Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD, hat gestern bei einer von DocMorris gesponsorten Veranstaltung des Bundesverbands Managed Care (BMC) von einer eingefärbten Apothekenreform gesprochen und klargemacht, dass „gleich lange Spieße“ nicht nur zum Nachteil der Versender gehen dürften. Dr. Schamim Eckert, Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Hessen, wendet sich in einem offenen Brief an den Politiker.
„Als gesundheitspolitischer Sprecher der SPD in Deutschland könnten Sie sich ohne Umschweife und einseitig für die Vor-Ort-Apotheken stark machen“, eröffnet Eckert ihren Brief. Damit würden Arbeits- und Ausbildungsplätze in Deutschland gesichert, Steuereinnahmen erhalten und vor allem die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung geschützt werden.
Doch Pantazis gehe einen anderen Weg und ermögliche stattdessen, dass verschreibungspflichtige Medikamente zunehmend über Verordnungsportale, internationale Versandapotheken und Logistikunternehmen gehandelt werden. „Damit wird eine hochkritische Ware der direkten Verantwortung der deutschen Heilberufe entzogen“, warnt die Apothekerin. „Die persönliche Beratung, die Therapiesicherheit und die schnelle Versorgung vor Ort werden dem reinen Geschäftsmodell geopfert.“
Als deutscher Politiker könnte Pantazis die deutschen Wähler:innen in den Mittelpunkt des Handelns stellen, schließlich würden weder niederländische noch tschechische Mitarbeitende von Versandhändlern zu den Wähler:innen gehören – wohl aber die Patient:innen, Apotheker:innen sowie deren Beschäftigte hierzulande, die die Konsequenzen dieser Politik täglich tragen.
„Sie können sich also entscheiden: Entweder Sie stärken weiterhin niederländische Versandkonzerne, deren Arbeitsplätze und deren Staatshaushalte – oder Sie übernehmen Verantwortung für eine stabile Gesundheitsversorgung und eine angeschlagene deutsche Wirtschaft, die sich seit nunmehr drei Jahren in der Rezession befindet“, so Eckert.
„Als überzeugter Europäer können Sie selbstverständlich die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs respektieren, im Schlussantrag des EuGH wurde in puncto Rx-Versand nationales Recht vor europäischen Binnenmarktinteressen gestellt – zum Schutz der Verbraucher und deren nationaler Solidarsysteme! Europäische Rechtsordnung bedeutet schließlich nicht, dass man nationale Versorgungsstrukturen aktiv schwächt, funktionierende Sicherungssysteme preisgibt und sehenden Auges Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen ins Ausland verlagert.“
Wenn sich Pantazis schon konsequent für ausländische Steuereinnahmen einsetze, wäre es nur folgerichtig, wenn auch sein Gehalt künftig von niederländischen Steuerzahlern finanziert würde.