Mehrere Erreger abgedeckt

Nasaler Impfstoff gegen Corona und Krankenhauskeime

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Berlin -

Laut einer Studie der Stanford Universität könnte es demnächst einen Universalimpfstoff gegen Atemwegserkrankungen geben. Forschende haben eine Methode entwickelt, die nicht mehr nur einen spezifischen Erreger bekämpft, sondern das Immunsystem der Lunge breitflächig auf verschiedene Bedrohungen vorbereitet.

Die Studie mit dem Titel „Mucosal vaccination in mice provides protection from diverse respiratory threats“ wurde am 19. Februar im Fachjournal Science veröffentlicht.

Das Vakzin soll laut den Ergebnissen gegen mehrere Erreger gleichzeitig immunisieren können. Dabei machen sich die Forschenden einen neuen Ansatz zunutze. Statt einer herkömmlichen Spritze wird der Impfstoff intranasal als Nasenspray verabreicht.

Wirkung gegen viele Erreger

Die Lösung besteht aus einer liposomalen Formulierung, die zwei spezifische Aktivatoren (TLR 4 und TLR 7/8 Liganden) mit einem Modell-Antigen kombiniert. In Versuchen mit Mäusen zeigte der Impfstoff eine bemerkenswerte Wirkung gegen eine Vielzahl von Bedrohungen, wie die Forschenden erklären:

  • Schutz gegen Sars-CoV-2, genauer gegen das ursprüngliche Virus und verwandte Coronaviren
  • Wirksamkeit gegen gefährliche Krankenhauskeime wie Staphylococcus aureus und Acinetobacter baumannii
  • Überraschenderweise linderte die Impfung auch die Reaktion auf Hausstaubmilben, indem sie schädliche Entzündungsprozesse in den Atemwegen dämpfte.

Schutz direkt in der Lunge

Die Immunisierung erfolgt über die Alveolarmakrophagen, die Fresszellen der Lungenbläschen. Die Impfung erzeugt langlebige Gedächtnis-T-Zellen direkt in der Lunge. Diese Zellen „trainieren“ die Makrophagen, sodass diese bei einem Kontakt mit Krankheitserregern viel schneller und effizienter reagieren können.

Die Schutzwirkung hielt bei den Testtieren mindestens drei Monate an, was laut den Forschenden für eine Schleimhautimmunität ein langer Zeitraum sei. Zudem bildeten die Mäuse nach einer Infektion sehr schnell eigene, erregerspezifische Antikörper und schützende Gewebestrukturen in der Lunge aus.

Nasenspray statt Spritzen

Sollten sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, könnte dies die Impfstrategie revolutionieren, so die Forschenden. Denn anstatt jedes Jahr separate Impfungen gegen Grippe, Covid-19 oder Pneumokokken zu benötigen, könnten Patient:innen von einem einzigen saisonal verabreichten Nasenspray profitieren. So könne ein breiter Basisschutz gegen die meisten gängigen Atemwegsinfektionen und sogar bestimmte Allergien aufgebaut werden. Die Studie befindet sich aktuell jedoch noch im Stadium der Tierversuche.

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