KBV

Ausschuss soll Gassen kontrollieren

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Berlin -

Nach den Querelen beim Ärztetag soll bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) endlich Ruhe einkehren. Doch bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) ist der Unmut über den KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Gassen weiter groß. Sie wollen ihn künftig stärker kontrollieren.

Die sechs Vorstände der Freien Allianz der Länder-KVen (FALK) wollen „zurück zur Sacharbeit“. Allerdings müsse Gassen verlorenes Vertrauen wiederherstellen. Dies gehe nur mit einem neuen Kommunikationsstil nach innen und außen – weitere KVen sähen dies ähnlich.

FALK verlangt zwar nicht weiter Gassens Rücktritt. Allerdings will die Gruppe künftige Alleingänge des KBV-Vorsitzenden verhindern. So soll ein beratender Ausschuss der Länder-KVen eingerichtet werden, der den KBV-Vorstand „in allen strategischen und operativen Fragen“ berät.

In einem offenen Brief hatten rund 50 Ärzteverbände gefordert, „endlich“ zur Sacharbeit zurückzukehren „und diffamierende und persönlich beleidigende Äußerungen“ gegenüber Gassen einzustellen. Die Querelen beschädigten nicht nur den Vorstandsvorsitzenden, sondern auch die KBV. Damit werde ihr Einfluss gegenüber Politik und Kassen geschwächt. Der Eindruck in der Öffentlichkeit ist aus Sicht vieler Berufsverbände „verheerend“.

FALK bleibt dabei, dass Gassen mit seinem Alleingang zur ambulanten spezialärztlichen Versorgung (ASV) den Interessen der Kassenärzte geschadet hat. Gassen habe durch sein Schreiben an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) einer weiteren Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung Vorschub geleistet. Unter anderem durch die starke Rolle der Krankenhäuser bei der ASV im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz sei die Existenz der niedergelassenen Fachärzte in Gefahr.

Gassen hatte bei der Vertreterversammlung im Mai an seine Kollegen appelliert, in der gemeinsamen Honorar-Strategie die Patientenversorgung in den Mittelpunkt zu stellen. „Wenn es uns nicht gelingt, hier zu überzeugen, brauchen wir keine Interessenvertretung der Ärzte mehr.“

Die Patientenversorgung in Deutschland sieht er insgesamt positiv. Studien belegten, dass in keinem anderen Land die Wartezeiten so kurz seien. Dennoch sei die medizinische Versorgung hierzulande verbesserungswürdig ist – etwa im Bereich Geriatrie, Pflege und Psychotherapie. Gassen will mit der KBV künftig stärker auf Versorgungslücken hinweisen.

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