Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln droht zu kollabieren. Das stellte Daniela Hänel, Inhaberin der Linda Apotheke in Nordvorstadt in Zwickau und Vorsitzende der Freien Apothekerschaft (FA), in einer Fragerunde der MDR-Talksendung „Fakt ist!“ klar. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage gebe es kaum noch Nachwuchs. Unter anderem fragte sie nach einer Apothekerquote in Sachsen und zur Zustimmung zum geplanten Apothekenreformgesetz im Bundesrat.
Die Talkshow „Fakt ist!“ beschäftigt sich mit aktuellen politischen Themen. Interessierte haben die Möglichkeit, in der Bürgerarena dringende Fragen an politische Entscheidungsträger:innen loszuwerden. Auch Hänel nutzte diese Chance und richtete jeweils eine Frage an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sowie an Sozial- und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD).
Zunächst stellte Hänel in einer kurzen Einleitung klar, dass man sehenden Auges in einen Kollaps der Gesundheitsversorgung steuere. „Es gibt keinen Nachwuchs, der sich das antut aufgrund der wirtschaftlichen Lage.“ Für die Patienten bedeute das, dass sie Wege von 29 Kilometern auf sich nehmen müssten, um die nächste Notdienstapotheke zu erreichen. Ihre erste Frage richtete sie an die Ministerin: „Warum gibt es in Sachsen keine Apothekerquote, vergleichbar mit der Landarztquote?“ Sie bezog sich dabei auf junge Menschen, die nach dem Pharmaziestudium zu einer Existenzgründung mit einer Apotheke verpflichtet werden.
Die zweite Frage richtete sie eigentlich an Kretschmer: „Werden Sie im Bundesrat dem geplanten Apothekenreformgesetz Ihre Zustimmung verweigern, solange es keine echte und inflationsgerechte Honoraranpassung gibt, so dass die flächendeckende Versorgung mit Arzneimittel geleistet werden kann?“ Es gehe auch um die Sicherung von den vielen tausend Frauenarbeitsplätzen allein in Sachsen.
Köpping beantwortet die an Kretschmer gerichtete Frage und stellt sofort klar: „Wir werden dem so nicht zustimmen. Ich sage das ganz deutlich. Wir haben mehrere Änderungsvorschläge vorgelegt“, betonte sie und erwähnte die enge Zusammenarbeit mit Apothekerkammer und -verband. „Wir haben mit allen einen ganz kurzen Draht.“
Würden die Änderungsvorschläge nicht eingebracht, dann gehe es wieder in einen Vermittlungsausschuss. „Das ist der Weg“, so Köpping. „So wie es jetzt ist, werden wir nicht zustimmen.“ Man wolle die Apotheke vor Ort. „Wir wollen nicht, dass da ein Automat steht und Medikamente ausgibt“, so Köpping. „Wir wollen auf Ihre wertvolle Beratung und auf das, was sie da machen, zurückgreifen.“ Deswegen setze man sich dafür ein.
Zur Apothekerlandquote sagt Köpping: „Das ist ein bisschen anders als bei den Ärzten. Da gibt es eine gesetzliche Vorgabe der Versorgung.“ Diese habe man bei den Apothekern in der Form nicht. „Trotzdem sind wir mit der Apothekerkammer in Verbindung, was wir tun können, um die Apothekerausbildung in Sachsen zu erhöhen.“ Gesetzlich sei es aktuell nicht möglich, solch eine Quote einzuführen. Aber: „Wir wollen es aber in Berlin mit einbringen“, so Köpping.
In Sachsen habe man noch etwa 800 Apotheken. „Es waren mal tausend“, so Köpping. Sie betonte, dass es zu DDR-Zeiten einmal 400 waren. „Um auch mal die Relation ein Stück weit zu zeigen.“ Man wolle gerne, dass die Möglichkeit geschaffen werde, wenn es die Notwendigkeit gebe, so Köpping weiter zur Quote. Bei der Landarztquote sei man schließlich das erste Bundesland in Deutschland gewesen, welches dies durchsetzte. „Es ist gut, dass wir da ein Stück vor die Zeit gekommen sind und nicht dem Problem hinterherrennen.“ Zum Schluss bedankt sie sich bei Hänel für die „tolle“ Arbeit.
Hänel ärgert sich über die Bemerkung zu den 400 Apotheken in DDR-Zeiten. „Ich konnte an der Stelle leider nicht noch einmal einhaken, aber man kann doch nicht damalige Zeiten als Vergleich zur heutigen heranziehen. Was soll denn das im Endeffekt heißen? Das uns 400 Apotheken auch noch reichen?“ Die Situation sei damals eine völlig andere gewesen als heute. „Die Bevölkerung hat sich vergrößert, wird älter und jetzt gibt es viel mehr Aufgaben“, stellt sie klar. Eine davon sei die überbordende Bürokratie, die sehr viel Zeit in Anspruch nehme. „Das ist nur ein Beispiel von vielen. Man kann das nicht vergleichen“, so Hänel. Sie ist mit der Antwort von Köpping trotz der Zusage nicht zufrieden.