesamt sehr zufrieden mit der Aktion.

„Nur Anzeigen in den Medien hätten nicht ausgereicht“, sagt Dr. Sigrid Sänze aus der Apotheke am Stadtsee in Stendal. Es sei wichtig, den Patienten die Situation im direkten Gespräch zu erklären.

Wie bereits ihre Kollegen in Brandenburg und Thüringen machten auch Apotheker in Sachsen-Anhalt positive Erfahrungen mit den Kunden-Gesprächen. Es habe sehr viel Verständnis gegeben. Die Patienten kennen Sänze zufolge die Rabattverträge und sehen ein, dass der Mehraufwand honoriert werden sollte.

Es gab jedoch auch Kritik an der kurzfristigen Ankündigung durch den Apothekerverband. „Es wäre besser gewesen, wenn die Aktion einige Tage früher angekündigt worden wäre“, sagt Sänze. Erst Montagabend sei die Entscheidung getroffen worden, dass alle neun Stendaler Apotheken für einige Stunden nur eine Notversorgung anbieten. Man habe die Patienten deshalb nicht schon früher über die Aktion informieren können, so Sänze.

Insgesamt gebe es unter den Apothekern in Sachsen-Anhalt wenig Konsens zu Protestmaßnahmen, kritisiert Sänze. Einige hätten Angst, die Konkurrenz mache nicht mit, anderen ginge die Aktion des Apothekerverbandes nicht weit genug. Beide Einwände findet Sänze falsch und als zu kurzfristig gedacht. „Wir wollen auch an weiteren Aktionen teilnehmen“, sagt Sänze.

Im Landkreis und der Stadt Sangerhausen nahmen insgesamt 16 Apotheken an dem Protest teil. Auch hier ermunterten die Kunden die Apotheker: „Wir sollen uns ruhig mal gegen die Krankenkassen durchsetzen, haben uns die Patienten gesagt“, sagt Grit Enke, Inhaberin der Bären-Apotheke.

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