Passend zu den Apothekenprotesten heute verweist die Barmer erneut auf ihre Studie, die belegen soll, dass das „Alarmismus“ rund um das Apothekensterben keine Berechtigung habe. Eine pauschale Erhöhung des Fixums sei somit nicht zu rechtfertigen.
„Deutschland ist so gut mit Apotheken versorgt, dass 78 Prozent der Bevölkerung innerhalb einer Wegstrecke von maximal zwei Kilometern eine Apotheke erreichen“, so die klare Meldung der Barmer-Studie, die bereits Anfang des Monats veröffentlich wurde, und auf die heute aufgrund der Proteste erneut verwiesen wird. Im Radius von maximal sechs Kilometern hätten demnach sogar 96 Prozent der Deutschen eine Apotheke, so die Analyse des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg).
„Die Studie legt außerdem nahe, dass die Angst vor Apothekenschließungen unbegründet sei. Bei gut 73 Prozent der Apotheken wäre im Fall einer Schließung die Erreichbarkeit einer anderen Apotheke innerhalb einer Wegstrecke von bis sechs Kilometer gegeben“, heißt es weiter von der Barmer. „Unsere Studie belegt eindrücklich, wie gut die Erreichbarkeit von Apotheken ist. Pauschale politische Fördermaßnahmen für Apotheken auf Kosten der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler sind definitiv nicht zu rechtfertigen“, so Barmer-Chef Christoph Straub.
Dass das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) die Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen für inhabergeführte Apotheken vorsehe, betrachtet die Kasse genau. Sie ist gegen ein Gießkannen-Prinzip. „Mögliche politische Unterstützungsmaßnahmen für Apotheken sollten zielgenau an der lokalen Versorgungssituation ausgerichtet werden“, so Straub mit Blick auf die aktuelle Analyse.
Demnach seien zudem Städte stärker von Apothekenschließungen betroffen als ländliche Regionen: Von 2017 bis 2024 sei die Apothekenzahl im städtischen Bereich laut Analyse um 26,4 Prozent zurückgegangen, im ländlichen „nur“ um 18,8 Prozent. Die Erreichbarkeit von Apotheken bleibe trotzdem „ausgesprochen gut“. „In städtischen Regionen müssten nur 1 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner mehr als sechs Kilometer bis zur nächsten Apotheke zurücklegen, in ländlichen Regionen 11 Prozent“, heißt es abschließend.
Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) unterstreicht ebenfalls noch einmal die Haltung ihres Verbands anlässlich der heutigen Proteste. „Von der geforderten allgemeinen Erhöhung des Packungsfixums pro Arzneimittelpackung von derzeit 8,35 Euro auf 9,50 Euro für alle Apotheken in Deutschland profitieren vor allem Apotheken mit hohen Packungsabgabemengen in Ballungsgebieten und Versandapotheken. Das belastet die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) um circa eine Milliarde Euro jährlich, verschärft die ohnehin angespannte Finanzlage der GKV und hilft umsatzschwachen Apotheken in strukturschwachen Regionen nur wenig“, heißt es.
Eine Stärkung von Apotheken in strukturschwachen Regionen sei hingegen durchaus gerechtfertigt. „Denn diese haben aufgrund schlechterer Standortbedingungen weniger Kundinnen und Kunden und erzielen geringe Abgabemengen beziehungsweise weniger Umsatz als Apotheken in Ballungsgebieten“, so Elsner weiter.
„Zur Wahrheit gehört mit Blick auf die Proteste der Apotheken auch, dass die Apothekenhonorare in den letzten Jahren gestiegen sind. Allein durch den Drei-Prozent-Packungsaufschlag ist das Honorarvolumen in den vergangenen zehn Jahren um 500 Millionen Euro angestiegen. Dieser Trend wird sich durch die hochpreisigen Arzneimittel fortsetzen. Hinzu kommen Vergütungsanstiege durch gesetzliche Neuregelungen wie die zusätzliche Vergütung für pharmazeutische Dienstleistungen, das Impfen in Apotheken oder Botendienste.“
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