Berliner Protest am BMG

23. März: Niedersachsen und Brandenburg geschlossen

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Berlin -

„Am Montag, den 23. März, bleiben die Apotheken in Brandenburg geschlossen.“ Mit diesem Statement zeigt der Apothekerverband Brandenburg (AVB) klare Kante und Geschlossenheit zum Protest am kommenden Montag, genauso wie der Landesapothekerverband Niedersachsen.

Man rechne mit „zahlreichen“ Brandenburger Inhaber:innen und Teams, die nach Berlin fahren „und dort für den Fortbestand der Apotheken protestieren“. Die Versorgung sei durch notdiensthabende Apotheken gesichert. „Der AVB hat die Apotheken im Land Brandenburg aufgefordert, den bundesweiten Apotheken-Protesttag mitzutragen und dafür die Apotheken am 23. März ganztägig zu schließen und sich an der Protest-Kundgebung in Berlin zu beteiligen.“

Zwischenstopp am Bundesgesundheitsministerium

Los geht es in Berlin um 12 Uhr zentral am Potsdamer Platz, vorbei am Bundesgesundheitsministerium (BMG) und weiter zum Platz vor dem Roten Rathaus, wo die Abschlusskundgebung stattfindet. „Unsere Patientinnen und Patienten bitten wir um Verständnis, wenn die Apotheken geschlossen sind. Wir kämpfen mit unserem Protesttag auch dafür, dass Ihre Apotheke um die Ecke erhalten bleibt“, so die AVB-Vorsitzende Andrea König.

„Viele Apotheken in Brandenburg befinden sich in einer existenzbedrohenden Situation, weil sie chronisch unterfinanziert sind“, sagt König. „Seit 13 Jahren wurde das Honorar für die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten nicht mehr angepasst.“

Parallel seien Löhne und Betriebskosten massiv gestiegen. „Diese chronische Unterfinanzierung hat dazu geführt, dass bundesweit fast jede fünfte Apotheke für immer schließen musste. Auch in Brandenburg gehen Jahr für Jahr immer mehr Apotheken für immer verloren. Wir fordern die Bundesregierung auf, ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag endlich einzulösen und die flächendeckende Versorgung durch eine faire Vergütung zu sichern.“

Die Politik müsse jetzt zu ihrer Zusage stehen. „Ohne Wenn und Aber. Sonst wird die Versorgungslage für viele Menschen kritisch.“ Angesichts des demografischen Wandels und der wachsenden Anforderungen an die Krisenresilienz bestehe dringender Handlungsbedarf.

Geschlossenheit auch in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen sollen alle Apotheken geschlossen bleiben. „Am 23. März protestieren wir Apothekerinnen und Apotheker mit unseren Teams in Hannover für den Erhalt der qualitativ hochwertigen Arzneimittelversorgung durch die Apotheken vor Ort“, sagt Dr. Mathias Grau, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des LAV. „Die Apotheken bleiben deshalb geschlossen. Die Akutversorgung wird aber über die notdiensthabenden Apotheken garantiert. Patientinnen und Patientinnen, insbesondere mit chronischen Erkrankungen, sollten dies deshalb besonders im Blick haben und gegebenenfalls zu einem anderen Zeitpunkt ihre Rezepte einlösen.“

Weiter heißt es: „Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag die Erhöhung des Apothekenhonorars versprochen. Mit unserem Protest unterstützen wir unsere Regierung, die Anpassung sofort vorzunehmen. Wir werden es nicht zulassen, dass die Apotheken kaputtgespart werden!“

Protestiert wird gemeinsam ab 13 Uhr auf dem Opernplatz in der hannoverschen Innenstadt.

Lage in Baden-Württemberg

Weiterhin zwiegespalten ist die Lage in Baden-Württemberg. Während der Landesapothekerverband (LAV) zuletzt erklärte, nicht verantworten zu können, „unsere Mitglieder für den Protesttag am 23. März weiterhin zu ganztägigen Schließungen aufzufordern, die (auf der Basis der LAK-Informationen) unrechtmäßig sind“, weist er nun aber noch einmal die Öffentlichkeit darauf hin, dass einige Apotheken im Ländle geschlossen bleiben könnten.

Die Apotheken seien weiterhin zum Protest aufgerufen: „Das kann bedeuten, dass Patientinnen und Patienten nur durch die Notdienstklappe versorgt werden, Schaufenster verhängt sind oder Apotheken mit regional organisierten Aktionen auf ihre wirtschaftlich prekäre Situation aufmerksam machen. Etliche Apothekenteams planen, an der zentralen Kundgebung auf dem Münchner Odeonsplatz gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Bayern teilzunehmen, sodass möglicherweise nicht alle Apotheken geöffnet sind. Der Verband setzt auf eine breite und sichtbare Beteiligung der baden-württembergischen Apotheken an dem Protesttag“, heißt es heute.

„Wir erkennen ausdrücklich an, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken angekündigt hat, die Honoraranpassung schnell auf den Weg bringen zu wollen. Dieses Engagement begrüßen wir. Mit den Protesten am kommenden Montag wollen wir mit vielfältigen Aktionen den notwendigen politischen Rückenwind schaffen und den Bemühungen des Bundesgesundheitsministeriums Nachdruck verleihen“, so LAV-Präsidentin Tatjana Zambo.

Wie auch andere Verbände weist der LAV die Patient:innen darauf hin, „sich angesichts der bevorstehenden Osterferien rechtzeitig vor oder nach dem 23. März mit regelmäßig benötigten Medikamenten zu versorgen“.

Nordrhein informiert über geschlossene Apotheken

Unter dem Motto „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag umsetzen“ beteiligen sich auch die Apotheken in Nordrhein am Protest, informieren Apothekerkammer (AKNR) und Verband (AVNR). „Am Protesttag bleiben viele Apotheken in an Rhein und Ruhr geschlossen. Die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung werde über die diensthabenden Notdienst-Apotheken sichergestellt. Patientinnen und Patienten wird empfohlen, Rezepte möglichst vor dem Protesttag einzulösen“, so AVNR-Vorsitzender Thomas Preis und Kammerchef Dr. Armin Hoffmann.

„Mit unserem Protest stärken wir der Bundesregierung den Rücken, damit die angekündigte Apothekenstärkung jetzt schnell umgesetzt wird“, so Hoffmann. „Es geht nicht um die Interessen einzelner Betriebe, sondern um die Zukunft einer sicheren, persönlichen und flächendeckenden Arzneimittelversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger in unserer Region“, ergänzt Preis.

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