Kinderlähmung

Polio: Schluckimpfstoff wird bivalent

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Berlin -

Insgesamt 155 Länder weltweit werden in diesen Tagen einen neuen oralen Impfstoff gegen die Poliomyelitis einführen. Der Wechsel vom bisherigen trivalenten auf einen bivalenten Impfstoff soll das Auftreten von Polioerkrankungen durch mutierte Impfstoffviren eindämmen.

Die Polioimpfung wird in den meisten Ländern mit einem abgeschwächten Lebendimpfstoff durchgeführt. Er ist wesentlich kostengünstiger als der Impfstoff aus inaktivierten Viren, der in reicheren Ländern wie Deutschland verwendet wird, und kann oral verabreicht werden, was bei Kampagnen in ärmeren Ländern ein Vorteil ist.

Bislang wurde ein trivalenter Impfstoff verwendet. Er enthält alle drei bekannten Serotypen des Erregers. Die Polioerkrankungen der letzten Jahre wurden jedoch ausschließlich durch den Serotyp 1 verursacht. Der Serotyp 2 wurde 1999 ausgerottet. Auch der Typ 3 kommt praktisch nicht mehr vor – er wurde zuletzt 2012 registriert.

Die beiden Serotypen 2 und 3 wurden als Vorsichtsmaßnahme im Impfstoff belassen. Der Serotyp 2 wird jetzt herausgenommen, weil er in den letzten Jahren immer wieder zum Ausgangspunkt von kleinen Ausbrüchen durch Impfstoffviren wurde. Erkrankungen mit dem sogenannten circulating vaccine-derived poliovirus (cVDPV) sind eine Nebenwirkung der Schluckimpfung. Sie werden durch Mutationen der Impfstoffviren verursacht, die die Pathogenität der Wildtypviren aufweisen.

In den letzten zehn Jahren wurden mehr als 90 Prozent der cVDPV-Polioerkrankungen durch mutierte Viren des Serotyps 2 verursacht. Der jetzige Wechsel des Impfstoffs soll dies in Zukunft verhindern. Damit der Wandel gelingt, müssen alle Länder – dies sind weltweit 155 Staaten – möglichst gleichzeitig die alten gegen die neuen Impfstoffe austauschen. Dies soll innerhalb der kommenden zwei Wochen geschehen.

Die Restbestände des alten Impfstoffs sollen danach vernichtet werden. Um im Fall eines erneuten Auftretens des Serotyps 2 – oder einer cVDPV durch den Serotyp 2 – sofort reagieren zu können, wurde ein monovalenter Impfstoff gegen den Serotyp 2 eingelagert.

Die Polio Eradication Initiative hat in den letzten Monaten Fortschritte gemacht. In diesem Jahr sind bisher nur zehn Erkrankungen aus Afghanistan und Pakistan gemeldet worden. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 22 Erkrankungen. Im letzten Jahr sind in Guinea, Laos, Madagaskar, Myanmar, Nigeria und der Ukraine insgesamt 35 Kinder durch cVDPV an Polio erkrankt. Die letzten drei cVDPV-Erkrankungen wurden im Januar aus Laos gemeldet. Sie wurden durch Viren verursacht, die aus dem Serotyp 1 entstanden waren.

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