Monoklonale Antikörper sind in der Vorbeugung von Migräne bei Erwachsenen bereits fest etabliert. Für jüngere Patient:innen gab es bislang jedoch nur begrenzte medikamentöse Optionen. Eine aktuelle klinische Studie belegt, dass der Wirkstoff Fremanezumab auch bei Kindern und Jugendlichen die Anzahl der monatlichen Krankheitstage signifikant senken kann.
Gemäß der bundesweit repräsentativen KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts ist Migräne bei Kindern und Jugendlichen keine Seltenheit. Während rund 5 Prozent der Kinder im Grundschulalter betroffen sind, steigt die Prävalenz bei Jugendlichen auf etwa 10 bis 12 Prozent an.
Diese Zahlen werden durch die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft bestätigt, die insbesondere mit Beginn der Pubertät einen deutlichen Häufigkeitsanstieg auf mindestens 10 Prozent verzeichnet.
Fremanezumab gehört zur Gruppe der CGRP-Inhibitoren (Calcitonin Gene-Related Peptide). CGRP ist ein Neuropeptid, das bei der Entstehung von Migräneattacken eine Schlüsselrolle spielt. Es erweitert Gefäße und fördert Entzündungsprozesse. Der Antikörper Fremanezumab blockiert diesen Signalweg und reduziert so die Häufigkeit und Intensität der Anfälle.
Die Wirksamkeit bei jungen Patient:innen wurde in der sogenannten SPACE-Studie mit dem Titel „Fremanezumab in Children and Adolescents with Episodic Migraine“, untersucht. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht. An der randomisierten, placebokontrollierten Phase-3-Untersuchung nahmen über 230 Probanden im Alter von 6 bis 17 Jahren teil.
Das Ergebnis: Unter der monatlichen Injektion von Fremanezumab sank die Zahl der durchschnittlichen monatlichen Migränetage um 2,5 Tage. Im Vergleich dazu verzeichnete die Placebo-Gruppe lediglich einen Rückgang um 1,4 Tage.
Besonders deutlich war der Erfolg bei der sogenannten 50-Prozent-Response-Rate. Rund 47 Prozent der mit dem Antikörper behandelten Kinder erreichten eine Halbierung ihrer monatlichen Migränetage gegenüber 27 Prozent in der Placebo-Gruppe. Das Medikament wurde insgesamt gut vertragen. Als häufigste Nebenwirkung traten lokale Hautreaktionen in Form von Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle auf.
Die Ergebnisse markieren laut den Forschenden einen wichtigen Fortschritt in der pädiatrischen Neurologie. Sie stellen eine effektive und spezifische Prophylaxe für junge Patienten in Aussicht. In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für Patienten ab sechs Jahren bereits erweitert (Stand August 2025).
Trotz der positiven Daten betonen die Experten, dass weitere Langzeitstudien notwendig sind, um die Sicherheit und Wirksamkeit über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten hinaus sowie die Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder abschließend zu bewerten.
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