„Das Letzte, was wir brauchen“

Kritik an Kontrolle der Fortbildungspflicht

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Berlin -

Apotheker:innen sind verpflichtet, sich fortzubilden. Aktuell kontrollieren die allermeisten Kammern dies allerdings nicht. Eine Ausnahme bildet die Kammer Mecklenburg-Vorpommern, die jährlich die Fortbildungen prüft und Verstöße sanktioniert. Der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Dr. Armin Hoffmann, kündigte nun an, dass die bundesweite Durchsetzung der Fortbildungspflicht bald kommen werde – zum Ärger vieler Apotheker:innen. „Das Letzte, was wir in der aktuellen, desolaten Lage brauchen, sind verpflichtende Fortbildungen“, sagt die Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Hessen (LAK), Dr. Schamim Eckert.

Geht es nach der Abda, ist die Haltung zu Fortbildungen klar: „Die während der Ausbildung erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten reichen nicht aus, um in einem durchschnittlich dreißig- bis vierzigjährigen Berufsleben bestehen zu können.“ Es bedürfe der ständigen Auffrischung und Anpassung des Wissens an die laufende Entwicklung. Dies sei Aufgabe der Fortbildung, die eine grundsätzliche ethische Verpflichtung aller Heilberufe, somit auch der Apotheker:innen sei.

Der Vorstoß, die Fortbildungen strenger zu kontrollieren, stößt bei vielen Inhaber:innen auf Kritik: In einer Zeit, in der es ohnehin schon an allen Ecken und Enden brenne, brauche es nicht noch zusätzliche Reglementierungen, findet Eckert. Als Kammervize habe sie zu diesen Plänen kein offizielles Papier erhalten. Aus demokratischer Sicht müsste dies vorher kommuniziert und über die Delegierten der 17 Kammern diskutiert und abgestimmt werden, kritisiert sie. „Ich habe dazu noch nichts gehört und jetzt steht es kurz vor der Umsetzung?“ Auch andere Inhaber fordern einen Protest und rufen Kolleg:innen dazu auf, ihre Meinung dazu der Kammer mitzuteilen.

Fortbildung gehört zum Selbstverständnis

„Fortbildung ist berufsimmanent. Sie gehört seit jeher zum Selbstverständnis unseres Berufsstandes. Die gelebte Freiwilligkeit der letzten 75 Jahre hat der Qualität und Sicherheit der Arzneimittelversorgung nicht geschadet – im Gegenteil: Sie war Grundlage für eine hochqualifizierte, flächendeckende Versorgung in Deutschland“, betont Eckert.

Bevor über Zwangsmaßnahmen nachgedacht werden dürfe, die viele Kolleg:innen ein weiteres Mal in ihrem Berufsethos verletzten, sei zunächst zu evaluieren, wie viele Apotheker sich diesem Ethos tatsächlich entziehen würden – und wo dafür belastbare Nachweise vorlägen. „Pauschales Misstrauen gegenüber einem ganzen Berufsstand ist weder sachlich begründbar noch verhältnismäßig.“ Validierte Daten seien nötig, die Mecklenburg-Vorpommern sicher liefern könne.

Wichtige Themen der Apotheken

Eckert skizziert ihrer Meinung nach wichtige aktuelle Baustellen: Das Rx-Versandverbot bleibe aus, während Online-Versender aus dem europäischen Ausland den inländischen Markt systematisch verdrängten. Zudem sei das Apothekenhonorar seit 22 Jahren faktisch eingefroren. Auch das Impfhonorar sei zum letzten Winter gekürzt worden.

Die Bürokratie wachse unterdessen unaufhörlich, was Zeit und Personal binde – Ressourcen, die aufgrund des Fachkräftemangels ohnehin schwer zu finden seien. Die PTA-Ausbildung sei aufgrund der bundesweit wenigen Schulen und der fehlenden Ausbildungsvergütung unattraktiv. Die Ausbildung sei nicht dual organisiert, weshalb viele Auszubildende auf Kredite oder private Unterstützung angewiesen seien. Zudem sinke die Zahl der Pharmaziestudierenden. Darüber hinaus beschäftigten sich die Apothekenteams bereits seit 18 Jahren mit Rabattverträgen, „ohne jede Vergütung – auf eigene Kosten“.

Gleichzeitig müssten dringend Honorare verhandelt, Curricula für PTA-Weiterbildungen entwickelt sowie neue pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) konzipiert, beschrieben und bepreist werden – und das zusätzlich zum Tagesgeschäft und unter massivem Personalmangel.

„Bevor weitere eigene Reglementierungen geschaffen werden, fordern wir nachdrücklich, zunächst die bestehenden strukturellen Probleme zu lösen“, so Eckert. Ebenso müsse der tatsächliche Nutzen solcher Maßnahmen für die Versorgung vor Ort vorab evaluiert werden. Jede zusätzliche Verpflichtung koste Zeit, Geld und Personal – Ressourcen, die in der aktuellen Versorgungslage schlicht nicht mehr vorhanden seien.

„Und schließlich stellt sich eine zentrale Frage: Wer trägt die Kosten für diesen massiv aufgeblähten Apparat – und welchen nachgewiesenen Mehrwert hat er für die Versorgung vor Ort?“, fragt Eckert.

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