Vorteile überwiegen

Statine: Die wenigsten Nebenwirkungen sind belegt

, Uhr
Berlin -

Statine zählen zu den am häufigsten verordneten Herz-Kreislauf-Mitteln. In Deutschland erhalten schätzungsweise elf Millionen Menschen Cholesterinsenker. Forschende haben nun heraus gefunden, dass Atorvastatin & Co. weniger Nebenwirkungen erzeugen als bisher angenommen.

Unter einer Statineinnahme kann es zu Nebenwirkungen kommen. Die bekanntesten unerwünschten Symptome sind Muskelschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Auch erhöhte Leberwerte werden in den Packungsbeilagen von Atorvastatin, Fluvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin aufgezählt. Das Risiko für Typ-2-Diabetes kann ebenfalls minimal erhöht sein.

Kein kausaler Zusammenhang

Laut der Studie „Effect of statin therapy on reports of various adverse events: an individual participant data meta-analysis of 23 large-scale randomised trials“ besteht jedoch kein kausaler Zusammenhang für die meisten dieser Beschwerden.

Unter der Leitung von Professor. Dr. Christina Reith vom Nuffield Department of Population Health (NDPH) der University of Oxford wurden für die Metaanalyse Daten von über 150.000 Proband:innen aus 23 randomisierten, doppelblinden Studien ausgewertet.

In 19 dieser Studien mit insgesamt 123.940 Teilnehmern wurden Statine mit Placebos verglichen. In den anderen vier Studien wurden Statin-Therapien in unterschiedlichen Dosierungen vergleichend gegenübergestellt. Die Beobachtungszeit betrug im Durchschnitt fast fünf Jahre. Die Studie wurde von der Cholesterol Treatment Trialists’ (CTT) Collaboration durchgeführt und die Ergebnisse in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht.

Die Forschenden erfassten unter anderem auch die Häufigkeit von kognitiven Störungen, Demenz, Depressionen, Schlafstörungen, erektile Dysfunktion, Gewichtszunahme, Übelkeit, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Nebenwirkungen trat unter einer Statineinnahme genauso häufig auf wie unter Placebo.

Dass Patient:innen die aufgeführten Symptome dennoch bemerken, wird oft dem Nocebo-Effekt, sprich der Erwartung negativer Wirkungen, zugeschrieben.

Geringe Risiken vorhanden

Laut den Forschenden gebe es belegte aber geringfügige Risiken:

  • Das Risiko für abnormale Leberwerte war in der Wirkstoffgruppe minimal um 0,1 Prozent erhöht. Es gab jedoch keinen Anstieg von Hepatitis oder Leberversagen.
  • Es wurde ein minimal erhöhtes Risiko für Ödeme und eine veränderte Urinzusammensetzung festgestellt.
  • Statine können einen leichten Anstieg des Blutzuckerspiegels verursachen, was bei Vorerkrankten zu einem etwas früheren Ausbruch von Diabetes führen kann.

Zu Muskelschmerzen erklären die Forschenden, dass bereits frühere Daten derselben Forschergruppe zeigten, dass nur etwa 1 Prozent der gemeldeten Muskelschmerzen tatsächlich ursächlich auf die Statine zurückzuführen sind. Die meisten Beschwerden in diesem Bereich traten ebenfalls in der Placebogruppe auf.

Vorteile überwiegen

„Statine sind lebensrettende Medikamente, die in den letzten 30 Jahren von Hunderten Millionen Menschen eingenommen wurden“, so Reith. „Die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Statinen haben jedoch viele Menschen abgeschreckt, die einem Risiko für schwere Behinderungen oder Tod durch Herzinfarkt oder Schlaganfall ausgesetzt sind“, stellt sie klar. „Unsere Studie bestätigt, dass für die meisten Menschen die Vorteile von Statinen die Risiken von Nebenwirkungen bei weitem überwiegen.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte