SPD-Gesundheitssprecher Christos Pantazis outet sich – als Anhänger des Versandhandels genauso wie als empfindliches Pflänzchen, von denen es in der Gesundheitspolitik leider eine ganze Reihe gibt.
Bei einer von DocMorris gesponsorten Veranstaltung hatte Pantazis gestern sinngemäß versichert, dass die SPD bei der Apothekenreform noch Zugeständnisse im Sinne der Versender herausholen wolle. Diese Position ist nicht nur legitim, sondern auch nachvollziehbar: Immerhin spannt sich beim Thema Versandhandel der Bogen von Ulla Schmidt bis hin zu Karl Lauterbach. Und im kollektiven Elefantengedächtnis der Apothekerschaft ist auch die von DocMorris gesponsorte Spargelfahrt des Seeheimer Kreises noch präsent. Bei Wahlumfragen kommen die Sozialdemokraten unter Inhaberinnen und Inhabern schonmal auf 0 Prozent.
So gesehen waren die Einlassungen von Pantazis auf dem DocMorris-Panel nicht sonderlich überraschend, auch wenn die SPD ihre Position diesbezüglich zuletzt weniger offensiv zur Schau getragen hatte. Umso erstaunlicher ist, dass Pantazis davon im Nachgang nichts mehr wissen wollte: Die Darstellung sei „falsch, irreführend und sachlich nicht haltbar“, schrieb er in einer an ausgewählte Medien verschickten Gegendarstellung, in der er mit semantischer Spitzfindigkeit um seine eigenen Aussagen herummanövriert.
Warum plötzlich diese Empfindlichkeit? Haben ihn die klaren Reaktionen vieler Apothekerinnen und Apotheker tatsächlich überrascht? Waren es am Ende doch nur ein paar willfährige Zugeständnisse gegenüber dem Sponsor des Panels ohne jede Verbindlichkeit, wie sie an anderer Stelle auch der Apothekerschaft serviert werden? Eigentlich geschenkt: Im politischen Geschäft trägt man keine Glacéhandschuhe, da muss Pantazis weder den Apothekenteams noch sich selbst etwas vormachen.
Statt zu seiner Position zu stehen, ärgert er sich nun darüber, wie seine Aussagen in der Öffentlichkeit ankommen. Schuld kann in solchen Fällen natürlich nur der Überbringer der Botschaft sein, der entweder seinen Job nicht beherrscht oder eine eigene Agenda hat.
Mit dieser Haltung steht Pantazis leider nicht alleine da: Sein Fraktionskollege Matthias Mieves gehört ebenfalls zu jenen Gestalten, die sich zwar für gute Volksvertreter halten, aber mit medialer Kritik nicht umgehen können oder wollen. Genauso wie das „Enfant terrible“ der Grünen, Paula Piechotta, die zwar ohne jegliche Hemmungen austeilen, aber nicht einstecken kann.
Apropos Grüne: Im Oktober 2007, also mitten in der hitzig geführten Debatte um eine Liberalisierung des Apothekenmarktes, hatte deren damalige gesundheitspolitische Sprecherin Biggi Bender keinen Geringeren als Dr. Fritz Oesterle, CEO des damaligen DocMorris-Mutterkonzerns Celesio, zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Apotheken in den Bundestag eingeladen. Der verstieg sich im Laufe des Nachmittags zu der Behauptung, viele Inhaberinnen und Inhaber überließen ihre Apotheke nachmittags ihren Stellvertretern, um selbst Motorrad zu fahren. Im Nachhinein fühlte auch er sich missverstanden. Und die Gastgeber? Konnten plötzlich den Tonmitschnitt zur Veranstaltung nicht mehr finden.
Dass ein Politiker wie Pantazis sich um Schadenbegrenzung bemüht, ist legitim. Die Medien als Feindbild herzunehmen, sollte man sich als Volksvertreter gut überlegen. Denn das klingt schon fast nach „Lügenpresse“.