Einigkeit unter Kollegen

Gemeinsam Druck machen: „In Köln ein Kinderspiel“

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Berlin -

Während mancherorts große Einigkeit zum Protest herrscht, scheint anderenorts die Lage entweder noch lange nicht geklärt oder der Großteil der Inhaber:innen beteiligt sich sogar ausdrücklich nicht an den Schließungen. Anders in Köln: Hier werden nahezu alle Apotheken am Montag schließen und auch viele Teams nach Düsseldorf zur Demo fahren, freut sich Inhaber Dirk Vongehr. In Meerbusch nahe Düsseldorf werden ebenfalls alle Apotheken schließen. Die Solidarität der Inhaber:innen soll ein starkes Zeichen an Kolleginnen und Kollegen sein, sich ebenfalls zu beteiligen. „Schulterschluss und Einigkeit ist möglich“, betont Almuth Berghs, Inhaberin der Mauritius-Apotheke in Meerbusch-Büderich.

Unter den Inhaber:innen bekomme man seit Tagen auch überregional mit, wer Montag mitmacht und wer nicht, so Vongehr. „In Köln war das fast ein Kinderspiel“, freut sich der Inhaber der Paradies-Apotheke. Man habe sich abgesprochen, bei den Kolleg:innen herumtelefoniert und auch im Zweifelsfall noch das letzte bisschen Überzeugungsarbeit geleistet.

„Wenn die Leute nicht angesprochen werden, dann denken sie: ‚Na, wenn die Großen nicht zu machen, mache ich auch nicht zu‘.“ Wenn also die Kolleg:innen zu machen, dann ist auch für die Unentschlossenen die Entscheidung einfacher. „Ich wüsste keine große Apotheke, die auf hat“, so Vongehr. Nur der Kollege im Kölner Hauptbahnhof werde vermutlich aufgrund drohender „Strafen“ aufmachen.

Protestaufsteller vor einer Linda-Apotheke – Apotheke zum Protest geschlossen
Material für den Protest gibt es unter anderem auch von Kooperationen wie Linda.Foto: Dirk Vongehr

Generell sei die Bereitschaft zum Protest aber sehr groß. „Die Kollegen sprechen sich ab.“ Vongehr sieht auch die Kooperationen vorne mit dabei. Linda unterstütze zum Protest mit verschiedenen Aktionen und Material. „Wir sagen auch den Ärzten, dass wir zu haben, damit sie wissen, wer Notdienst hat.“ Zum Glück gebe es auch aus den Praxen Rückhalt, genauso wie von Apothekerkammer als auch Apothekerverband Nordrhein. Und auch die Kund:innen stünden hinter dem Protest. „Es gab noch keine einzige negative Äußerung.“

Bustransfer von Köln nach Düsseldorf

Vom Verband gebe es Unterstützung auch in Form eines Sammelbusses, dieser starte kurz nach 9 Uhr vom Hauptbahnhof. Wie viele Leute zur Demo in Düsseldorf kämen, müsse man sehen. 2023 seien etwa 7000 dabei gewesen, Vongehr hofft für Montag auf eine fünfstellige Zahl. In Sachen geschlossener Apotheken sieht er eine 95-prozentige Beteiligung, „auf jeden Fall alle Linda-Apotheken“.

Hier gibt es auch einen deutlichen Aufruf: „Deshalb rufen wir – auch im Namen des gesamten geschäftsführendes Vorstands des MVDA – alle MVDA- und LINDA-Mitgliedsapotheken zur Teilnahme am bundesweiten Protesttag am 23. Marz 2026 auf. Lassen Sie Ihre Apotheke an diesem Tag geschlossen“, heißt es von der Kooperation an die Mitglieder. Dazu gibt es Vorlagen für die Kommunikation mit den Patient:innen und Ärzt:innen.

Ob der Protest etwas bringe? „Da kann man sicher vortrefflich diskutieren, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist oder man der Frau Warken auf die Füße tritt“, er aber finde den kommenden Protest richtig und wichtig. Seine Apotheke ist bereits mit Plakaten und Flatterband ausgestattet, „sodass es wie eine Baustelle aussieht“.

„Am Montag sind hier alle Apotheken zu.“

Protestplakat
Meerbusch streik gemeinsam: Am 23. März bleiben alle Apotheken geschlossen.Foto: Mauritius-Apotheke Meerbusch

Alle Inhaberinnen und Inhaber in Meerbusch und Umgebung haben sich geeinigt. „Natürlich waren wir nicht sofort alle einer Meinung, aber wir haben beschlossen miteinander zu agieren und solidarisch zu sein“, erklärt Berghs. Heißt konkret: „Am Montag sind hier alle Apotheken zu.“ Dies solle ein starkes zeichen für alle anderen Kolleginnen und kollegen sein, betont sie. „Es ist möglich sich zusammenzuschließen und für etwas einzustehen, das wichtiger dennje ist“, so Berghs.

Für den Protest habe einer der elf Inhaber ein eigenes Plakat entworfen, das ab sofort überall in den Schaufenstern zu sehen sein wird. Darauf wird klar und deutlich die Schließung verkündet, aber auch warum man protestiere. „Wir kämpfen für bessere Rahmenbedingungen und eine faire Vergütung“, so lautet die Kernaussage.

Aber damit nicht genug: „Wir haben so viele Gründe, die klarmachen, warum die Apotheke vor Ort so wichtig ist“, so Berghs. „Weil wir die Versorgung noch am gleichen Tag sichern, weil Notfälle keine Öffnungszeiten kennen, sind wir auch nachts und an Feiertagen erster Ansprechpartner und weil wir Lösungen finden, wenn Medikamente nicht lieferbar sind“, zählt sie einige der Gründe auf.

In einem Video, was noch in Arbeit ist, sollen noch mehr Statements der einzelnen Apotheken in Meerbusch gefilmt werden. „Darin wird beispielsweise gesagt, dass nur wir die Individualrezepturen für die Patienten von jung bis alt herstellen, dass wir uns Zeit für alle Fragen nehmen, auch ohne Termin und dass wir alle Patienten vor Nebenwirkungen schützen und schauen, dass die Medikamente sich vertragen“, so Berghs. Sie betont außerdem, dass in den Apotheken Menschen arbeiten und keine KI. „Weil ein Gespräch manchmal genauso wichtig ist, wie das Medikament selbst!“

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