Neue Vorsorgeleistung

Bild: Warken will Herz-Untersuchung in Apotheken

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Berlin -

Die Apotheken sollen weitere Vorsorgeleistungen übernehmen: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte gegenüber Bild.de, dass sie durchsetzen wolle, dass künftig auch Apotheken Herz-Untersuchungen durchführen. Wenn man sich dafür nicht mal einen Arzttermin besorgen müsse, würden noch viel mehr Menschen ihr Herz untersuchen lassen. Den Hausärzten zufolge bringt der Vorstoß keinen Mehrwert.

Die Früherkennung von Krankheiten für Menschen in Deutschland soll weiter vereinfacht werden. Warken sagte im Interview mit ihrer Kabinettskollegin, Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU): „Wir müssen Dinge, die es schon gibt, breiter ausrollen. Ein Beispiel: Es gibt die 3B – das Messen von Blutdruck, Blutzucker, Blutfett.“ Es sei entscheidend, dass Menschen diese Werte und die Angebote zur Früherkennung kennen würden, um diese auch wirklich wahrzunehmen.

Dafür will Warken in den Apotheken neue Anlaufstellen schaffen. „Wir wollen jetzt die Apotheken noch mehr mit ins Boot nehmen, damit auch künftig dort diese Messungen, Testungen und eine Beratung stattfinden können“, so Warken. Die Vergütung war indes kein Thema.

Hausärzte üben Kritik

Bei der Ärzteschaft kommt die Idee nicht gut an: Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands sagte: „Von diesem Plan halten wir überhaupt nichts! Apotheken kennen sich mit Medikation aus, nicht mit medizinischer Versorgung. Das Geld und den Aufwand kann man sich getrost sparen. Es bringt nichts, einfach nur den Blutzucker oder das Blutfett von Patienten zu messen, ohne dass ein Arzt das Ergebnis in den Gesamtzustand des Patienten einordnet.“

Um einzuschätzen, ob ein Wert alarmierend sei oder nicht, reiche es nicht, nur auf einzelne Daten zu starren, sondern es müssten beispielsweise auch Vorerkrankungen, weitere Blutwerte und vieles mehr berücksichtigt werden. „All das können und werden die Apotheken nicht überblicken. Wenn Apotheken jetzt einfach anlasslos ihre Kunden testen, dann führt das zwar zu vielen neuen Daten, medizinisch haben die Menschen aber keinen Mehrwert. Die Folge wird sein, dass sie massiv verunsichert werden. Das müssen wir Ärzte dann im Gespräch wieder mühsam einordnen.“

Kardiologe unterstützt Warken

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK), Prof. Stefan Blankenberg, befürwortet den Vorstoß der Union: „Jedes Sichtbarmachen von Risikofaktoren für Herzkrankheiten wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- oder Zuckerwerte ist wichtig. Deshalb ist es absolut sinnvoll, niedrigschwellige Angebote wie Kontrollen in Apotheken einzubeziehen. Wir erreichen so viel mehr Patienten, weil niemand lange auf einen Arzttermin warten muss. Die Apotheker können beraten und auf die Dringlichkeit einer Abklärung beim Arzt hinweisen.“

Auch Franziska Scharpf, Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer und Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer kam zu Wort. Sie sagte: „Apotheken können sehr viel für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen tun. Wir begrüßen die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen, die im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz vorgesehen sind.“ Der Vorteil der Apotheken vor Ort sei, dass kompetente pharmazeutische Fachkräfte für jeden und jede zugänglich sind – flächendeckend, niedrigschwellig und schnell erreichbar. Wir können Probleme oft frühzeitig erkennen. Die Apotheken können mit den neuen Dienstleistungen starten, sobald der genaue Leistungsumfang und die Honorierung mit den Krankenkassen vereinbart sind.“

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